Album des Jahres

Die Alben des Jahres bis Oktober 2020

Die besten Musik Neuerscheinungen des Jahres 2020 im Überblick

Jeden Monat bewertet Tonspion die wichtigsten Musik-Neuerscheinungen von 6 (herausragend) bis 1 (schlimm). Hier die Charts für die Alben bis Oktober 2020.

Jede Woche erscheinen unzählige neue Alben. Um bei der Masse nicht den Überblick zu verlieren, sammeln wir die wichtigsten Alben des Monats in dieser Liste. Am Ende des Jahres entsteht daraus unsere Jahrescharts. 

In der Jury sind sind Autoren von Tonspion und einige Gastjuroren, die uns seit vielen Jahren verbunden sind.

Hier die Alben des Jahres 2020 bis jetzt und die besten Alben des Monats Oktober 2020.

ALBEN DES MONATS OKTOBER 2020


Ela Minus – Act Of Rebellion

Ein aufgehender Stern am Electro-Pop-Himmel: Ela Minus tanzt die Rebellion! Geboren als Gabriela Jimeno in Kolumbien und nun inmitten von Synthies und Samplesoftware in Brooklyn lebend, legt Ela Minus ein federleichtes und filigranes Debüt-Album vor, das unter der flirrenden clubbigen Atmosphäre ernsthafte Botschaften zu vermitteln mag. Pop und Politik auf eine solche coole Art zu verbinden, ist schon lange keinem Act gelungen. Ela Minus tanzt die Rebellion und wir tanzen nur allzu gerne mit.

Video: Ela Minus - They Told Us It Was Hard, But They Were Wrong


Die Ärzte - Hell

Das 13. Album der Ärzte erscheint ausgerechnet 2020. Routinierte, aber rentenferne Punk-Profis am Werk: Die Ärzte sind nach achtjähriger Pause mit neuen einoperierten Ohrwürmern zurück, Hell yeah! Alles darauf ist so schön uneindeutig wie der Name des Albums: "Hell".

Video: Die Ärzte - True Romance


Bruce Springsteen - Letter To You

Sechs Jahre mussten Bruce Springsteen Fans jetzt auf eine neue Platte zusammen mit der E Street Band warten und es hat sich gelohnt: Spielfreudig und souverän sind die Songs auf "Letter To You" geworden.


Faithless - All Blessed

Das erste Album nach zehnjähriger Pause: "All Blessed" des legendären britischen Dance-Acts verbindet Rave, Dub, Trip Hop und House mit einer Botschaft, die eigentlich schon immer das Motto von Faithless war:

"Lebt bewusst, seid fürsorglich zueinander und liebt euch selbst, damit ihr auch andere lieben könnt".

Video: Faithless - Synthesizer (feat. Nathan Ball)


Róisín Murphy - Róisín Machine

Nach einigen eher unausgegorenen Releases zeigt sich Róisín Murphy 2020 wieder in Bestform und veröffentlicht ihr bestes Soloalbum nach Moloko. Auf "Róisín Machine" präsentiert die 47-jährige Irin schweißtreibenden Discosound und rettet uns damit aus der unerträglichen Langeweile des Seuchenjahres.


Jónsi - Shiver

Nachdem die Zukunft seiner Band Sigur Rós derzeit eher ungewiss ist, veröffentlicht Jónsi sein zweites Soloalbum und macht darauf alles anders als bei seiner Band. Die elegischen Streicher weichen experimentellem Elektrosound. Als Gäste mit dabei: Robyn und Cocteau Twins-Legende Liz Fraser.


Travis - 10 Songs

Die 90-er-Jahre Band Travis hat sich mit dem melancholischen Hit "Why Does It Always Rain On Me" in die Herzen der Indie-Gemeinde gespielt und überrascht 2020 mit einem neuen Album voller neuer Hymnen mit schwelgerischem Gesang.


