Bye Bye, Viagogo & Co.? EU geht gegen Bots und Wucherpreise vor

Gesetzentwurf gegen Ticket Reseller

Ein neuer Beschluss des Europäischen Parlaments könnte dazu führen, dass Wucherpreise und ominöse Ticket-Anbieter wie Viagogo endlich der Vergangenheit angehören. Hier gibt's alle Infos zum Gesetzesentwurf. 

Egal ob Rammstein oder Metallica: Dank des neuen Beschlusses muss hoffentlich bald niemand mehr Wucherpreise für Konzerte zahlen. (Credit: Sebastian Ervi / Unsplash)

Im November 2018 haben Rammstein ein deutliches Zeichen gesetzt und vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung gegen den fragwürdigen Online-Tickethändler Viagogo erreicht. Das Ergebnis: die Plattform durfte keine Tickets mehr für die 2019er Stadiontour der Band anbieten und zudem nicht behaupten, es handele sich bei denen von ihnen bislang angebotenen Tickets um gültige Eintrittskarten. Diese lagen zum Teil bei einem Preis von 1.000€.

Das Problem: eine Band in der Größenordnung Rammstein konnte diesen jurtistischen Schritt stemmen, vielen kleineren Künstlern fehlt diese Möglichkeit. 

Durch eine Abstimmung des Europäischen Parlaments könnte nun ein neuer Gesetzesentwurf verabschiedet werden, der einen entscheidenden Schritt im Kampf gegen derartige Plattformen und den genrellen Preiswucher auf den Schwarzmärkten bedeutet. Demnach können Ticket-Bots - also automatisierte Software, die Tausende von Tickets kauft - in Zukunft komplett verboten werden.

Zusätzlich werden Ticketverkäufer dazu gewungen sein sein, transparent zu machen, ob sie professionell im Tickethandel unterwegs sind. Ein besonders interessanter Punkt liegt zudem in der Verantwortung der einzelnen Staaten: sollte der Gesetztesentwurf in dieser Form bestätigt werden, bestünde demnächst die Möglichkeit für die einzelnen Staaten, Gewinnspannen beim Weiterverkauf einzuschränken oder ganz zu verbieten. 

Die neue Gesetzgebung soll in den Annex 1 (#23a) des "Unfair Commercial Practices Directive" aufgenommen werden. In diesem werden Handelspraxen aufgelistet, welche unter allen Umständen als unfair angesehen werden. Die neue Ergänzung wird demnach lauten:

  • "reselling event tickets to consumers if the trader acquired them by using automated means to circumvent any imposed limit on the number of tickets that a person can buy or any other rules applicable to the purchase of tickets."
     
  • "Wiederverkauf von Ereignistickets an Verbraucher, wenn der Händler sie mit automatisierten Mitteln erworben hat, um eine auferlegte Beschränkung der Anzahl von Tickets, die eine Person kaufen kann, oder andere für den Kauf von Tickets geltende Regeln zu umgehen."

Hierbei handelt es sich um die ersten Schritte der EU, die dabei helfen die bestehenden Gesetzeslagen zu stärken und gemeinsame Gesetze gegen den Schwarzhandel auf den Weg zu bringen. Bisher stützen sich viele Anbieter auf Gesetzeslücken zwischen einzelnen Ländern, um sich weiterhin in einer Grauzone aufzuhalten:

▶ Ticket-Abzocke: Dubiose Tickethändler nehmen Musikfans aus

Im nächsten Schritt muss der Gesetzesentwurf vom Europäischen Rat angenommen werden, was bereits im Juni 2019 passieren könnte. Anschließend haben die Mitgliedsstaaten ca. zwei Jahre Zeit, um die neuen Vorgaben in ihre bestehenden Gesetze einzuarbeiten. Sollte alles gut laufen, könnt es also schon bald heißen: "Bye Bye, Viagogo & Co.".

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