Der Start in die Selbstständigkeit für Musiker und DJs

Wie man mit einem Businessplan eine Karriere startet

Das Musikgeschäft gilt als eines der härtesten der Welt. Oft wird die Blauäugigkeit von Künstlern ausgenutzt, das Geld mit der Musik machen häufig andere. Deshalb sollte sich jeder, der eine Karriere im Musikbusiness startet, Gedanken darüber machen, wie diese Arbeit refinanziert werden kann.

Aufträge selbst aussuchen, Konzerte geben, von der eigenen Kunst leben – für viele Musiker sieht so der Karrieretraum aus. Die Realität gestaltet sich jedoch oftmals anders. Musikmachen kostet zunächst mal Geld. Viel Geld. Man muss Instrumente kaufen, einen Proberaum oder ein Studio mieten. Man investiert zunächst unendlich viel Zeit und Geld, ohne etwas einzunehmen. Bei einer Tour muss man sich auch noch Urlaub nehmen, denn die wenigsten Musiker verdienen genug mit ihrer Kunst, um davon leben zu können.

Musik machen kostet zunächst einmal viel Geld (Foto © Nejron Photo / shutterstock)

Viele Musiker oder Labels starten zwar ambitioniert, aber viel zu häufig ohne sich viele Gedanken darüber zu machen, wie das Musikgeschäft eigentlich funktioniert und an welcher Stelle man auch etwas verdienen kann. Das häufigste Problem ist nicht das fehlende Talent, das haben viele, sondern eine fehlende Vorbereitung und mangelhaftes Management. Dabei lohnt sich ein Reality-Check, wenn man aus einem Hobby einen Beruf machen möchte.

Einen Businessplan erstellen

Wie für jeden Freelancer und jedes junge Unternehmen ist es auch für Musiker unerlässlich, vor dem Gang in die Selbstständigkeit einen Businessplan zu erstellen und zu überlegen, an welcher Stelle man Geld verdienen kann. Das können Live-Auftritte sein, Studiojobs oder auch, indem man selbst ein Studio gründet, um Aufragsproduktionen zu machen. Viele Musiker finanzieren sich durch Musik für Werbung, als Studio- oder Live-Musiker oder durch andere Nebentätigkeiten und nicht durch das Verkaufen von Platten. Auch Merchandise und kreative Selbstvermarktung ist heute unerlässlich, damit aus dem ambitionierten Hobby irgendwann auch eine Karriere werden kann.

Von der Idee zum Businessplan in wenigen Schritten

Um die Karriereplanung in die eigene Hand zu nehmen, statt nur darauf zu warten „entdeckt zu werden“ sollte man zunächst einen Businessplan schreiben. Dabei kann diese Vorlage helfen. In dem Plan werden unter anderem die folgenden Dinge festgehalten:

  • Kapitalplanung: Wie viel Geld kostet mich das alles?
  • Liquiditätsplanung: Habe ich dieses Geld und wie lange reicht es?
  • Rechtliches
  • Zielgruppe und Konkurrenz: Wer soll meine Musik kaufen und wer tummelt sich in diesem Bereich?
  • Analyse des Marktes: Welches Potenzial hat meine Musik? Womit kann ich Geld verdienen?
  • Zukunftsplanung: Was passiert in ein, drei oder fünf Jahren und wie erreiche ich meine Ziele?

Der Businessplan ist nicht nur ein wichtiger Leitfaden für den Musiker selbst, er muss auch bei Bankgesprächen oder bei der Bewerbung um Fördermittel vorgelegt werden. Damit der Businessplan souverän wirkt, macht es Sinn, dieses kostenlose Lexware-Tool für die Erstellung zu verwenden. Darin werden alle wichtigen Faktoren für den persönlichen Businessplan berücksichtigt. Das Tool kann für jede Branche verwendet werden. Selbst wenn man noch gar nicht so viele Einnahmequellen hat, ist es sinnvoll, sich einfach mal Gedanken darüber zu machen, um sich nicht heillos zu verschulden.

Rechtliche Regelungen beachten

Jeder Musiker muss seine Selbstständigkeit anmelden. Steuerlich entscheidend ist dabei die Leistung, etwas Eigenes zu schaffen. Das gilt auch dann, wenn ein Musiker sich auf das Covern berühmter Hits konzentriert. Wer selbst Gigs und Veranstaltungen plant, sollte sich auch mit den Nutzungsrechten der GEMA auseinandersetzen. Sinn macht ebenfalls die Anmeldung in der Künstlersozialkasse. Sie sorgt dafür, dass Künstler ähnlich abgesichert sind wie Arbeitnehmer.

Kontakte sind das A und O

Wer sich als Musiker selbstständig machen möchte, sollte nicht gleich auf die große Karriere als Chartstürmer hoffen, denn nur die wenigsten schaffen es ganz nach oben. Von einer Karriere als Künstler kann man dennoch gut leben, vorausgesetzt, der Einstieg in die Branche klappt und man hat sich Gedanken darüber gemacht, wie man als Künstler überlebt und welche Stärken und Talente man auch vermarkten kann. Viele junge Musiker sind der Überzeugung, dass ihr Talent alleine für eine Karriere reicht. Natürlich ist das die allererste Voraussetzung, reicht aber nicht, um langfristig davon leben zu können.

Die wichtigste Rolle stellt das eigene Telefonbuch dar. Viele Musiker scheitern daran, dass sie zu wenige Aufträge erhalten. Das liegt aber oft nicht an fehlendem Talent, sondern daran, dass sie schlicht zu unbekannt sind. Daher spielen Kontakte eine entscheidende Rolle in der Karriereplanung eines Musikers. Wer mehr darüber erfahren will, wie man vom Studio-Kabelträger zum erfolgreichsten Produzenten der Welt wird, sollte sich die Netflix-Dokumentation "The Defiant Ones" über Jimmy Iovine und Dr. Dre ansehen, die ihre erfolgreiche Karriere über ihr riesiges Netzwerk aufgebaut haben.