Annie - Dark Hearts

Das erste Album seit 10 Jahren und Annie klingt genauso popselig wie immer: Die Synthsounds auf "Dark Hearts" erinnern zuweilen an M83 und kombiniert mit dem coolen Sprechgesang der Norwegerin ergibt das ganze federleicht komponierte Tracks.


Woodkid - S16

Woodkid ist auch für seine furiosen Videos berüchtigt und die erste Single-Auskopplung "Goliath" zu seinem ersten Album seit 2011: Und auch "S16" ist wieder typischer Woodkid-Sound mit der eindringlichen Stimme des Franzosen eingebettet in elegisch-dramatischem Indie-Electro-Pop-Gewand.


ALBEN DES MONATS SEPTEMBER 2020

1. Sufjan Stevens - The Ascension Ø 4.71

Electronica-Folk, der geradezu schwebt: Sufjan Stevens legt für viele mit "The Ascension" sein Opus magnum vor und zugleich den interessantesten musikalischen Kommentar zum Zustand der USA und der kommenden Präsidenten-Wahl.

"I have loved you / I have grieved / I’m ashamed to admit I no longer believe (…) Don’t do to me what you did to America".

2. Sevdaliza - Shabrang Ø 4.3

Billie Eilish bezeichnet sie als eine wichtige Inspiration für ihren Hit "You Should See Me In A Crown" und Sevdaliza ist ebenfalls eine Genre-Wilderin, die auf "Shabrang" Trip-Hop, R&B, Psychedelica und Synthiepop grandios miteinander verschmilzt.

3. Sophia - Holding On / Letting Go Ø 4.0

Das Projekt des US-Musikers Robin Proper-Sheppard geht nun in die achte Runde und mit  "Holding On / Letting Go" ist Sophie emotionaler wie nie: Schwermut und Schönheit gehen in den Alternative-Rock-Songs eine perfekte Einheit ein.

4. Thurston Moore - By The Fire Ø 4.0

Auf seinem mittlerweile siebten Solo-Album lässt Sonic-Youth-Gründer Thurston Moore viele Melodien mühelos los, die in ihrer noisigen, gitarrenlastigen und Indie-Rock-Mentalität seine Unverwechselbarkeit zeigen.

5. Suzanne Vega - An Evening of New York – Songs and Stories Ø 4.0

Ein Album, das nostalgisch macht: Nicht nur, weil Suzanne Vega hier ihre Heimat New York besingt oder viele ihrer alter Hits hier vertreten sind (ja, auch "Tom's Diner"), sondern weil es aus einer Zeit stammt als intime Konzerte noch normal waren. Die Songs stammen allesamt aus einem Abend, den die brillante Singer-Songwriterin Anfang 2019 im ebenso exklusiven wie kleinen Café Carlyle in der US-Metropole zelebrierte.

6. Idles - Ultra Mono Ø 4.0

Die Retter des Post-Punk rasen hier durch 12 Tracks voller Wut, Schmerz und Energie: Die Bristoler thematisieren auf "Ultra Mono" das in Großbritannien leider immer noch alte Thema Klassenkampf und die Idles sind auf der Seite der Working Class.

7. Deftones - Ohms Ø 4.0

Auch nach 30 Jahren sind die Deftones brachial und brutal frisch: "Ohms" ist abwechslungsreicher Alternative-Metal voller Energie.

8. Sophie Hunger - Halluzinationen  Ø 3,85

Kompromisslos wie immer ist die Schweizer Sängerin, Musikerin, Songwriterin und Filmkomponistin auch auf ihrem siebten Album: Morbide und melancholische Lyrics treffen auf Electronica, Chansons und Indie-Pop.

9. The Flaming Lips -  American Head Ø 3,66

Diesmal zielt die Experimentierwut der US-Band nicht auf die Zukunft, sondern die Vergangenheit und auch sie befassen sich mit dem Zustand ihrer Heimat: The Flaming Lips widmen sich so auf "American Head" einer sehnsüchtigen schwebenen Pop-Psychedelic, die ein wenig nostalgisch anmutet.

