Chuck Berry-Konzert: Besucher erhalten Entschädigung

Geld-Zurück-Garantie

Chuck Berry hatte bei seinem Helsinki-Konzert 2013 nicht seinen besten Tag erwischt. Er war mit seinen 87 Jahren ja auch nicht mehr der Jüngste. Ein Aufschrei wurde losgetreten. Die finnische Politik reagierte und verabschiedete ein weitreichendes Gesetz. Ein Vorbild?

Chuck Berry gilt als Wegbereiter des Rock'n'Roll

Jeder hat sicherlich schon mindestens einmal dieses zweifelhafte Vergnügen gehabt: Da steht auf der Bühne dieser randvolle Typ und gibt statt der Lyrics nur undefinierbares Gestammel von sich, was mehr an einen Endlosmonolog von Chewbacca erinnert, als an die Songs, auf die man sich schon seit dem Ticketkauf gefreut hat. Da hätte man die viel zu überteuerte Eintrittskarte auch für nützlicheres verwenden können: Kamin entzünden oder so...

Damit ist jetzt Schluss! Zumindest in Finnland. Zum Teil. Anlass ist ein missglücktes Konzert von Chuck Berry aus dem Jahr 2013 in Helsinki. Der hatte einen gebrauchten Tag erwischt, war zudem laut eigener Aussage gesundheitlich stark angeschlagen. Der Aufschrei enttäuschter Fans der Rock'n'Roll-Legende ließ nicht lange auf sich warten. Der damals 87-jähgrige Berry entschuldigte sich im Nachhinein auch für das verkorkste Konzert.

An diesem Abend ein Schatten seiner selbst: Chuck Berry

Die Politik reagierte und verabschiedete nun ein Gesetz, wonach enttäuschte Konzertbesucher ihr Geld zurückverlangen können. Was sich wie ein schlechter Scherz anhört ist ernste Realität. Künstler werden fortan in die Pflicht genommen abzuliefern. Den Servicegedanken in allen Ehren, aber braucht es solch eine Regulierung wirklich? Wann ist ein Konzert objektiv betrachtet schlecht? 

Das Konzerterlebnis an sich ist ein ausschließlich subjektives Erlebnis. Kriterien zu finden, wonach sich die Qualität von Liveauftritten objektiv beurteilen lässt ist kompliziert bis unmöglich. Der zuständige Ausschussvorsitzende im finnischen Parlament gibt dazu gegenüber dem finnischen Runfunksender YLE folgendes Statement ab: "Maßgeblich ist die allgemein geteilte Ansicht, dass ein Konzert daneben gegangen ist - so wie es im Falle von Chuck Berry war."

Außer der Maßgabe, dass die Mehrheit das Gefühl eines komplett misslungenen Auftritts teilen muss, macht der Ausschuss keine weiteren Angaben. Egal ob man es als pure Regulationswut oder Vorbild für andere Länder einstuft, ein Fakt bleibt: Chuck Berry ist eine lebende Legende und die Leute haben dafür Eintritt bezahlt, ihn noch einmal spielen zu sehen, wohl wissend, dass er nicht mehr der Jüngste ist. Außerdem ist ein Konzert keine Einbahnstraße. Es lebt von der Wechselwirkung zwischen Künstler und Publikum. Von Interaktion, Anteilnahme, Reaktionen und Gefühlen. Das hat die Politik bei dieser weitreichenden Entscheidung leider übersehen. 

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