Der Echo ist tot: Prominente Preisträger geben ihre Trophäen zurück

Musiker schießen mit harten Worten gegen die Verleihung an Kollegah und Farid Bang

Es ist weit mehr als nur ein Generationenkonflikt. Es ist wohl das Ende des Echo, wie wir ihn kannten. Nachdem bereits einige Preisträger ihre Trophäe zurückgeben haben, ziehen jetzt auch Peter Maffay und Marius Müller-Westernhagen nach und distanzieren sich mit klaren Worten von der deutschen Phono-Akademie. Update: Der Verband der Musikindustrie hat nun wie erwartet das Ende des "Echo" bekannt gegeben.

Die diesjährige Echo-Verleihung steht weiterhin massiv in der Kritik. „Sie war eine Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land“, schreibt Peter Maffay in einem Statement auf Facebook. Der Grund dafür liefert der Echo-Ethikrat, der die beiden Rapper Farid Bang und Kollegah trotz eindeutig antisemitischer Texte bei der Verleihung zuließ.

Auf einer Bonus EP zu ihrem Album "Jung Brutal Gutaussehend 3" rappen die beiden geschmacklose und strunzdumme Textzeilen wie "Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen" und "Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow".

Provokation gehört beim Rap schon immer dazu, aber wer auf Kosten der Opfer des größten Verbrechens der deutschen Geschichte Kapital schlagen will, sollte nicht noch dafür geehrt werden. Und so sehen sich eine ganze Reihe von Echo-Preisträgern, sich von der Veranstaltung klar zu distanzieren.

"Der #ECHO, die Verleihung dieses Jahr, war eine Ohrfeige für das demokratische Verständnis in unserem Land. Gleichzeitig zeigt sie die Erosion in unserer Gesellschaft und im Musikgeschehen auf, die sich seit einigen Jahren abgezeichnet hatte und am Donnerstag vergangener Woche ihren vorläufigen Höhepunkt erfuhr. Wie auch die Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz.

Zur Tagesordnung jetzt überzugehen, geht nicht. Es muss eine Aufarbeitung geben." (Peter Maffay)

Peter Maffay teilt, wie auch andere Musikerkollegen, nicht die Meinung des Echo-Ethikrats, dass die Songtexte der beiden polarisierenden Rapper ein Grenzfall seien, die im Sinne der Kunstfreiheit akzeptiert, nominiert und ausgezeichnet werden dürfen. 

Die Verantwortlichen des Echo 2018 haben mit dieser Aktion „eine Mischung aus Dummheit, Feigheit und fachlicher Inkompetenz“ gezeigt und sollten ihren Hut nehmen, so Maffay in seinem Facebook-Post. 

Westernhagen Foto: Daniella Midenge

Auch Marius Müller-Westernhagen hat sich klar gegen die Entscheidung des Echo positioniert und gibt gleich alle seine sieben Preise zurück. 

"Künstler haben eine besondere gesellschaftliche Verantwortung. Sich hinter künstlerischer Freiheit zu verstecken oder kalkulierte Geschmacklosigkeiten als Stilmittel zu verteidigen, ist lächerlich. Provokation um der Provokation willen ist substanzlos und dumm. Und eine Industrie, die ohne moralische und ethische Bedenken Menschen mit rassistischen, sexistischen und gewaltverherrlichenden Positionen nicht nur toleriert, sondern unter Vertrag nimmt und auch noch auszeichnet, ist skrupellos und korrupt." (Westernhagen)

Er sei zwar nicht der Ansicht, dass Farid Bang und Kollegah zwangsläufig Antisemiten seien, aber sie seien erschreckend ignorant. Auch sein Freund Klaus Voormann, der unter anderem als Bassist mit John Lennon ("Imagine") und Lou Reed ("Transformer") zusammengearbeitet hat und als Produzent von Trio die Neue Deutsche Welle mit initiierte, hatte den Preis für sein Lebenswerk zurück gegeben.

„Was sich für mich als Geschenk anlässlich meines 80. Geburtstags anfühlte, entpuppt sich nun als große Enttäuschung“. (Klaus Voormann)

Mittlerweile wollen die Verantwortlichen des Musikpreises den Echo grundlegend überarbeiten. Das ist angesichts der seit Jahren anhaltenden Diskussion um die Verleihung nur aufgrund von nackten Verkaufszahlen und nicht künstlerischer Qualität, vielleicht schon zu spät.

Der Ruf des Echos war noch nie gut, nun ist er endgültig ruiniert. Wer will eine derart ramponierte Trophäe überhaupt noch haben? Außer Helene Fischer und ein paar Rappern dürfte nächstes Jahr keiner mehr freiwillig zum Echo gehen wollen.

"Aufgrund seiner inhaltlichen Fehlkonstruktion war der ECHO in der kulturellen Welt nie relevant. Aber hier geht es nicht um das Kalkül der profitmaximierenden Musikindustrie und ihrer Mechanismen. Es geht im Kern um den Zerfall einer kultivierten Gesellschaft, der zunehmend der innere moralische Kompass abhanden kommt, und dem sehen wir schon viel zu lange zu, ohne genügend Widerstand zu bieten." (Westernhagen)

„Nachdem solch ein Preis nun im Jahr 2018 auch Verfassern von widerwärtigen antisemitischen Schmähtexten verliehen und noch dazu vom 'Ethikrat' Ihres Verbandes bedenkenlos freigegeben wurde, würden wir es als Schande empfinden, weiterhin diesen Preis in unseren Händen zu halten“ (Enoch zu Guttenberg, Dirigent)

„Antisemitischen Parolen eine solche Plattform und Auszeichnungen zu geben, ist unerträglich.“ (Igor Levit, Pianist) 

"Der Ethikrat hat versagt. Wofür gibt es den, wenn der offensichtlich nur eine Instanz zum Durchwinken ist? (...) Momentan könnte ich mir vorstellen, dass der Echo aus dem Verkehr gezogen wird. " (Wolfgang Niedecken)

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