10. Asaf Avidan -  Anagnorisis Ø 3,60

Bereits im Netflix-Hit "Dark" leuchtete seine ungewöhnliche Stimme heraus und das neue Album des israelischen Folk-Rock-Musikers Asaf Avidan namens "Anagnorisis" ist ebenso eine echte Entdeckung. Die Vocals klingen dabei wie ein Echo von Amy Winehouse oder Janis Joplin, die Musik ist ein Mix aus Electro, Folk und Rock.


ALBEN DES MONATS JULI/AUGUST 2020

1. Jessie Ware - What's Your Pleasure? Ø 4.8

In einer eher düsteren Zeit veröffentlicht Jessie Ware ein Album voller funkelnder Disco-Perlen. "What's Your Pleasure?" ist eine berechtigte Frage und ihr Album gibt die passende Antwort. Auf zwölf Tracks leistet sie sich keinen Ausrutscher, jeder Song ist ein Treffer und wenn man am Ende angekommen ist, gibt es nur noch eins zu tun: den Play-On-Repeat Knopf zu drücken!

2. AA Williams - Forever Blue Ø 4.1

Die Britin A.A. Williams veröffentlicht ein Debüt-Album voller dunkler Gothic-Gospel-Song: Alle Tracks auf diesem erstaunlichen Erstling sind eine düstere Mischung aus Neoklassik, Darkwave, Folk und Post-Rock. Bereits der Opener "All I Asked For (Was To End It All)" ist eine elegische Ballade, die wie ein Schatten auf der aktuellen Corona-Krise liegt und ein Klagelied für die ganze Welt ist.

3. SoKo - Feel Feelings Ø 4.1

Nach fünf Jahren Pause, erscheint 2020 der Drittling "Feel Feelings" von SoKo, auf dem sie selbsttherapeutisch Gefühle zu ergründen versucht. Vorbote zum Werk ist ein psychedelischer Kurzfilm zum Song "Are You A Magician?" unter der Regie von der US-Filmemacherin Gia Coppola ("Palo Alto"), die Enkelin von Francis Ford Coppola und Nichte von Sofia Coppola.

4. Jessy Lanza - All The Time Ø 4.0

Cubhymnen für einsame Corona-Nächte: Die kanadische Sängerin verknüpft in ihrem Disco-Pop R&B und Dubstep und klingt auf "All The Time" wie eine charmante Mischung aus Janet Jackson und Caribou

5. Polly Scattergood - In This Moment  Ø 4.1

Zarter Indiepop aus der Feder von Jim Sclavunos von Nick Cave And The Bad Seeds und gesungen von der zauberhaften britischen Künstlerin Polly Scattergood: "Clouds" ist ein luftiger verträumter Song, der ausgerechnet in einem fensterlosen Proberaum in Camden, London entstanden ist. Das neue Album der Sängerin dürfte Fans von Anna Calvi, Bat For Lashes oder Kate Nash sehr gefallen.

6. Jarv Is... - Beyond The Pale  Ø 4.0

Jarvis Cocker, charismatischer Sänger der Britpop-Legende Pulp, hat ein neues Projekt, auf dem er seiner Liebe für House und Elektro frönt: Dass hier jemand singt und glitzert, der auf die 60 zugeht, ist in keinem Ton zu hören.

7. Fontaines D.C. - A Hero's Death Ø 4.0

Die irischen Post-Punker zeigen sich auf ihrem zweiten Album "A Hero's Death" ruhiger und düsterer: Die breiten noisigen Klangflächen zeigen die Einflüsse wie Suicide oder Beach House. Die nachdenklichen Lyrics samt Gesang lassen an Leonard Cohen denken.

8. Taylor Swift - Folklore Ø 3,8

Superstar Taylor Swift erkennt die Gunst der Pandemie und veröffentlich ein Isolationsalbum, das den künstlerischen "Stream Of Consciousness" mit dem geschäftstüchtigen "Streams Of Spotify" verbinden möchte.

