Der Soundtrack meines Lebens: Alle Farben

Frans Zimmers musikalischer Werdegang in Berlin

Jeder von uns verbindet bestimmte Musik mit besonderen Lebensphasen und oft sagt ein Song dabei mehr über eine Person aus als tausend Worte. Heute begeben wir uns mit dem Berliner DJ Frans Zimmer alias Alle Farben auf eine musikalische Reise durch sein Leben in der Hauptstadt.

"Berlin ist einfach ein Dreh- und Angelpunkt". Im Rahmen des #SETTHEPACE-Events von Jaguar in München trafen wir uns mit dem Schon-Immer-Berliner Frans Zimmer und plauderten mit ihm fernab der Heimat über seine musikalische Sozialisation und die Rolle Berlins in seiner Entwicklung.

Alle Farben - Never Too Late

Was war das erste Album, das du dir gekauft hast und gefällt es dir heute noch?

Das war Depeche Mode - Ultra. Und es gefällt mir noch sehr gut.

Mit welchem Song verbindest du deine Kindheit?

Senior Rossi sucht das Glück, das ist eigentlich ein Hörspiel, aber es hatte immer eine tolle Anfangsmelodie. Und Carl Orff - Carmina Burana. Meine Eltern hatten diese Platten rumliegen und da fand ich immer diesen einen Part toll, aber nicht das ganze Stück (lacht). Mein Bruder hat außerdem damals viel Die Fantastischen Vier und Michael Jackson gehört, aber das war dann schon fast frühe Jugend bei mir.

Du bist ja in Berlin geboren und aufgewachsen. Was bedeutet die Stadt für dich und deine Musik?

Ich habe es nie weit aus Kreuzberg rausgeschafft, ein Jahr habe ich mal in Neukölln gewohnt, sonst immer in Kreuzberg und glaube auch, dass der Bezirk wichtig für mich war. Ich bin da aufgewachsen, es war sehr heimisch für mich und sehr künstlerisch. Mein Vater ist auch Künstler gewesen, mein Bruder macht Musik - er hat auch für mich gezeichnet und mein Maskottchen entworfen. Ich war immer umgeben von Kunst und Musik. Letztendlich ist es auch immer noch wichtig für mich in Berlin zu wohnen, denn die meisten Künstler, die ich schätze und kenne und mit denen ich zusammenarbeite, wohnen in Berlin oder sind öfter in Berlin. Es ist eben ein Dreh- und Angelpunkt.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, wegzuziehen. Ich war ja mittlerweile in vielen Städten auf der ganzen Welt und es gibt eigentlich nur zwei Städte, in denen ich mir vorstellen kann zu leben. Das sind New York und Berlin. Ich hatte ein ähnliches Gefühl, als ich in New York war und man hat da auch seinen Kiez, aber Berlin ist es dann doch einfach.

Deine Musik würde also auf jeden Fall anders klingen, wenn du nicht in Berlin aufgewachsen wärst.

Ich glaube schon. Ich weiß noch nicht mal, ob ich angefangen hätte, Musik zu machen. Hier hatte ich einfach die Möglichkeit zu spielen. In vielen Städten und kleinen Dörfern ist es einfach nicht möglich, sieben Tage die Woche einen Gig zu haben. Da ich fleißig war, hatte ich hier die Gigs und habe mich nach oben gespielt. Ich bin ja nicht durch meine Produktionen bekannt geworden, sondern durch meine Mixe und Sets, die ich aufgelegt habe. Es war eine gute Basis für mich, erst zu zeigen, dass ich ein DJ bin und dann zu sagen, ich kann noch mehr.

Welche Platte hat dich dazu gebracht, Musik zu machen?

Das war wohl Shibuya Love im Lexy Remix. Das hat mich dann auch dazu gebracht, elektronische Musik zu machen. Superalte House-Platte.

Du hast ja eigentlich ein Studium zum Grafikdesigner angefangen.

Ja, das war allerdings nichts für mich, da ich nur noch am Rechner saß. Die ersten beiden Semester machten noch viel Spaß, da hat man viele Räumlichkeitsarbeiten mit dem Pinsel gemacht. Ab dem dritten Semester war alles nur noch am Rechner und da habe ich dann gesagt, ich bin raus. Da hatte ich keine Lust mehr.

Mit welchem Song verbindest du deine erste große Liebe?

Burning von The Whitest Boy Alive.

Welches Album läuft bei dir gerade auf Dauerrotation?

Ich habe gerade eigentlich kein Album auf Dauerrotation. Eher ein Label: Yuna Deep. Ich höre gerade viele EPs und davon einige auf Dauerschleife.

Hast du einen Lieblingsclub in Berlin, in dem du gerne aufgelegt hast oder auch jetzt noch auftrittst?

Ich mochte das Ritter Butzke mal ganz gerne, irgendwie habe ich mich da wohl gefühlt. Dann hatte ich Resident Clubs, einmal den RAW Tempel, den gibt es leider nicht mehr und das Lux, das jetzt nur noch eine Kneipe ist, weil sie ihre Konzessionen ändern mussten wegen der Lautstärke. Da habe ich ein bis zwei Mal die Woche gespielt. Jetzt habe ich keinen Standardclub mehr.

Vielen Dank für das nette Gespräch!

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