Creative Commons für Einsteiger

Schritt für Schritt zur persönlichen Lizenz

Creative Commons steht für den unkomplizierten Schutz von urheberrechtlichen Inhalten. Aber wer kann sich von Creative Commons angesprochen fühlen – und wie funktioniert´s denn nun eigentlich genau?

Prinzipiell kann jeder, der kreativ tätig ist, seine Werke ? aus juristischen Gründen wird auch häufig von ?Inhalten? gesprochen ? unter Creative Commons lizenzieren, um sie etwa in Tauschbörsen legal zur Verfügung zu stellen. Denn jedes Werk ist automatisch vom Urheberrecht geschützt und darf nicht einfach ungefragt verwendet werden. Mit Creative Commons gibt man seinem Werk die Lizenz zum Kopieren oder sogar Bearbeiten - zum Beispiel für einen Remix - gleich mit auf den Weg.

Ganz gleich, ob man nun Musiker, Texter oder Fotograph ist: das alternative Lizenzierungsmodell richtet sich an jeden, der zwar viele Rechte an seinem Werk freigeben möchte, aber gleichzeitig bestimmte Rechte seines Schaffens schützen möchte. Dabei funktioniert die Creative Commons Lizenz in der Version 2.0 nach dem Baukastensystem (die Versionsnummer der Lizenz kann nachfolgend übrigens unbeachtet bleiben).

Der Urheber entscheidet sich per Mausklick, welche Rechte er den Nutzern einräumen möchte und welche nicht. Das alles direkt auf der offiziellen Website für die deutsche Lizenzierung unter Creative Commons:

Schritt für Schritt:

1. Eines gilt für jede Creative Commons Lizenz: der Urheber genehmigt den Anwendern immer die Verbreitung und Vervielfältigung seines Werkes ? vorausgesetzt, dass dabei der Rechteinhaber namentlich genannt wird. In den folgenden Punkten hat der Lizenzgeber nun die Qual der Wahl:

2. Er muss festlegen, ob er anderen eine kommerzielle Verwertung seines Werkes gestatten möchte.

3. Darüber hinaus muss er sich entscheiden, ob er Dritten eine Bearbeitung des Inhalts einräumen möchte. Das kann er auch mit der Einschränkung genehmigen, dass der Nutzer die Bearbeitung dann seinerseits ebenfalls unter der gleichen Lizenzvariante von Creative Commons veröffentlichen muss.

4. Als nächstes gilt zu bestimmen, für welches Rechtssystem - d.h. in welchem Land - die Lizenzierung gelten soll. Wichtig ist dabei zu beachten, dass aus juristischen Gründen eine deutsche Lizenzierung im Ernstfall keine Gültigkeit vor einem amerikanischen Gericht hätte. Wie die Creative Commons Lizenz schließlich von der Rechtsprechung in der Praxis beurteilt wird, ist allerdings noch nicht entschieden. Bisher gab es dafür keinen Präzedenzfall.

5. Abschließend muss lediglich noch die Form des zu lizenzierenden Inhalts kategorisiert werden (Text, Bild, Musik usw.).

Spielt man das einmal theoretisch durch, wären folgende Lizenzvarianten möglich (Auswahl):

a) "Namensnennung 2.0" (die Versionsnummer hat nur formalen Charakter, vgl. oben): Der Lizenzgeber, also der Urheber, erlaubt eine kommerzielle Verwertung seines Inhalts und dessen Bearbeitung unter der Bedingung, das sein Name dabei Erwähnung findet.

b) "Namensnennung - Keine Bearbeitung": Gestattet werden die kommerzielle Nutzung unter der Namensnennung des Urhebers, aber keine weitere Bearbeitung.

c) "Namensnennung ? Weitergabe unter gleichen Bedingungen": Es wird den Anwendern eine kommerzielle Verwertung eingeräumt; eine Bearbeitung ist aber nur gestattet, wenn der Bearbeiter seinerseits unter exakt der gleichen Lizenzvariante veröffentlicht.

d) "Namensnennung ? Keine kommerzielle Nutzung ? Keine Bearbeitung": Der Inhalt darf keinesfalls kommerziell verwertet werden und auch nicht bearbeitet werden. Bei der Verbreitung muss ? wie bei allen anderen Varianten auch ? der Name des Lizenzgebers genannt werden.

Egal für welche Variante sich entschieden wurde, der Lizenzgeber erhält immer Einsicht in drei Ausführungen seiner Lizenzierung:

I. Eine allgemeinverständliche Erklärung der Lizenz (der so genannte Commons Deed): Creative Commons ist es wichtig, dass die Bedingungen der Lizenzierung auch für Nicht-Juristen nachzuvollziehen sind ? und zwar sowohl inhaltlich wi auch sprachlich.

II. Die juristische Ausführung des Lizenzvertrages (Legal Code): Diese verschafft der Lizenz Rechtsgültigkeit im jeweiligen Rechtssystem. Nur durch diese Ausführung wird beispielsweise eine deutsche Lizenzierung von der deutsche Rechtsprechung berücksichtigt ? bisher gilt dies noch ohne Gewähr (vgl. oben).

III. Eine technische / digitale Version der Lizenz (Digital Code): Dank der computerbasierten Variante der Lizenz wird diese kategorisiert, so dass nach dem lizenzierten Inhalt über bestimmte Suchmaschinen gezielt recherchiert werden kann.

Mit einer rechtmäßigen Lizenzierung unter Creative Commons können Inhalte legal über P2P-Netzwerke getauscht werden. Diese Tatsache macht auch noch einmal formal deutlich, dass die Nutzung von Tauschbörsen an sich nicht illegal ist. Denn auf den Rechtsstatus der getauschten Dateien kommt es an. Ein Aspekt, der bei den Kampagnen der Unterhaltungsindustrie häufig untergeht.

Am leichtesten erschließt sich das Lizenzierungssystem in der praktischen Anwendung: eine Lizenzierung unter Creative Commons kostet schließlich nichts. Also einfach probieren und sich durchklicken, die Systematik erschließt sich schnell. Für weitergehende Informationen empfehlen sich die FAQ auf der deutschen Creative Commons Website. (js)

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