Coronakrise in der Musikbranche: Was wir jetzt tun können

Rette deine Szene

Der Coronavirus hat vor allem die Musikbranche hart getroffen. Viele Menschen arbeiten draußen, wo das Leben normalerweise pulsiert und haben nun plötzlich kein Einkommen. Was wir alle jetzt tun können, um die Zwangspause zu überstehen.

Auch wenn manche Geschäfte wieder öffnen, werden Konzerte und Festivals wohl zuletzt wieder erlaubt werden. Die Bürgermeister von Los Angeles und New York verkündeten gerade, dass es 2020 keine Großveranstaltungen geben würde. Wer in der Live-Branche arbeitet sollte sich spätestens jetzt nach einem anderen Job umsehen und nicht nur darauf hoffen, dass alles ganz schnell wieder vorbei ist.

Je schneller jetzt das öffentliche Leben unter dem Druck der Wirtschaft wieder angekurbelt wird, desto länger werden wir Beschränkungen haben müssen, warnen Wissenschaftler. Mit Lockerungen der Maßnahmen könnten wir noch 2 Jahre komplette Ausgehverbote haben!

Die Livebranche sollte also alles dafür tun, dass der Lockdown möglichst massiv bleibt, bis die Infektionsgefahr gegen Null tendiert.

Da das die meisten Clubs, Veranstaltungsorte und Dienstleister nicht überleben werden, ist die Politik gefordert, die Branche zu unterstützen und ein Konzept zu entwickeln, damit unsere über Jahrzehnte gewachsene Subkultur nicht einfach stirbt. Aber auch wir können ganz im kleinen etwas tun, um unsere Clubs über Wasser zu halten.

1. Bleib zuhause und spende dein gespartes Geld!

Je mehr Leute einfach weiter zuhause bleiben, desto schneller kann der Virus kontrolliert werden. Ein schöner Nebeneffekt der Schließungen von Bars, Restaurants und Clubs ist, dass wir viel Geld sparen, dass wir normalerweise - ohne mit der Wimper zu zucken - ausgegeben hätten. Wer aktuell keine dramatischen finanziellen Einbußen durch den Coronavirus hat, sollte also jetzt etwas Geld beiseite legen und einfach helfen. Es ist eine sinnvolle  Investition in unsere Zukunft nach Corona. Viele Veranstalter machen derzeit Aktionen, um Geld einzutreiben, hilf einfach mit!

Stay Home Ticket

Wer sowieso zuhause bleiben muss, kann sich bereits gekaufte Tickets als Erinnerung an diese historische Zeit aufheben. (Quelle: PA of the day)

2. Kauf Musik

Das naheliegendste ist natürlich Musik zu kaufen und so seine Lieblingskünstler zu unterstützen. Da man sehr lange und viel streamen muss, bis etwas zählbares beim Künstler ankommt, sollte man einfach mal wieder einen Tonträger kaufen. Schaut einfach auf die Homepage eurer Lieblingskünstler, deren Konzerte ihr dieses Frühjar besucht hättet, was sie euch anbieten und kauft direkt dort!

Das alleine wird allerdings nicht helfen, denn Künstler leben auch von ihren Songrechten, vor allem erfolgreiche Künstler verdienen bei jedem Stream oder Airplay -  auch in der Krise. Davon hat allerdings der Roadie, der Tontechniker oder der Schlagzeuger nichts. Und auch dein Lieblingsclub geht leer aus. Genau die müssen wir jetzt aber unterstützen.

Informationen über Hilfsangebote für Musikschaffende und Unternehmer

3. Kauf Tickets für Konzerte und Festivals

Niemand weiß genau, ab wann öffentliche Veranstaltungen wieder genehmigt werden. Ja, es kann unter Umständen noch viele Monate dauern, bis wir uns wieder frei versammeln dürfen ohne Angst vor neuen Infektionen. Egal, lasst uns trotzdem Tickets kaufen! Viele Konzerte wurden längst verschoben und nächstes Jahr gibt es hoffentlich wieder Festivals, also kauf einfach Tickets und werde zum Sponsor deiner Lieblingskünstler und -events.

4. Behalte deine Tickets

Fast alle Festivals im Jahr 2020 werden dem Coronavirus zum Opfer fallen und wahrscheinlich werden gekaufte Tickets dann bis nächstes Jahr gültig bleiben. Statt nun vom Veranstalter das Geld sofort zurück zu verlangen, lass uns einfach abwarten und so tun, als hätte all das stattgefunden, wofür wir unser Geld sowieso schon ausgegeben haben.

