Copyright um jeden Preis?

Dissertation: CD-Kopieren schadet nicht unbedingt

Dass das CD-Kopieren nicht jedem Künstler schadet, weiß auch die Musikindustrie. Eine wissenschaftliche Analyse widerlegt nun das Argument, dass der strenge Schutz des Urheberrechts langfristig der gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung dient.

Das Argument, dass es einen strengeren Urheberrechtsschutz bedürfe, damit weniger kopiert, sondern mehr selbst geschaffen werde, sei faktisch nicht zu belegen. Das ist eines der Ergebnisse, zu dem Jochen Haller in seiner Doktorarbeit mit dem Titel ?Urheberrecht in der Musikindustrie ? eine ökonomische Analyse? kommt und deren Ergebnisse der Fachjournalist Matthias Spielkamp in einem Artikel zusammengefasst hat (vgl. unter Links).

Haller befasst sich demnach in seiner Arbeit mit den grundlegenden Voraussetzungen, die für eine Untersuchung dieses Themas notwendig sind. Dabei hat er festgestellt, dass seitens der Musikindustrie oftmals Thesen vertreten werden, die statistisch so gar nicht nachzuvollziehen sind, weil es diesbezüglich schlichtweg an Daten fehlt. So gibt es beispielsweise keine exakten empirischen Erhebungen über die Kosten der Tonträgerherstellung. Auch deswegen sei die immer wieder seitens der Musikindustrie erklärte Behauptung, dass die Umgehung des Urheberrechts Hauptursache für den Umsatzrückgang der Musikbranche sei, wissenschaftlich nicht abschließend nachzuvollziehen.

Haller vertritt in seiner Dissertation eine simple These, wie die Problematik in der Diskussion um den Urheberrechtsschutz gelöst werden könnte: niedrigere Preise für Kulturgüter würden den Kauf von Kulturgütern attraktiver machen. Wer zu einem fairen Preis kaufen kann, kopiert eben nicht. Dies wäre anhand der Entwicklung des Kaufvideo-Marktes im Grundsatz nachzuvollziehen.

Auch stellt Haller in seiner Arbeit heraus, dass nicht außer Acht gelassen werden darf, dass Künstler und Industrie prinzipiell unterschiedliche Interessen vertreten ? auch wenn diese sich teilweise einander bedingen: der Künstler strebt in erster Linie nach Bekanntheit (die natürlich auch seinen Marktwert kennzeichnet), währenddessen die Industrie dabei allerdings ausschließlich profitorientiert agiert (die Bekanntheit des Künstlers dient aus ihrer Perspektive sozusagen nur als Mittel zum Zweck). Und diese Absicht steht bekanntlich nicht immer im Einklang mit dem Streben nach kultureller Vielfalt und gesellschaftlicher Entwicklung.

Fazit: Haller muss mangels Daten viele Fragen zum Thema offen lassen, sensibilisiert aber dafür, dass in der Diskussion um Urheberrechtsschutz, Musikindustrie und Gesellschaft oftmals auf Grundlage unsachlicher Annahmen argumentiert wird. (js)

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