9. Glass Animals - Dreamland Ø 3,6

Glass Animals flüchten in ein Traumland, in dem psychedelischer Artpop und R&B sowie Urban-Pop die Realität überstrahlen.

10. Son Lux - Tomorrows I Ø 3,6

Ein Jahr, drei Alben: Mit dem traumhaften "Tomorrows I" legen Son Lux den Anfang einer Trilogie hin. Das New Yorker Post-Rock-Electronica Projekt entfaltet über ein Jahr hinweg seine musikalische Visionen für ein brüchiges Morgen: Teil 1 der Trilogie, die im Sommer 2021 abgeschlossen sein soll, ist dann auch ein zitternd zarter Traum aus fragilen elektronischen Konstruktionen, um die die Vocals und Beats düster wabern.


ALBEN DES MONATS JUNI 2020

1. Run The Jewels - RTJ4 Ø 5.1

Aktueller, relevanter und besser kann ein Album kaum sein: Rapper Killer Mike aus Atlanta ist einer der bekanntesten Vertreter*innen der "Black Lives Matter"-Bewegung. Mit "RTJ4" liefert er den inoffiziellen Soundtrack der Proteste gegen rassistische Polizeigewalt. Das neue Album seines Hip-Hop-Duos Run the Jewels verbindet politisches Engagement mit besonnen Humor und musikalischer Wucht.

2. Jenny Beth - To Love Is To Live Ø 4.3

Starkes Solo-Debüt der Savages-Sängerin mit komplexen Songs zwischen Rock und Elektro sowie Darkgothic. Atticus Ross, Soundtrack-Musiker und Nine-Inch-Nails-Produzent gab "To Love Is To Live" den düster glänzenden Anstrich mit tiefen Bässen und peitschenden Snares.

3. Braids – Show Offering Ø 4.1

Indie-Art-Rock aus Montreal, der mitten ins Herz trifft: Braids verschmelzen schimmernde Synths und eine starke Stimme zu mitreißendem Sound: "Shadow Offering" ist ein poetisches und powervolles Album, voller Wut und Schmerz, aber die Hoffnung liegt kaum verborgen unter den organischen und elektronischen Elementen, die wie ein Herzschlag das Leben feiern.

4. Phoebe Bridgers - Punisher Ø 4.0

Singer-Songwriter-Geniestreich der US-amerikanischen Musikerin Phoebe Bridgers, die mit "Punisher" den bekanntlich schwierigen Zweitling vorlegt: Mit Leichtigkeit erfüllt sie jedoch die hohen Erwartungen nach dem hochgelobten Debüt und schenkt uns flirrenden Indie-Rock.

5. Arca - Kick I Ø 4.0

Experimentelles Feuerwerk der extrovertierten Künstlerin, die sich als nonbinär geoutet hat und unterschiedlich oft die Pronomen „sie/ihr“ bevorzugt: Arca ist der Kopf hinter Songs von BjörkFKA twigs oder auch Kanye West und das Album "Kick I" ist ein sperriges forderndes Werk mit schrillen und hektischen Vibes.

6. Bob Dylan - Rough And Rowdy Ways Ø 4.0

Das 39. Album von Singer-Songwriter und Literaturnobelpreisträger Bob Dylan enthält erstmals seit acht Jahren neue eigene Songs vom Meister selbst: Sie sind poetisch, politisch und präzis in ihrer Vielschichtigkeit.

7. Haim - Women In Music, Pt. III Ø 3,8

Luftiger sommerlicher Mix aus Softforck, Folk und Pop mit ernsthafter Botschaft: Haim kritisieren die Überrepräsentation von Männern im Musikgeschäft und dem Trio ist mit "Women In Music, Pt. III" ihr bislang vielschichtigstes Album gelungen.

