Bono: "Herbert Grönemeyer sollte sich schlaumachen"

Bono kontert Kritik an Apple-Aktion und disst Kollegen als zu alt

Bono und Herbert Grönemeyer sind eigentlich befreundet, aber sie pflegen beide auch eine klare Aussprache. In der Zeit hat Bono hat die Kritik an der Apple-Aktion von Grönemeyer gekontert. Und bekennt freimütig, dass er einfach gerne im Gespräch ist, selbst wenn es sich um Kritik handelt.

Es gibt wohl nicht viele deutsche Musiker, mit denen ein Weltstar wie Bono zusammen auftreten würde. Mit Herbert Grönemeyer stand er in der Vergangenheit gleich mehrfach auf der Bühne.

In einem Interview bezeichnete Herbert Grönemeyer kürzlich die Apple-Kooperation, bei der das neue Album von U2 an alle iTunes User verschenkt wurde als "respektlos gegenüber hart arbeitenden Kollegen". Bono konterte im Interview mit der Zeit: "Das hat Herbert gesagt, ohne sich vorher schlauzumachen. Wir haben gar nichts verschenkt! Wir als Band wurden erstklassig bezahlt."

Offenbar hat Bono immer noch nicht verstanden, dass es überhaupt nicht darum geht, ob eine der reichsten Bands der Welt noch reicher wird, sondern um das Signal, das ausgesendet wird, wenn diese milliardenschwere Band ein ganzes Album an einen Konzern verkauft und verschenken lässt. Warum sollte man dann noch für Musik von unbekannteren Bands zahlen wollen? Und was heißt es für die Kunst, wenn sie nur noch als Beiwerk einer Werbekampagne verramscht wird?

Das war der zentrale Punkt in Grönemeyers Kritik, der auch ein Label betreibt, mit dem er junge Künstler aufbaut und der die Zusammenhänge bestens kennt. Auch die Kritik von Ozzy Osbourne und Iggy Pop, dass U2 mit ihrer Aktion dem Nachwuchs schadeten, bügelte Bono im Gespräch mit der Zeit kurzerhand ab. "Das sind Typen, die eine Schlagzeile lesen und sich dann unqualifiziert äußern. (...) Vielleicht sind viele Kritiker auch einfach zu alt."

Vielleicht sollte Bono selbst nicht nur die Schlagzeilen über sich lesen, um die vielfach sachlich begründete Kritik an der großkotzigen Vorgehensweise von U2 und Apple zu verstehen. Oder warum manche Musikfreunde es mehr als befremdlich finden, wenn Ur-Punk Joey Ramone dank U2 posthum plötzlich in einem Apple-Werbespot auftaucht. Leider kann man ihn selbst nicht mehr fragen, was er davon hält, auf diese Weise "geehrt" zu werden.

Auf die Frage, ob er mit Kritik gut umgehen könne, sagte Bono: "Ich lebe damit nicht nur sehr entspannt, ich genieße den Hass sogar. Denn Rockmusiker zu sein, das heißt für mich auch, Unruhe zu stiften. In unserer Karriere gab es vielleicht zehn Minuten, in denen wir beliebt waren, ansonsten lebten wir immer im eisigen Gegenwind."

Weniger eisig wird es wohl auch nach diesem Gespräch nicht werden.

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