Coronakrise: Künstler Protestmarsch am 9. August 2020

Künstler fordern Hilfen zur Überbrückung

Freischaffende Künstler*innen wurden bei den Corona Hilfspaketen der Bundesregierung komplett übergangen. Am 9. August wollen sie auf die Straße und darauf aufmerksam machen, dass Kunst und Kultur systemrelevant sind.

Solo-Selbstständige – also auch alle freischaffende Künstler*innen – wurden beim Corona-Konjunkturpaket übergangen.

Unternehmen mit mehreren Angestellten wird großzügige Konjunkturhilfe bereitgestellt, aber Solo-Selbstständige werden nach ersten Soforthilfen auf Hartz IV verwiesen und wie Arbeitslose behandelt. 

Freischaffende Künstler*innen haben durch die zahlreichen Veranstaltungsabsagen einen großen Einnahmenausfall, keinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld oder Gagenausfallszahlungen.
Auf diese Ungleichbehandlung wollen sie auf der Demonstration „Künstler! Hilfe! Jetzt!“ am 9. August 2020 aufmerksam machen.

Protestmarsch der Kulturschaffenden

Sonntag 9.8.2020 Berlin

13.00 Uhr Treffpunkt Kurfürstendamm/ Ecke Tauentzienstraße

17.00 Uhr Kundgebung vor dem Brandenburger Tor

Die Forderungen im Wortlaut:

FORDERUNG 1

Kunst ist systemrelevant!

Kunst spiegelt und reflektiert die Gesellschaft, zeigt Tendenzen und Problematiken auf, beugt Radikalisierung vor, bildet Meinungsvielfalt ab und trägt so zum demokratischen Diskurs bei.
Daher sollte Kunst als systemrelevant betrachtet und dementsprechend ernst genommen werden.
Auch trägt kulturelle bzw. künstlerische Bildung ganz wesentlich zur individuellen Entwicklung und zur Ausprägung sozialer Kompetenzen bei Kindern und Jugendlichen bei. Dass die ohnehin staatlich geförderten Kulturinstitutionen durch das Corona-Kulturpaket über Wasser gehalten werden ist wichtig. Dennoch sind unzählige freie Events und Festivals ausgefallen und viele Spielstätten können trotz der Öffnung nicht rentabel arbeiten, weil teils nur 30% der Sitzplätze verkauft werden dürfen. Bund oder Länder sollten die freigelassenen Sitzplätze finanzieren.
In diesen Spielorten und Institutionen sind auch wir freischaffenden KünstlerInnen tätig. Doch selbst wenn diese Spielstätten irgend wann wieder vollständig geöffnet sind, sind inzwischen viele Künstler pleite, können nicht weitermachen oder mussten auf einen anderen Beruf umsatteln. Man kann eine künstlerische Aktivität bzw. Laufbahn nicht einfach an- und ausknipsen.
Wir fordern die Wertschätzung der freischaffenden KünstlerInnen, die einen großen Teil des kulturellen Lebens ausmachen. Wir haben in der Krisenzeit durch Verzicht auf Auftritte die Gesellschaft geschützt. Deshalb wäre es nur gerecht, wenn die Gesellschaft und der Staat uns ebenfalls schützen.

FORDERUNG 2

Befristete monatliche Unterstützung

Die vom Land Berlin schnell und unbürokratisch bereitgestellte „Corona-Soforthilfe“ war bereits am 31.5.2020 erschöpft. Viele KünstlerInnen bekamen 5.000 Euro, die in Kürze aufgebraucht sein werden. Danach werden wir auf Hartz IV verwiesen, doch die vereinfachten Antragsbedingungen zu Hartz IV werden von den Jobcentern zum Teil nicht umgesetzt und oftmals greift Hartz IV aus verschiedenen Gründen nicht. Was wir daher brauchen ist:
Für alle selbstständigen KünstlerInnen eine befristete monatliche Unterstützung in Form einer Art „Künstler-Kurzarbeitergeld“, das sich am individuellen durchschnittlichen Monatseinkommen von 2019 bemisst, mindestens aber 1180,- Euro. Davon sollen die Lebenshaltungskosten wie Miete, Essen und Krankenversicherung gedeckt werden.

Diese Unterstützung soll so lange dauern, bis eine Ausübung des Bühnenberufs wieder in vollem Umfang möglich ist, d.h. bis zur vollständigen Aufhebung der Corona-Maßnahmen.

FORDERUNG 3

Wirtschaftsfaktor Kultur – Kreativbranche nicht aushungern lassen!

Die Kultur- und Kreativbranche erwirtschaftet jährlich um die 100 Milliarden Euro, das sind 3% des Bruttoinlandsprodukts. Außerdem hängen an dieser Branche 1,7 Mio Arbeitsplätze. So viel wie an keiner anderen Branche.
Andere Wirtschaftszweige, in denen ebenfalls ein hohes Infektionsrisiko besteht, werden momentan bevorzugt behandelt, wie z.B. die Tourismus-Branche.
Es ist extrem kurzsichtig, soloselbstständige KünstlerInnen – und darüber hinaus alle soloselbstständigen Kreativen – nicht durch ein Konjunkturpaket zu unterstützen und damit diesen Wirtschaftszweig aushungern zu lassen.

FORDERUNG 4

Aufhebung des völlig unangebrachten Singverbots in Berlin

§5 Absatz 1 der aktuellen SARS-CoV-2 Infektionsschutzverordnung besagt:
„In geschlossenen Räumen darf nicht gemeinsam gesungen werden.“
Wer dagegen verstößt, muss mit einem Bußgeld rechnen, pro (Chor)SängerIn 25-500 Euro! Betroffen sind auch alle Musiktheateraufführen mit mehr als einem Sänger gleichzeitig auf der Bühne.
Dieses Verbot gilt selbst dann, wenn sich die SängerInnen an die Abstandsregeln halten.
Wissenschaftlich belegt ist die Gefährlichkeit gemeinsamen Singens keinesfalls.
Die Chöre und Musiktheaterinstitutionen haben Hygienekonzepte ausgearbeitet und dürfen in Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und Thüringen auch bereits wieder in geschlossenen Räumen gemeinsam singen.
Wir fordern, dass sie das auch in Berlin wieder dürfen!

MITMACHEN

KünstlerInnen aller Sparten sind aufgerufen, bei unserem Protestmarsch mit zu laufen.
Die Parade ist in Blocks unterteilt, die von verschiedenen Kunstsparten, bestehenden Ensembles, Gruppen, Initiativen und Institutionen gestaltet werden.

HYGIENE-REGELN BEIM PROTEST-MARSCH UND DER KUNDGEBUNG

Jede/r hat einen Mundschutz dabei, den ihr bitte immer dann aufsetzt, wenn der Mindestabstand von 1,5 m nicht eingehalten werden kann.
Jeder Block bestimmt eine/n Ordner/in pro 40 Personen, die für die Einhaltung des Mindestabstands sorgen. Die OrdnerInnen tragen am besten eine gelbe Sicherheitsweste.

Wir bitten euch um die sorgfältige Einhaltung der Hygiene-Regeln.