Der Soundtrack meines Lebens: Bonaparte

Eine musikalische Rundreise durch das Leben von Tobias Jundt

Jeder von uns verbindet bestimmte Musik mit besonderen Lebensphasen und oft sagt ein Song dabei mehr über eine Person aus als tausend Worte. In unserer neuen Serie begeben wir uns mit Künstlern auf eine musikalische Reise durch ihr Leben. Heute mit Tobias Jundt alias Bonaparte.

Album Nummer fünf von Bonaparte steht in den Startlöchern, heißt "The Return Of Stravinsky Wellington" und hält schon jetzt zwei vielversprechende Singles bereit. Mit "White Noize" gelang Tobias Jundt ein viraler Überraschungshit. Tausendfach geteilt war es ihm ein Anliegen das Statement ohne irgendeine Albumankündigung oder offensichtlichen Anlass rauszuhauen. Der Grund ist die Message des Songs selbst. Das reicht!

Wir haben Tobias Jundt nach seiner musikalischen Vergangenheit ausgequetscht. Und der Schweizer blieb uns keine Antwort schuldig. Der Soundtrack meines Lebens mit Tobias Jundt alias Bonaparte.

Was war das erste Album, das du dir gekauft hast und gefällt es dir heute noch?

Mein erstes selbst gekauftes Album war Jerry Lee Lewis "Great Balls Of Fire”. Dieses stieß unverständlicherweise auf einen gewissen Widerstand im Elternhaus. Erst viel später verstand Ich, dass in frühen Rock’n’Roll Songs das Besingen von unreifen Pfirsichen und überreifen Tomaten immer eine Metapher für unzügliches Verhalten im Hinterzimmer war.

Rock’n’roll geht natürlich noch immer - wo wären wir ohne ihn? Aber wenn ich wählen darf, spielt was von Big Mama Thornton, Screamin’ Jay Hawkins oder Sister Rosetta Tharpe.

Mit welchem Song verbindest du deine Kindheit?

Es gab in unserem Haus ein Schallplatten-Zimmer, in welchem Ich mir neben den Beatles, Leonard Cohen oder Simon & Garfunkel vor allem die Platten meines Vaters angehört habe. Um alle 7-inches des Zytglogge Labels aus den Sechziger Jahren zu hören, müsstet ihr zu mir nach Hause kommen. Auf Spotify oder Apple Music findet ihr nämlich nur einen Song - Werner Jundt mit "Loch Wohle” (Zytglogge 1967).

Welche Platte hat dich dazu gebracht, Musik zu machen und warum?

Musik ist Teil meiner Welt, seit ich per Zufall und unrasiert 1978 auf dem Fischmarkt geboren wurde. Es gab verschiedene Musiker oder Songwriter, welche für gewisse Phasen dieses Lebens die Galionsfigur meines Kosmos verkörperten.

Vom Blue Note Gitarristen Grant Green besitze ich zum Beispiel über 30 Alben und einmal klopfte ich bei George Benson an die Tür, nur um ihn nach den Einstellungen von Grant Green's Verstärker zu Fragen. Immer ganz oben auf meiner Liste steht natürlich das Gesamtwerk von Serge Gainsbourg.

Mit welchem Song verbindest du deine erste große Liebe?

Da ich in meinem Leben nur einmal geheiratet habe, müsste die Antwort auf diese Frage lauten: “To Be Alone With You” von Sufjan Stevens und “At The Dark End Of The Street” von Cat Power. Ich erinnere mich aber lustigerweise gerade daran, wie beim Liebesbriefeschreiben als Schuljunge - das war damals durchaus ein tagefüllendes Unterfangen - im Hintergrund “Private Dancer” von Tina Turner lief.

Politisch motivierte Songs sind Teil deines Ouevres. Was sind für dich die größten politischen Hymnen der modernen Pophistorie und warum?

Es sind in der Regel viel mehr Songs politisch motiviert, als man vermuten könnte. Jede Epoche und jede Gemeinschaft hat aber auch ihre eigenen Kämpfe zu besingen… Marvin Gayes “What’s Going On” (1971), Nina Simone “In Concert” (1964), Luis Liach “Barcelona, Gener De 1976”,.. die Liste ist endlos bis in die Jetztzeit: Da darf Tim Fites düster-wütendes Konzeptalbum “Resist” (2016) über Polizeigewalt nicht fehlen.

Eine Platte, die du immer anschmeißen kannst, egal in welcher Gefühlslage du dich gerade befindest, ist…

Die Platte “Today” (Vanguard 1966) von Skip James mit seinem hohen Falsettogesang höre ich gerade sehr oft. Und letztes Jahr hat mir meine wunderbare Frau eine alte Columbiapressung von Son Houses “Father Of Folk Blues” (Columbia 1965) geschenkt. Die beiden Platten sind irgendwie artverwandt. Kann man sich immer anhören.

Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?

Möglicherweise etwas lustiges, das die da bei meiner Ankunft im Jenseits singen könnten, wie Elieen Barton's “If I Knew You Were Comin’ I’d've Baked a Cake” (Mercury 1950). Aber am Ende würde es mich freuen, wenn vorher alle zusammen kämen, um in guter alter New-Orleans-Manier zwei über den Strang zu trinken, hinter dem Leichenwagen herzulaufen und dazu auf ihren Trompeten wild durch die Gegend zu posaunen.

Mit einem freudvollen Kontrapunkt feier ich mich raus aus diesem Leben, und danach könnt ihr meine Asche gerne auf dem Ozean verteilen und dazu Bonaparte Songs pfeifen.

Ein Song, den du aktuell magst, der aber nicht älter ist als du selber…

hahaha… Wizkid mit “Ojuelegba” (Starboy 2014) aus Ghana - aktuell höre ich gerade fast nur Sachen mit afrikanischem Einfluss… da reflektiert die Sonne am Plattenbau."

"The Return Of Stravinsky Wellington", das neue Bonaparte-Album, erscheint am 02.06.2017 über das hauseigene Label der Band. Die aktuelle Single heisst "Fuck Your Accent", bei dessen dazugehörigen Video auch Die Ärzte-Ikone Bela B. eine kleine Gastrolle spielt.

Livetermine sind gerade noch in Planung, was spruchreif ist, sind folgende Festivalshows:
03.6. Nürburg - Rock am Ring
04.6. Nürnberg - Rock im Park
17.6. (A) Wien - Poolbar Festival
15.7. (CH) Bern - Gurtenfestival

Die besten Festivals Deutschlands

Video: Bonaparte - Fuck Your Accent

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