Coronakrise: Berliner Clubs sammeln 1,5 Millionen Euro Spendengelder

Streamingplattform UnitedWeStream spielt halbe Million mit DJ-Sets ein

Die Berliner Clubs haben seit Mitte März über 1,5 Millionen Euro Spendengeldern eingesammelt. Wie viele Clubs damit ihr Überleben sichern können, steht allerdings noch nicht fest. Die Gelder müssen - mit Ausnahmen - als Zuwendung versteuert werden.

In der Coronakrise zeigt sich auch für die Berliner Clubs das Internet als wahrer Segen. Um die Zeit der Schließungen zu überstehen, haben viele Spendenaktionen ins Leben gerufen und mit UnitedWeStream hat die Berliner ClubCommission eine extrem erfolgreiche Plattform geschaffen, auf der gefeiert und gespendet werden kann.

Laut einer Recherche des Journalisten Thomas Vorreyer sind inzwischen mindestens 1,5 Millionen Euro zusammen gekommen. Geld das in Mieten, Personal etc. investiert werden kann, um diese vermutlich noch sehr lange Auszeit zu überstehen. 

Quelle: Thomas Vorreyer / Twitter

Selbst vergleichsweise kleine Clubs wie die Rummels Bucht konnten mittlere fünfstellige Beträge einsammeln. Es lohnt sich also für vor allem für kleinere Clubs von den Aktionen der besonders erfolgreichen Crowdfunding-Kampagnen zu lernen und ihre Stammgäste direkt anzusprechen. 

Vermutlich ist die Zahl der Spenden noch deutlich höher, da viele Spenden direkt über Paypal oder Überweisungen getätigt worden sind und nicht über Crowdfunding-Plattformen. Allerdings müssen Spenden, die nicht an gemeinnützige Organisationen wie UnitedWeStream gehen, ganz normal versteuert werden.

Nur die beiden Platzhirsche Berghain und dem Tresor haben bisher keine Online-Aktionen gestartet. Offenbar reicht hier das Ersparte für ein paar Monate Auszeit. Allerdings würde es in dieser Situation sicherlich helfen, wenn diese beiden international renommierten Schwergewichte auch Aufmerksamkeit auf die Situation vieler Clubs, DJs, Thekenkräfte und Türsteher mit enstprechenden Hilfsaktionen lenken und Geld eintreiben würden. Niemandem ist damit geholfen, wenn das Nachtleben Berlins nach dem Ende der Krise viele seiner Attraktionen und prägenden Gestalten verliert.

Spenden helfen, werden aber nicht für alle reichen

Die Berliner Clubszene ist inzwischen weltweit ein Vorbild, an dem sich auch andere Länder orientieren. Die Streamingplattform UnitedWeStream wurde erfolgreich nach England exportiert, wo ebenfalls zahlreiche Clubs ihr Überleben zumindest sichern konnten. 

Vermutlich werden Spenden nicht jeden Club am Leben halten können, wenn die Politik nicht mit Subventionen bei der Überbrückung dieser Auszeit hilft. Schließlich ist vor allem für Berlin die Clubszene ein treibender Wirtschaftsfaktor. Jedes Wochenende kommen tausende Touristen nur zum Feiern in die Hauptstadt aufgrund ihrer einzigartigen lebendigen Subkultur.

Wir alle können als Community stolz sein, dass so viele bereit sind, ihr gespartes Geld, das ansonsten in Eintritt, Getränke und (und Drogen) geflossen wäre, den Clubs als Spende zur Verfügung zu stellen.

Jetzt sollten wir aber nicht nachlassen und fleißig weiter spenden, bis die Clubs wieder öffnen dürfen. Das wird aller Voraussicht nach nicht vor nächstes Jahr sein, sofern es dann eine Impfung gibt. Schließlich bieten Clubs gerade traumhafte Bedingungen für die Verbreitung eines Virus und mit 2 Meter Abstand will sicher keiner feiern gehen.

Wir müssen also noch eine ganze Weile gedulden und uns mit Online-Livestreams aus den Clubs begnüngen.

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