Bundesregierung wirbt fürs Faulenzen in neuem Werbespot

Umstrittene Werbung im Kampf gegen Corona

Mit zwei Werbespots wirbt die Bundesregierung dafür, einfach mal zuhause zu bleiben und damit zu Helden zu werden. 

Unter dem Hashtag #besonderehelden möchte der Werbespot junge Menschen davon überzeugen, dass sie mit vergleichsweise wenig Aufwand zu Helden werden können, die Menschenleben retten. Und zwar einfach durch Zuhausebleiben und auf private Treffen und Partys zu verzichten. 

Ein Rentner-Ehepaar schwelgt in Erinnerungen an das Jahr 2020, als ein Opfer von ihrer Generation gefordert wurde, die damals einfach nur rausgehen und feiern wollte. Heftig umstritten ist das martialische Kriegsvokabular, das im Spot zum Einsatz kommt, doch der Schluss des Spots ist grandios: Nein, die Helden von 2020 mussten nicht zur Waffe greifen und an der Front um ihr Leben fürchten. Sondern einfach nur zuhause bleiben, "faul wie die Waschbären".

"Tage- und nächtelang blieben wir auf unserem Arsch zuhause und kämpften gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Unsere Couch war die Front. Und unsere Geduld war unsere Waffe. Das war unser Schicksal, so wurden wir zu Helden."

Politische Werbung wird in Deutschland immer umstritten sein. Aber so lange man per Video so witzig darum bittet, sich einfach mal zurückzuhalten, zum Schutz der Risikogruppen in der Bevölkerung, sind wir weit davon entfernt in einer "Corona-Diktatur" zu leben, wie viele Verschwörungsmythen derzeit glauben machen wollen.

Das ZDF hat derzeit eine sehr sehenswerte Reportage über die Geschichte der Verschwörungsmythen rund um Pandemie von der Pest über die spanische Grippe, AIDS, Ebola bis hin zu Corona in der Mediathek im Angebot. Die zeigt: der einzige Weg in die Diktatur ist, wenn bestimmten Menschen (Merkel, Gates,...) oder Menschengruppen ("die da oben", Bundsregierung, China,...) unterstellt wird, Teil einer Verschwörung zu sein und sich selbst als Heilsbringer und Hüter der Wahrheit zu stilisieren. Von der Hexenverbrennung bis hin zur Judenvernichtung ist die Geschichte voll von diesen abschreckenden Beispielen. Und genau dasselbe Muster ist derzeit bei QAnon, Querdenkern, Jebsen und Co. zu erkennen. Auch der ehemalige Popstar Xavier Naidoo predigt inzwischen vollkommen irre Verschwörungsmythen und hat diesen gequirrlten und durch nichts belegten Unsinn vom Darknet in den Mainstream geholt.

Dagegen die lustigen Spots der Bundesregierung durchaus gelungen, um die an wissenschaftlichen Fakten nicht so interessierten Jugendlichen zu appellieren, ohne gleich eine Ausgangssperre zu verhängen.

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