Der Soundtrack meines Lebens: Judith Holofernes

Eine musikalische Rundreise durch das Leben von Judith Holofernes

Jeder von uns verbindet bestimmte Musik mit besonderen Lebensphasen und oft sagt ein Song dabei mehr über eine Person aus als tausend Worte. In unserer Serie begeben wir uns mit Künstlern auf eine musikalische Reise durch ihr Leben. Dieses Mal mit der ehemaligen Wir sind Helden-Frontfrau Judith Holofernes.

Video: Judith Holofernes - "Der letzte Optimist"

In den 00ern erklärte sie uns zusammen mit ihrer Band Wir sind Helden, wie wir alle zu besseren Menschen werden können und wie denn diese "Welt" eigentlich funktioniert. Auch fünf Jahre nach der zeitlich wohl unbegrenzten Pause der Helden und mittlerweile zwei Solo-Alben, wird die deutsche Wunderbardin nicht müde, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Ihr aktuelles Album "Ich bin das Chaos" ist der Beweis. Aber woher kommt all dieser Optimismus? In einem kurzen Interview hat sie es uns verraten.

▶︎ Review: Judith Holofernes - "Ich bin das Chaos"

1. Gibt es für dich einen ersten bewussten Musikmoment?

Also ich habe tatsächlich so ungefähr mit acht die Plattensammlung meiner Mutter entdeckt. Eine sehr gute und breit gefächerte Plattensammlung. Da gab es so hochpolitische 70er-Jahre-Liedermacher, französische Schlager aber auch Punk und Patti Smith und 60er Motown. Und mit acht hatte ich eben so einen Moment, wo ich einfach voll durchgedreht bin auf diese Plattensammlung. 

Und dann weiß ich tatsächlich noch, dass mich damals schon nicht losgelassen hat, was die Leute denn da singen. Aber ich konnte natürlich keine der Sprachen. Also habe ich schon total früh irgendwelche Brel-Platten bei meiner Mutter angeschleppt und gefragt: “Warum ist der Mann so traurig?!”

2. Und wie steht’s um die erste eigene Platte?

Meine erste eigene heißgeliebte Platte war "Graceland" von Paul Simon. Wobei ich aber auch vorher schon irgendeine von den Fat Boys besessen habe. Das ist aber doch auch so geil bei Kindern – diese Vielfraßeinstellung zu Musik. Da spielt das Genre oder ähnliches erstmal keine Rolle – “Musik! Geil!”

3. Was ist dir wichtiger: Text oder Musik?

Puh, das versuche ich schon seit Jahren herauszufinden. Ich hör’ viel afrikanischen Jazz oder so, wo ich den Text natürlich nicht verstehe. Also wenn die Musik geil genug ist, ist mir der Text egal (lacht). Da kann man viel ausgleichen. Obwohl es mir bei deutschen Bands auch bei einem sehr guten Text nicht egal wäre, wenn mir die Musik nicht gefällt. Es muss schon irgendwie zusammenkommen.

4. Hast du einen All-Time-Favourite? Irgendwas, das du schon immer hoch und runter hören kannst?

Ich hör’ Musik ganz oft, um mich aus irgendwelchen Stimmungen rauszuholen oder wenn ich besser draufkommen will. Was dabei nach wie vor immer geht ist “For The Roses” von Joni Mitchell, die mir einfach total Spaß macht, weil man sie total gut mitträllern kann. Und weil man vom hoch Singen tatsächlich chemisch gut draufkommt. Sopran singen tickelt irgendwelche Euphorie-Areale im Hirn an. Heißt, wenn ich schlecht drauf bin, dann sing ich einfach Joni Mitchell mit.

Oder aber wieder "Graceland". Eine der geilsten Platte ever. Oder “Rumours” von Fleetwood Mac! Worüber ich mich aber auch immer wahnsinnig freue ist so 60er Jahre Motown. Wenn das in der Kneipe irgendwo angeht, dann will ich aufspringen und den Wirt umarmen.

5. Mal ganz fern von den ganzen Klassikern: Hast du eine aktuelle Empfehlung?

Ja, total: Nikki and The Dove. Die sind geil! Die sind, meine ich, ein Duo aus Schweden oder Dänemark und haben ganz krasse, offensichtliche Fleetwood Mac Einflüsse. So sehr, dass ich schon beim Hören unbedingt wissen musste, wie die Frau aussieht. Und tatsächlich, sie hat 1-A die gleiche Frisur wie Stevie Nicks sie damals hatte. Das Spannende ist aber: Die andere Hälfte ihres Einflusses ist eher Prince, würde ich sagen. Insgesamt also total slick und funky und trotzdem mit mega Melodien. Total geil!

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