8. LA Priest - Gene Ø 3,6

LA Priest, aka Sam Dust, aka Sam Eastgate, träumt quasi seinen eigenen Elektropoptraum, den er auf seinem zweiten Album "Gene" freundlicherweise mit uns teilt: Pluckernde Melodien, kühle Beats und Yacht-Rock-Elemente fließen hier organisch zusammen.

9. Bruno Major - To Let A Good Thing Die Ø 3,5

Billie Eilish gehört schon mal zu seinen Fans und Bruno Majors Stern erstrahlt immer mehr: Sein beseelt, berührender Soulpop und R&B umarmt die Musikgeschichte von Chet Baker hin zu James Blake.

10. Paul Jets - Highlights Zum Einschlafen Ø 2,2

Charmanter Indiepop aus Österreich von Autotune über Bläser bis hin zu Referenzen wie Roxy Music oder Ariel Pink: Leiwand!


ALBEN DES MONATS MAI 2020

1. Perfume Genius - Set My Heart On Fire Immediately Ø 4.6

"Set My Heart On Fire Immediately" heißt das fünfte Album von Perfume Genius, das mit getragenem Cembalo, theatralischer Dramatik und shoegazigen Elementen, wieder ein intimer wie individueller Geniestreich darstellt, der Sixties-Pop wie Eighties-Synths gleichermaßen umspannt. Auch dieses Album befasst sich wieder mit Themen wie Liebe, Sex, Beziehungen und Männlichkeit, ist aber trotz melancholischem Barock-Pop spielerischer als die Vorgänger.

2. Einstürzende Neubauten – Alles in Allem  Ø 4.4

Das 40-jährige Bandjubiläum wird mit einem neuen Album gefeiert, das selbstbewusst wie selbstreferenziell  "Alles in Allem" heißt und thematisch um Berlin, aber auch die Band selbst kreist: So finden sich in Tracks wie "Ten Grand Goldie" Anleihen an die Industrial-Phase, es gibt Avandgardistisches oder gar Folkiges zu hören und Blixa Bargeld changiert stimmlich zwischen Rio Reiser und Nick Cave. Das erste "richtige" Neubauten-Album seit 10 Jahren ist damit immer noch relevanter und revolutionärer als so manch gehypter deutscher Indie-Act.

3. I Break Horses - Warnings Ø 4.2

Dreampop aus Schweden, der zwischen albtraumhaft geschichtetem Electro und traumwandlerisch schönen Synth-Flächen: So wird sogar aus einem siebenminuten Stück ein Hit, der Sekunde für Sekunde wächst.

4. Nation Of Language - Introduction, Presence Ø 4.16

Ultra-Eighties-Revival mit ultra traurigen Texten: Nation Of Language sind ein Trio aus Brooklyn, dessen Debüt-Album irgendwo zwischen OMD, Kraftwerk und Human League schillert. Keine Kopie, sondern kompromisslos gut.

5. Moses Sumney – Græ Ø 4.11

Ein furioser Mix aus R’n’B, Soul, Art Rock, Jazz und eine Ahnung, wie Prince vielleicht 2020 geklungen hätte: Moses Sumneys Kammerpop schillert hier in allen Farben und ist alles andere als grau.

6. Austra - HiRUDiN Ø 3.85

Austra, der Act aus Kanada um die charismatische Sängerin Katie Stelmanis, veröffentlicht mit dem mysteriös betitelten "HiRUDiN" sein viertes Album voller hypnotischer Hymnen.

7. The 1975 - Notes On A Conditional Form Ø 3,7

Wie jedes Album der Band beginnt auch dieses mit einem Song namens "The 1975", in dem diesmal die Klima-Aktivistin Greta Thunberg zu zivilem Ungehorsam und zum Rebellieren auffordert. Und auch sonst wartet das Album mit illustren Stars auf, denn in der nach Phil Collins klingenden Single "If You’re Too Shy (Let Me Know)" samt Saxophon steuert FKA Twigs Vocals bei. Ansonsten findet man wieder den gewohnten wilden wie wüsten Ritt durch sämtliche Genres (EDM, Country, Autotune-R'n'B, Hardcore, New Wave... bitte bedienen Sie sich!), der Spaß machen kann, zugleich aber angesichts des offensichtlichen Marketinggags auch ermüdet.

