Der Soundtrack meines Lebens: Heisskalt

Eine musikalische Rundreise durch das Leben von Sänger Mathias Bloech

Jeder von uns verbindet bestimmte Musik mit besonderen Lebensphasen und oft sagt ein Song dabei mehr über eine Person aus als tausend Worte. In unserer neuen Serie begeben wir uns mit Künstlern auf eine musikalische Reise durch ihr Leben. Heute mit Mathias Bloech von Heisskalt.

Die Live-Qualitäten von Mathias Bloech und seiner Band Heisskalt sind bald auch auf Platte zu hören (Foto: Viktor Schanz)

Heisskalt lieferten 2016 mit "Vom Wissen und Wollen" eines der besten deutschsprachigen Alben des Jahres, am 31. März 2017 erscheint ihr erstes Live-Album, schlicht "Live" genannt. Wir blicken zusammen mit Sänger Mathias Bloech auf seine musikalische Sozialisation zurück und wollen erfahren, welche Songs und Platten für seine Vita entscheidend waren und immer noch sind.

1. Was war das erste Album, das du dir gekauft hast und gefällt es dir heute noch?

Puh, ich glaube das war „Soundtrack to your Escape“ von In Flames an einer Tankstelle in Schweden auf der endlos langen Rückfahrt aus dem Urlaub mit meinen Eltern. Das Geschrei von Sänger Anders Fridén hat mich zuerst etwas verstört und dann total mitgerissen. Ich habe die CD dann die komplette restliche Fahrt auf Repeat gehört. Dann wollte ich unbedingt wissen, was es da noch so gibt in dieser weiten Welt des Gebrülls. Hab' die Platte lange nicht gehört, aber sie weckt bestimmt tief vergrabene Teenager-Gefühle!

2. Mit welchem Song verbindest du deine Kindheit und warum?

Mh. Bestimmt Songs, die meine Eltern immer gehört oder gesungen haben. Mein Papa liebt das Lied „An de Eck steiht'n Jung mit'n Tüddelband“ und immer, wenn er das pfeift, denke ich an meine Kindheit. Aber es wäre falsch, das nur auf einen Song zu beschränken.

3. Welche Platte hat dich dazu gebracht, Musik zu machen und warum?

Ich weiß noch, dass ich zu meiner Mama irgendwann mit 13 oder so gesagt habe, ich würde mal so Gitarre spielen wollen, wie Brad Delson von Linkin Park. Irgendwann um den Dreh hab ich auch angefangen, die ersten Songs zu schreiben – oder es versucht. Aber eigentlich hab ich schon mit 7 mit dem Gitarre spielen angefangen und vorher auf allem herumgetrommelt. Dann waren eigentlich meine Lehrer meist auch meine spielerischen Idole und vom Papa meines besten Freundes habe ich ein paar Griffe gelernt. Dass ich bestimmte KünstlerInnen und Bands mochte und deren Musik bewusst gehört habe, war dann erst später. Also eigentlich habe ich mit der Musik einfach angefangen und die Musik mit mir, glaube ich.

4. Mit welchem Song verbindest du deine erste große Liebe?

Meine erste richtige Freundin hat ganz viel Reggae und so Zeug gehört, was ich damals echt schrecklich fand. Ich erinnere mich an Jamaram, aber an keinen konkreten Song.

5. Welchen Song hättest du gerne selbst geschrieben?

Bisher habe ich alle Songs, die ich schreiben wollte auch geschrieben oder verworfen. Und ich freue mich immer, von anderen tolle Musik zu hören. Ne, da gibt’s echt nichts. Vielleicht den Tatort-Jingle, aber nur aus monetären Gründen.

6. Welches Album läuft bei dir gerade auf Dauerrotation?

The Dandy Warhols – "The Dandy Warhols Come Down". Fiel mir zufällig wieder in die Hände vor einigen Monaten. Ab dem dritten Song fühlt sich jeder so an, als sei er der letzte. Ein wahnsinns Sound! Ich feier die „Bassistin“ Zia McCabe - eigentlich spielt sie die meiste Zeit MS-20 (Anm. d. Red.: legendärer Syntheszier von Korg) und diese Tatsache ist auch Grund für einen Teil meiner Begeisterung. Da kann man einiges lernen zum Thema Zurückhaltung. Auf jeden Fall gefällt mir der Vibe dieser Platte einfach gut. Morgens hör ich die am liebsten, die trägt einen super in den Tag.

7. Ihr seid schon seit ein paar Monaten auf Tour, nun erscheint ein Live-Album davon. Gab es einen Song, der euch am meisten Spaß gemacht hat, oder einen besonderen Moment während der Tour, der es auch auf die Platte geschafft hat?

Das Feature mit Lygo und Lirr war toll, „Leben wert“! Ansonsten haben wir bei der Live-Platte versucht, ausschließlich besondere Momente einzufangen und uns wirklich durch alle Shows gehört und unser persönliches „Best-Of“ zusammengestellt. Also: Ja!

8. Das Video zum Song „Lied über Nichts“ spielt mit unendlich vielen Klischees. Bei welchem Musikvideo habt ihr euch die Inspiration dafür geholt?

Die Idee für das Video ist von Susanne Heinrich und sie sagt dazu: Die Inspiration habe ich mir vom Song selbst geholt, der mit musikalischen Mitteln ja auch mit Songwriting-Klischees spielt. Die selbstironische Haltung fand ich neu für Heisskalt und wollte die auch ins Bild übersetzen. Und wie sieht das „Nichts“ heute aus? Wie Werbung, in der immer die Sonne untergeht und eine bildschöne 'multiethnic group of friends' vor einem VW-Bus Selfies macht.

9. Welcher Song soll auf deiner Beerdigung gespielt werden?

Scooter – Highway to hell

Heisskalt sind auch in unserer Playlist der besten deutschsprachigen Lieder vertreten.

Heisskalt veröffentlichen am 31. März 2017 ihr Album "Live" und sind weiterhin auf Tour:

29.03.17// Ulm, Roxy
30.03.17 // Düsseldorf, Zakk
31.03.17 // Wuppertal, U-Club
01.04.17 // Lingen, Alter
04.04.17 // Karlsruhe, NCO
05.04.17 // Konstanz, Kulturladen
06.04.17 // Nürnberg, Hirsch
07.04.17 // Jena, Kassa Blanka
08.04.17 // Magdeburg, Factory
10.04.17 // Chemnitz, Atomino
11.04.17 // Aschaffenburg, Colos Saal
12.04.17 // Würzburg, Posthalle
13.04.17 // Trier, Mergener Hof

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