Für die ersten Jahre engagieren viele Bands einen Manager, der ihnen Gigs an Land zieht und Termine bei Plattenfirmen besorgt. Dafür werden zwar Prozente fällig, ein gutes Management bringt die Band aber oftmals überhaupt erst auf die Bühne und sorgt so für Einnahmen. Viele Künstler hätten ohne einen cleveren Manager mit langjährigen Kontakten in die Branche nie Erfolg gehabt.

In diesem Business findet man aber auch eine Vielzahl an unseriösen oder schlicht inkompetenten Managern, daher sollten Musiker darauf achten, den richtigen Manager zu engagieren, der von seinen Gesprächspartnern ernst genommen wird. Gute Manager haben bereits zahlreiche Kontakte und können Erfolge vorweisen und sind nicht nur Fan der Band.

Schlechte Manager können mehr kaputt machen, als sie bringen, deshalb sollte man seine Karriere so weit es möglich ist selbst in die Hand nehmen. Wer nur ein paar Gigs pro Jahr spielt, braucht noch kein Management. Gute Musik öffnet die Türen eigentlich ganz von selbst. Wer von euch etwas möchte, sollte zunächst einmal darlegen, was er zu bieten hat. Lasst euch nicht von jedem gleich um den Finger wickeln, nur weil er euch Komplimente macht.

Des Weiteren sollten Musiker die folgenden Kontakte im Adressbuch speichern:

  • Booker: Festivals sind eine gute Möglichkeit, sich ins Gespräch zu bringen, denn hier dürfen auch unbekannte Künstler ihr Können zeigen. Auch der Auftritt im Vorprogramm bekannterer Bands kann ein erster Schritt in die Karriere sein.
  • Bar- und Clubbesitzer: DJs sollten sich regelmäßig mit Discothekenbesitzern austauschen, um an Auftritte zu kommen. Bands dürfen hingegen häufig als Live-Act in Kneipen und Bars Erfahrung sammeln.
  • Plattenfirmen und Co.: Wer seine Musik vermarkten möchte, braucht häufig auch die Kontaktdaten von Plattenfirmen, Tonstudios und anderen Institutionen der Branche. Besser ist aber, so lang wie möglich unabhängig zu bleiben. Plattenfirmen melden sich heute meistens nur noch, wenn man bereits ein paar Releases vorweisen kann und sich bereits viele Fans erspielt hat. Wer das nicht ohne Plattenfirma schafft, wird es auch mit nicht schaffen.
  • Musikernetzwerke: Zahlreiche Plattformen im Internet bringen Musiker zusammen. So können sich kleinere Bands zum Beispiel als Vorband gestandener Künstler bewerben oder gemeinsam Konzerte veranstaltet werden.
  • Medien/Journalisten: Natürlich sollte man auch dafür sorgen, dass man in Medien stattfindet und deshalb sollte man jeden Medienkontakt pfleglich behandeln (das heißt: nicht nerven!), schließlich erreichen Medien häufig viele Menschen im relevanten Umfeld. Kein Journalist wartet auf einen unbekannten Nachwuchskünstler, deshalb muss man ihm handfeste Fakten an die Hand geben, über die es sich zu berichten lohnt.

Aller Anfang ist schwer…

…doch ein Künstler darf sich von ersten Rückschlägen nicht beirren lassen. „Durchhalten“ lautet die Parole. In der Anfangszeit ist es oft nötig auch mal auf eine Gage zu verzichten, vor allem dann, wenn man über einen Auftritt bei einem Festival oder als Support-Act viele Menschen erreichen kann, die einen noch nicht kennen.

Erst wenn die Leute wegen einem selbst kommen, macht es Sinn über die Gage zu verhandeln, so realistisch muss man sein. Wichtiger als die Gage ist zunächst, überhaupt auf der Bühne zu stehen und so Aufmerksamkeit und eine erste Fanbase zu bekommen.

Darüber hinaus sollte man vom Start weg eigene Kanäle aufbauen. Vor allem Facebook, Instagram oder Soundcloud helfen Künstlern dabei neue Fans zu gewinnen und ihre Musik selbst zu vermarkten. Viele Rapper haben sich inzwischen von Medien komplett unabhängig gemacht, weil sie ihr eigenes Medium sind und teilweise Follower-Zahlen im sechsstelligen Bereich haben.

Darüber verkaufen sie Platten, Merch und Tickets direkt an ihre Fans und können so ihre Karriere finanzieren, ohne sich die Einnahmen mit jemand teilen zu müssen. Nie war es einfacher, ohne fremde Hilfe eine erfolgreiche Musikkarriere zu machen. Deshalb lohnt sich die Investition in Workshops und Seminare zum Thema Selbstvermarktung. Ein Musiker muss heute auch ein Vermarktungsprofi sein oder zumindest so jemanden im Team haben, sonst sind die Chancen sehr hoch, dass man kein Gehör findet. 

Die Musikbranche ist ein hartes Pflaster, daher brauchen Musiker, egal ob Band, DJ, Solokünstler oder Studiobetreiber eine dicke Haut. Für den Eintritt in die Selbstständigkeit, macht das Erstellen eines Businessplans Sinn, weil dieser einen zwingt sich mit Einnahmequellen auseinanderzusetzen und seine Karriere überlegt und strategisch zu planen.

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