Britische Künstler boykottieren erneut Berliner Festival

Wie antisemitisch ist die britische Musikszene?

Nachdem bereits im vergangenen Jahr einige Künstler ihre Teilnahme am Berliner Pop Kultur Festival abgesagt haben, geht das Spiel nun in eine neue Runde. Wegen der Unterstützung einzelner Künstler durch die israelische Botschaft boykottiert Richard Dawson und die Band Shopping das Festival. Ein Sieg für die antisemitische BDS-Kampagne, die vor allem in England immer weitere Kreise zieht.

Der britische Songwriter Richard Dawson und die Band Shopping haben ihre Teilnahme am Berliner Festival Pop Kultur abgesagt. Der Grund ist, dass drei israelische Künstler von der Botschaft ihres Landes einen Reisekostenzuschuss in Höhe von je 400 Euro erhalten haben.

Für ihre Absage erhalten die Briten in England viel Applaus, bei Twitter werden die Künstler gar als "mutig" bezeichnet. Dabei sind diese Absagen nichts anderes als unverhohlener Antisemitismus. Und ein Angrff auf die israelischen Kollegen. 

Auch die gefeierte israelische Künstlerin Noga Erez tritt 2018 auf dem Pop Kultur Festival auf.

Warum Künstler ein Berliner Festival boykottieren

Niemanden kann unberührt lassen, was in Gaza passiert. Während Palästinenser unter Führung der paramilitärischen Hamas die israelische Grenze angreifen, schießt die israelische Armee scharf zurück und hat bei Ausschreitungen letzte Woche rund 60 Menschen getötet. Grund dafür war die Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem. Eine Provokation, die zu Gewalt führen musste. 

Man muss die Vorfälle genau untersuchen, so wie es die UN bereits angekündigt hat. 

Doch die politische Kampagne BDS (Boycott, Divestment and Sanctions) nutzt die Unruhen erneut für ihre fragwürdige Kampagne, die vor allem in England viele Unterstützer hat. Darunter auch bekanntere Künstler wie Kate Tempest, Dead Can Dance oder Brian Eno, die sich zu deren Ableger "Artists for Palestine" bekannt haben, die durch kulturelle Boykotte und Ausgrenzung Israels eine politische Änderung erreichen will. 

Was nicht nur anmaßend, sondern auch heuchlerisch ist.

Boykotte nützen den Falschen

Wenn der Boykott tatsächlich politisch motiviert wäre, dürften die Künstler auch auf keinen Festivals mehr auftreten, auf denen amerikanische Künstler spielen, schließlich war die Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem der Auslöser für die Gewalt. Aber das wäre wirtschaftlich betrachtet natürlich Selbstmord. Ein Boykott auf dem Rücken von Musikern, die mit der Politik ihrer Regierung nichts zu tun haben, ist weder mutig noch bewundernswert, es ist schlichtweg dumm.

Künstler in Israel sind in keiner einfachen Situation. Da das einzige demokratische Land im Nahen Osten komplett abgeschottet ist, können sie nicht einfach in Nachbarländern aufteten so wie europäische Künstler. Auftritte in Deutschland wären ohne entsprechende Reisekosten-Unterstützung überhaupt nicht möglich.

Die Kulturförderung, die es in jedem demokratischen Land zum Glück gibt (Großbritannien unterstützt seine Künstler auf der Pop Kultur übrigens mit rund 18000 Pfund), als Grund für eine Absage zu machen, ist ein direkter Angriff auf die Lebensgrundlage israelischer Künstler und eben nicht auf die israelische Regierung, wie die BDS-Kampagne weismachen will. 

Nicht nur israelische Künstler, auch alle israelischen Musikfreunde sollen nach dem Willen des BDS komplett ausgrenzt werden. Künstler wie Nick Cave, Jamiroquai, Paul McCartney oder Radiohead wurden in der Vergangenheit privat und öffentlich einem massiven Shitstorm ausgesetzt und als Handlanger der israelischen Regierung gebrandmarkt, weil sie selbstverständlich auch für ihre zahlreichen Fans in Israel spielten. Sie wurden unter anderem als Unterstützer eines "Apartheid-Regimes" (sic!) angeprangert und verunglimpft. 

Niemandem ist damit geholfen, die israelische Bevölkerung vom Rest der Welt abzuschneiden. Deshalb wird die stramm rechte Regierung des Landes nicht abgewählt werden - ganz im Gegenteil! Es ist Wasser auf die Mühlen der Regierungspropaganda. 

Die Veranstalter des Festivals haben dazu eine klare Haltung: 

"Wir lassen uns durch Boykott nicht einschüchtern. Wenn Menschen nicht bei uns auftreten möchten, weil wir eine Unterkunfts- und Reisekostenbeteiligung von der israelischen Botschaft in Berlin bekommen, so bedauern wir das. Das Nicht-Auftreten, der Boykott, ist nicht unsere Entscheidung. Wir sind jederzeit offen für einen konstruktiven Dialog. Wir glauben daran, dass Diskurs und Dialog der einzige Weg sind, mit den Konflikten in dieser Welt umzugehen. Gerade wir als Kulturarbeiter*innen haben die Aufgabe, über Grenzen hinweg Netzwerke zu knüpfen, auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind." (Pop Kultur Berlin)

Der Nahostkonflikt wird nicht durch Popmusik oder Boykotte gelöst

Ausgerechnet von einem Festival in Berlin den Ausschluss israelischer Künstler zu fordern, ist an Ignoranz und Geschichtsvergessenheit kaum noch zu überbieten und darf nicht einfach hingenommen werden. Gerade die israelische Künstlerin Noga Erez setzt sich kritisch mit ihrem Land auseinander. 

"Menschen öffnen ihren Mund und sagen was immer sie über die Situation sagen wollen, ohne dabei daran zu denken, dass sie eine Verantwortung tragen. Die Leute schreien das einfach raus, anstatt sich selber zu fragen, was sie selbst verändern können." (Noga Erez im Tonspion)

Es darf für antisemitische Propaganda keinen Platz in Deutschland geben, auch wenn sie im Gewand einer vermeintlich guten Sache daher kommt und dafür die sozialen Medien im Stil 

Folgende Künstler unterstützen BDS bzw. Artists For Palestine:

Roger Waters
Brian Eno
Kate Tempest
Dead Can Dance
Thurston Moore (Sonic Youth)
Young Fathers
TV on the Radio
Elvis Costello
Richard Dawson
Shopping
...

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