David Crosby: Remember My Name (Arte Dokumentation)

Die bewegte Karriere eines Überlebenden

David Crosby spielte vor 50 Jahren mit seinen Partnern Graham Nash und Stephen Stills beim Woodstock Festival. In der Dokumentation "Remember My Name" erzählt er offen und schonungslos wie er sich und seine Band ruinierte.

David Crosby Pressefoto
David Crosby (Foto: Anna Webber/Rekroom)

Es gibt eine Stelle im Film, der besonders berührt: seine besten Freunde seien in den 60ern an denselben Drogen gestorben, die er genommen habe: Jimi Hendrix, Janis Joplin, Mama Cass. "Warum ich? Wie kommt es, dass ausgerechnet ich nicht tot bin?" 

Ein Konzert von Bob Dylan war der Start der Karriere von David Crosby. Mit seiner Band The Byrds covert er dessen Song "Mr. Tambourine Man" und macht ihn zum Welthit.

Danach gründet er mit seinen Freunden Graham Nash und Stephen Stills das Trio Crosby Stills & Nash. Eines ihrer ersten Konzerte spielen sie vor 400.000 Menschen in Woodstock. Kurze Zeit später stößt Neil Young zu ihnen.

Das Quartett füllt schnell Stadien und gehört plötzlich zu den größten Sensationen seit den Beatles. Vor allem der vierstimmige Gesang prägt den Sound der Band, aber auch das virtuose Gitarrenspiel von Stills und Young. Doch dann kommen die Drogen ins Spiel.

Nachdem er seine Freundin bei einem Autounfall verliert betäubt sich Crosby mehr und mehr und wird 1971 aus seiner eigenen Band geworfen, weil er unausstehlich und unberechenbar geworden war. 

Es folgt ein totaler Absturz inklusive Gefängnis, er verliert sein gesamtes Vermögen.

"Ich bedaure es sehr, dass ich so viel Zeit vergeudet habe, in der ich bedröhnt war. Und ich habe Angst vor dem Tod. Ich hätte gerne mehr Zeit, viel mehr Zeit."
(David Crosby)

Nur mithilfe seiner ehemaligen Bandkollegen findet Crosby danach wieder zur Musik. Sie gehen gemeinsam wieder auf Tour, bis sie sich erneut zerstreiten und nach einem völlig verpatzten letzten Auftritt 2015 im Weißen Haus getrennte Wege gehen. Heute ist Crosby wieder solo und mit junger Band unterwegs.

Offenbar fand sich für die Doku niemand, außer seiner aktuellen Frau, der über Crosby sprechen wollte. Die Interview-Ausschnitte von Neil Young, Graham Nash oder Jackson Browne sind über 20 Jahre alt. Wichtige Weggefährten wie Stephen Stills oder Joni Mitchell - über die David Crosby voller Liebe und Bewunderung spricht - fehlen völlig.

Am Ende zieht David Crosby ein bitteres Fazit seines Lebens: niemand, mit dem er jemals Musik gemacht habe, rede heute noch mit ihm. Und das auch völlig zurecht. Wenn ihn das Adrenalin überkomme, dann vernichte er alles, was um ihn herum sei.

Privat hinterlässt der 77-jährige einen Scherbenhaufen, musikalisch allerdings hinterlässt er ein Werk, das seinesgleichen sucht. Ein sehenswerter Film, nicht nur für alte Fans, sondern auch für alle, die sich für die wilde Musikszene der 60er und 70er interessieren.

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