Das teuerste Lied der Welt

US-Amerikanerin muss 9250 Dollar pro MP3 zahlen

Im Internet spielt die Musik längst weit jenseits der alten Plattenfirmen. Doch das hält diese nicht davon ab, immer noch ihre Kämpfe von vorgestern auszutragen. Jetzt wurde eine US-Amerikanerin zur Zahlung von 222 000 Dollar verurteilt, weil sie 24 MP3s in einer Tauschbörse bereit gestellt hatte.   

Die Reaktionen auf das erste Urteil eines Geschworenengerichts in einem Tauschbörsenprozess sind auch innerhalb der Musikbranche gespalten. Der Musikmanager Terry McBride von Nettwerk hält es für das falsche Signal: "Man kann seine Fans nicht an einem Tag verklagen und dann erwarten, dass sie am nächsten Tag Geld für ein Konzertticket ausgeben". Die meisten Musiker seien nicht glücklich, wenn ihre Fans verklagt werden, so McBride, der unter anderem Avril Lavigne unter seinen Fittichen hat.

Die Verurteilte hatte laut den Anwälten der Musikindustrie rund 1700 Musikdateien in ihrem Shared Ordner bei KaZaA, aber verklagt wurde sie nur wegen der 24 Songs. Würde sie für alle angeblich angebotenen Files bestraft, würde die Strafe also hochgerechnet rund 16 Mio. Dollar betragen. Cindy Cohn von der Internetbürgerrechtsbewegung EFF betont: "Diese Gesetze wurden für `Piraten` geschrieben, Leute, die Filme auf DVDs brennen und verkaufen." IFPI-Chef John Kennedy jedoch glaubt an die abschreckende Wirkung der drastischen Strafe gegen die 30 jährige alleinerziehende Mutter.

Angestrengt wurde das Verfahren von den Plattenfirmen Virgin Records, Capitol Records, Sony BMG, Arista Records, Interscope Records, Warner Bros. Records und UMG Recordings.
Der New Yorker Anwalt Ray Beckerman bezeichnete das Urteil als "einen der irrationalsten Augenblicke", die er bisher als Anwalt erlebt habe. Die Kläger hätten nicht einmal nachweisen müssen, dass die Files tatsächlich angeboten wurden. Er ruft alle Firmen und Geschäftsleute, die im Internet ihr Geld verdienen dazu auf, sich hinter die Betroffenen zu stellen und sie auch finanziell zu unterstützen. Die RIAA hat bereits Klage gegen mehrere tausend Tauschbörsennutzer eingereicht, die meisten jedoch wurden außergerichtlich geregelt, da sich die meisten Angeklagten vor einer ruinösen Klage fürchteten. Zurecht, wie jetzt deutlich wurde. Ob die Verklagte in Berufung geht, steht noch nicht fest.

Udo Raaf / Tonspion.de

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