Coronahysterie: Warum du gar kein Klopapier brauchst

Ein Muslim, ein Inder und eine Zero-Waste-Aktivisitin klären auf

Der Coronavirus hat vor allem ein Phänomen gezeigt: in Krisenzeiten hortet der Deutsche nicht etwa Nahrungsmittel, sondern: Klopapier. Dabei nutzt der überwiegende Teil der Welt überhaupt kein Klopapier. Ein Muslim, ein Hindu und eine Zero-Waste-Aktivisitin klären auf, wie man ohne Klopapier überlebt.

Egal ob im Islam oder in Südostasien, Klopapier gilt in vielen Teilen der Welt als eklig und wird allenfalls als Serviette angeboten. Schließlich würde man seine Wohnung ja auch nicht nur staubsaugen, wenn man sie richtig sauber machen will. Wasser hilft nicht nur beim Hände desinfizieren, sondern auch untenrum. 

Warum derzeit in Supermärkten und Drogerien ausgerechnet das eigentlich unnötige und umweltschädliche Klopapier ausverkauft ist, scheint also eher mit einer Kettenreaktion und Lemmingverhalten zu tun zu haben, als mit gesundem Menschenverstand.

Nur weil jemand was ausgesprochen Dummes macht, haben wir das unterschwellige Gefühl, wir müssten es auch machen. Das gilt übrigens auch fürs Posten von Bildern leergeräumter Regale. Auch das schürt erwiesenermaßen nur Panik, selbst wenn es eigentlich nur lustig gemeint war. 

"Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist gesichert", sagt der Sprecher des Lebensmittelhandels Christian Böttcher. "Hygieneartikel werden in der Regel seltener nachbestellt, weil sie normalerweise weniger nachgefragt werden."

Bei allem Unverständnis für die Hamster sollte man die Biografie mancher ältererer Menschen vor allem im Osten der Republik verstehen, die in ihrem Leben oft genug vor leeren Regalen gestanden haben und nun nicht schon wieder das Gefühl haben wollen, zu kurz zu kommen. Es spricht auch eine Menge Verzweiflung für diese Übersprungshandlung: niemand kann momentan etwas gegen das Virus tun, also versuchen wir irgendwas zu kaufen, das uns ein sicheres Gefühl gibt.

Es ist also auch nicht wirklich hilfreich, Menschen zu beschimpfen, die ihr Heil im sinnlosen Eindecken mit unwichtigen Produkten suchen. 

Fakt ist: Wir leben in einem der reichsten Länder der Erde und wir werden so eine Krise überleben. Mit ausreichend Klopapier und Nudeln für alle. 

Sorgen machen sollten wir uns allerdings über Länder, die in nächster Zeit von der Versorgung abgeschnitten sein werden und deren Gesundheitssystem noch schlechter ausgestattet ist als unseres.

Deshalb sollte unsere Hilfsbereitschaft aber nicht an den Landesgrenzen aufhören. Selten wurde uns mehr vor Augen geführt, wie stark wir alle miteinander verbunden sind, weltweit. Wie eine Pandemie alle Menschen von China bis USA vor dieselben Probleme stellt und wie wir voneinander lernen können.

Vielleicht ist das eine wichtige Lektion, die wir von dieser Pandemie lernen können: kein Mensch ist eine Insel. Und Wasser und Seife sind deine wichtigsten Verbündeten.

Bis dahin: bleibt ruhig, bleibt zuhause und wascht euren Hintern einfach mit Wasser, so wie Milliarden andere Menschen auch! Und natürlich auch die Hände.

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