CDs-Rippen als Dienstleistung

Eine interessante Geschäftsidee trifft auf den Widerstand der Musikindustrie

Das Archivieren seiner CD-Sammlung auf einen MP3-Player ist zum Teil mit hohem zeitlichem Aufwand verbunden. Abhilfe verspricht der Service eines jungen Start-Ups: CD-Ripping als Dienstleistung gegen Entgelt.

Was in den USA bereits seit Dezember erfolgreich praktiziert wird, bringt in Deutschland Probleme mit sich. Juristische versteht sich, keineswegs praktische. Denn die Idee ist an sich simpel: man liefert seine CD-Sammlung beim entsprechenden Dienstleister ab und dieser wird dafür Sorge tragen, dass die Musikstücke schon bald ihren Weg auf einen portablen Player finden werden. Dabei müssen die CDs als Originale samt ihrer Hüllen vorliegen, denn eines steht derzeit rechtlich außer Frage: der Kopierschutz von CDs darf nicht umgangen werden. Und ob eine CD kopiergeschützt ist oder nicht, lässt sich am leichtesten dem entsprechenden Logoaufdruck entnehmen. Die CDs mit Kopierschutz werden vom Ripping-Service aussortiert, die anderen werden in systematischer Arbeit gerippt, so dass die Musikstücke der CDs als MP3 oder in einem ähnlichen Format auf dem persönlichen MP3-Player des Kunden landen. Womit man sonst ganze Abende verbringen kann, übernimmt der Ripping-Service gegen Entgeld.

Und genau in der Bezahlung liegt nach der Agumentation von Hartmut Spiesecke ? Sprecher der Deutschen Phonoverbände (IFPI) ? auch das Problem. Formal ist das auch nicht ganz unbegründet, denn aus dem Urheberrecht geht hervor: "Der zur Vervielfältigung Befugte darf die Vervielfältigungsstücke auch durch einen anderen herstellen lassen, sofern dies unentgeltlich geschieht" (§ 53 UrhG). ?Unentgeltlich? ist dabei der entscheidende Punkt. Im Klartext: als Freundschaftsdienst darf man sich seine CD-Sammlung rippen lassen, als kommerzielle Dienstleistung eben nicht.

Doch das letzte (juristische) Wort ist noch lange nicht gesprochen. Der § 53 Urhebergesetz gibt ? vereinfacht formuliert - nämlich noch eine Ausnahmeregelung für so genannte ?persönliche Archive? her. Also ist die Situation derzeit alles andere als übersichtlich. Bleibt festzuhalten: wer sich in Deutschland mit einem Ripping-Service selbständig machen möchte, sollte sich sogleich um Rechtsbeistand kümmern, da Post von der Musikindustrie zu erwarten ist.

Fazit: eigentlich möchte der Musikfreund ja nur seine legale und für viel Geld erworbene CD-Sammlung auch unterwegs hören. Aber vielleicht kann er den Abenden, die er bei einem Verbot von solchen Dienstleistern nun doch eigenhändig mit dem CD-Rippen verbringt, letztendlich ja auch etwas abgewinnen. Auch wenn er dafür aus Bequemlichkeit lieber gezahlt hätte. (js)

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