Cro: Warum "Melodie" nicht bei Spotify zu hören ist

Neues Album bisher nicht als Stream verfügbar

Cro hat ein entspanntes Verhältnis zum Internet. Schließlich verdankt er seine rasante Karriere nicht zuletzt seinen Mixtapes, die er online verschenkte und sich so eine riesige Fangemeinde eroberte. Trotzdem gibt es sein neues Album "Melodie" derzeit nicht bei den Streaming-Diensten. Noch nicht.

""Easy" war erst umsonst auf dem Gratis-Mixtape erhältlich. Es wurde rund eine Million Mal heruntergeladen, danach wurde es noch einmal ein halbe Million Mal verkauft. Ich würde sogar behaupten, dass es deshalb überhaupt funktioniert hat, weil es davor umsonst war und die Leute quasi darin baden konnten, sich in den Song verliebt haben." (Cro im Musikmarkt-Interview vom 4.6.2014)

Musik einfach so zu verschenken ist also ok, doch warum ist das neue Album "Melodie" nach wie vor nicht auf Spotify zu hören? Der Grund ist eigentlich naheliegend: Cros Musik verkauft sich inzwischen wie geschnitten Brot, Platz 1 der Charts ist fest im Blick und an Platten, Downloads oder Merchandise verdient ein Künstler ungleich mehr als am Streaming. Zudem dürften viele Spotify-Nutzer kaum noch Platten kaufen, schließlich zahlen sie schon für ihr monatliches Abo.

Die deutschen Charts richten sich seit 2007 nicht mehr nach Stückzahlen, sondern nach erzieltem Umsatz. Das heißt, je teurer Künstler ihre Musik verkaufen, desto weiter vorne landen sie in den Charts. Damit wollte man verhindern, dass Musik billig verramscht wird, um die Charts zu manipulieren. Das ist auch der Grund, warum die Albumcharts derzeit häufig von jungen Hiphop-Künstlern dominiert werden, deren beinharte Fans sich gerne teure Vinyl-Sondereditionen kaufen, die natürlich besonders teuer sind. 

Während Cros Mixtapes zunächst ausschließlich als kostenloser Download zu haben waren, um seine Musik bekannt zu machen, wird sein neues Album als heiß begehrtes Produkt auf den Markt gebracht. Und weil das so gut läuft, würde Cro Geld verlieren, wenn seine Fans -  statt sich das Album auf Tonträger oder als Download zu kaufen - nur noch auf Spotify hören. Dort verdient ein Künstler pro Stream nicht mal 1 Cent. Was sich im Vergleich einfach nicht rechnet. So einfach funktioniert Marktwirtschaft.

Streaming: So wenig verdient eine erfolgreiche Band - Bodi Bill machen Kassensturz

Bestimmt wird es in Kürze auch das neue Album von Cro bei den diversen Streaming-Diensten geben, diesen Zusatzverdienst kann und will sich kein populärer Künstler entgehen lassen, aber so lange Cros Label Chimperator lieber erstmal Platten und Downloads verkaufen will, halten sie sich beim Streaming erstmal zurück.

Es würde kaum wundern, wenn künftig immer mehr Musiker und Labels diesem Beispiel folgen und in den ersten Wochen ihre neuen Alben nur verkaufen und nicht gleich via Streaming "verleihen", ähnlich wie das etwa bei Filmen längst der Normalfall ist. Man muss Monate warten, bis ein aktueller Film auch auf Blueray oder bei den Streamingdiensten zu sehen ist, damit die Leute sich ein Kinoticket kaufen. Vermutlich gäbe es sonst schon lange keine Kinos mehr. Insofern ist es nicht nur reiner Egoismus, den Streaming-Usern ein Album vorzuenthalten, sondern auch ein Weg, Plattenläden zu unterstützen, die gerade für die HipHop- oder Elektronik-Szene nach wie vor eine große Bedeutung haben.

Wer also nicht so lang warten kann, bis "Melodie" auch als Stream zu hören ist, wird sich das Album kaufen müssen. Alle anderen müssen sich einfach noch etwas gedulden.

Thema: 

Empfohlene Themen

Rin Dior 2001 Artwork
TONSPION TIPP

Playlist: Rapspion - Die wichtigsten Rap-Neuheiten

Folge unserer Spotify-Playlist
Jede Woche kommen unzählige Rap-Veröffentlichungen heraus. In unserer Spotify-Playlist sammeln wir die wichtigsten Neuerscheinungen - vom Instant Hit bis zu absoluten Geheimtipps und versteckten Soundperlen.
Stream: Tonspion Tracks der Woche auf Spotify
TONSPION TIPP

Stream: Tonspion Tracks der Woche auf Spotify

Die wichtigsten Neuerscheinungen der Woche in einer Playlist
Du suchst eine kompetent kuratierte Playlist mit den besten Neuerscheinungen, ohne den nervigen Charts-Kram? Abonniere unseren wöchentlichen "Tracks der Woche" auf Spotify! 
Warum ein gut durchdachtes Geschäftsmodell für Musik-Streamingdienste unerlässlich ist

Warum ein gut durchdachtes Geschäftsmodell für Musik-Streamingdienste unerlässlich ist

Das 21. Jahrhundert steht im Zeichen der digital abrufbaren Musik. Seit einigen Jahren erleben die Streamingdienste im Internet einen unaufhaltsamen Boom, der nicht zu enden scheint. Die Konkurrenz der einzelnen Anbieter untereinander ist groß und kaum ein Anbieter – nicht einmal der globale Riese Spotify – ist in der Lage, ein tragbares Geschäftsmodell vorzuweisen. Welche Chancen die Musik-Streamingdienste heutzutage haben und welche möglichen Geschäftsmodelle den Umsatz steigern können lest ihr hier.

Aktuelles Album

Cro - tru. (Artwork)
Album der Woche

Cro - tru.

Artist: 
Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Cro erfindet sich in seinem eigenen Stil neu. In unserer Review lest ihr, was "tru." mit dem Thema Zeit zu tun hat und wieso sich ein Vergleich zu Kanye West nicht vermeiden lässt.