Lasst uns alle jetzt ganz besonders solidarisch sein mit den kleineren unabhängigen Veranstaltern und Künstlern und - nach Möglichkeit - auf das gesetzlich vorgesehene Rückgaberecht verzichten, um diese Firmen und ihre Mitarbeiter nicht in den Ruin zu treiben. Aber vor allem: lasst uns immer freundlich bleiben, auch in diesen schwierigen Zeiten. Menschen auf Facebook zu beschimpfen, nur weil man nicht schnell genug sein Geld zurück bekommt, geht gar nicht!

5. Kaufe Gutscheine bei den Läden um die Ecke

Es gibt inzwischen viele neue Plattformen, auf denen man Gutscheine für die Zukunft kaufen kann, so dass dein Lieblingsort seine Miete bezahlen kann und nicht für immer schließen muss. Das Problem: ein Club, der heute einen Gutschein verkauft, kann morgen keinen Eintritt mehr verlangen. Das Problem wird damit also allenfalls in die Zukunft verlagert. Lass die Gutscheine also nach Möglichkeit einfach verfallen. Stell dir einfach vor, du hättest ein super Wochenende gehabt, selbst wenn du nur zuhause auf der Couch ein DJ-Set angehört hast.

Platten kann man übrigens in fast in jedem Plattenladen der Republik bestellen, dafür muss man nicht die Amazon-Mitarbeiter belästigen, die derzeit schon genug zu tun haben!

6. Bestelle nicht bei Amazon

Amazon ist vermutlich der größte Nutznießer der aktuellen Situation. Statt im Laden nebenan bestellen viele nur noch online, um nicht mehr vor die Tür zu müssen. Und was macht Amazon? Gar nichts! Dem reichsten Mann der Welt fällt überhaupt nichts ein, um in dieser Krisenzeit effektiv zu helfen. Im Gegenteil: CDs werden als verzichtbar eingestuft und nicht mehr ausgeliefert. Mitarbeiter werden hohen gesundheitlichen Risiken ausgesetzt und ausgebeutet. Das sollten wir uns merken. Was auch immer du woanders bestellen kannst, bestelle immer von lokalen Händlern! Jetzt und immer!

7. Geh auf Online-Konzerte, zeige Support

Wir sind uns alle einig darüber, dass ein Livestream von einem Wohnzimmerkonzert eines Künstlers kein echtes Konzerterlebnis ersetzen kann. Aber mit der aktiven Teilnahme an Online-Events zeigen wir unsere Solidarität und Unterstützung und können uns weiter mit Gleichgesinnten austauschen. Schau also einfach mal rein, was derzeit überall geboten wird. In unserem Online-Konzertkalender bekommst du eine tägliche Übersicht, über lohnenswerte Veranstaltungen im Netz. 

8. Unterstütze Crowdfunding-Aktionen deiner Lieblingskünstler

Crowdfunding-Plattformen wie Patreon oder Steady verzeichnen einen enormen Zulauf. Schau einfach mal nach, was es dort für Angebote gibt und wie du unkompliziert helfen kannst. Das alles muss nicht die Welt kosten, aber da wir momentan viel Geld einsparen, während wir zuhause rumhängen, sollten wir großzügig sein und spannende Projekte unterstützen und in dieser ziemlich sinnfreien Zeit etwas sinnvolles zu tun.

9. Teile Links zu Hilfsplattformen

Statt auf Social Media Panik zu schüren oder sinnlose Meinungen über das Virus zu verbreiten, teile doch einfach konstruktiv die diversen hier vorgestellten Angebote. Sorge dafür, dass auch andere eine Idee dafür bekommen, wie wichtig schnelle Hilfe für viele jetzt ist. Natürlich dürfen wir auch in dieser Zeit den Blick über den Tellerrand nicht vergessen: in Afrika und Südasien sind Millionen Menschen bedroht. An den EU-Außengrenzen werden Menschen einfach sich selbst überlassen. Auch diese Menschen werden unsere Hilfe und Solidarität brauchen. 

10. Habe Geduld und lass dich nicht irre machen

Der Coronavirus wird 2020 das domininierende Thema bleiben und wir werden uns langsam daran gewöhnen, mit der Gefahr umzugehen. Aber wie jede Pandemie wird auch diese wieder verschwinden. Medikamente für Schwerkranke sind bereits in der Erforschung und auch ein Impfstoff wird früher oder später gefunden werden. Lasst uns dieses Jahr als eine Art "Sabbatical" betrachten, in der wir neue Dinge ausprobieren oder einfach mal nichts tun können. Diese Chance, neu zu starten und Dinge in unserem Leben zu verändern, bekommen wir so schnell nicht wieder. Lasst sie uns nutzen! 

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