8. Owen Pallett – Island Ø 3,5

Pet Shop Boys, R.E.M, Robbie Williams, Taylor Swift, Linkin Park oder The National: Für all diese unterschiedlichen Künstler hat Owen Pallett Streicher arrangiert und an seinem neuen eigenen Album "Island" arbeitete er sechs Jahre lang. Darauf verarbeitet er schwierige Themen wie Depressionen oder Suizidgedanken mit melancholischem Kammerpop.

9. Charli XCX - How I'm Feeling Now Ø 3,4

Das vierte Album von Charli XCX ist ein Quarantäne-Album, das sich mit der surrealen Zeit befasst in der wir momentan leben: Der Sound dazu ist kein melancholischer, sondern brachialer Hardstyle, Breakbeat und Rave, der einen Lagerkoller brachial orchestriert.

10. Badly Drawn Boy - Banana Skin Shoes Ø 3,2

Inide-Darling Badly Drawn Boy schrieb den Soundtrack zur Nick-Hornby-Verfilmung "About a Boy" und nach achtjähriger Pause erscheint nun mit "Banana Skin Shoes" ein neues Album mit verspultem und verspieltem Indie-Soul-Pop-Sound.


ALBEN DES MONATS APRIL 2020

1. Fiona Apple – Fetch The Bolt Cutters Ø 4.5

Durch die Bank von der Musikpresse gefeiert, legt Fiona Apple mit "Fetch The Bolt Cutters" ein Meisterwerk vor, das zugleich betörend wie verstörend ist: Songwriter-Outsider-Pop, der mitreißt.

2. Laura Marling - Song For Our Daughter Ø 4.2

Wie man Folk-Pop traditionell und doch subversiv diskursiv neu träumt: Laura Marling starkes neues Album "Song For Our Daughter".

3. Mavi Phoenix – Boys Toys Ø 4.0

Seit 2013 veröffentlicht Mavi Phoenix vielversprechende Singles und EPs. Nun ist das Debütalbum "Boys Toys" erschienen. Obwohl der Österreicher darauf schwer wiegende Gedanken mit der Welt teilt, gelingt ihm eine lebhafte und tanzbare Platte.

4. Thundercat – It Is What It Is Ø 4.0

Thundercat, der wahrscheinlich exzentrischste und exzellenteste Bassist unserer Zeit, veröffentlicht mit "It Is What It Is" ein überbordendes und übersprudelndes Album, in das man am liebsten wie in einen Swimmingpool springen würde und eintaucht in einen Grenzen verschwimmendem verwirbelnden Sound.

5. Empress Of – I’m Your Empress Of   Ø 4.0

Das dritte Album von Lorely Rodriguez ist emotional, eindringlich und elegant: Electro-Sounds zwischen Alternative-R&B und Dreampop.

6. Nils Frahm -  Empty Ø 4,0

Neo-Klassik-Star Nils Frahm hat dieses Album überraschend und über Nacht veröffentlicht: Acht bislang unveröffentlichte ältere Tracks in gewohnt starker Qualität, die einen tröstenden Sog entwickeln.

7. Rina Sawayama - Sawayama Ø 4,0

Hervorragend produzierter Pop zwischen Experiment und Eklektizismus: Rina Sawayama verbindet Catchiness und Coolness.

8. The Strokes – The New Abnormal Ø 3,87

In Sachen Albumtitel beweisen The Strokes eine vorherseherische Begabung, die Musik auf "The New Abnormal" reitet derweil die Future-Pop-Phase der Band weiter.

9. Peel Dream Magazine - Agitprop Alterna Ø 3,66

Die New Yorker Band vermengt verträumten, feinen Sound mit teils tief melodischen, teils wunderbar unharmonischen Tönen: Herausgekommen ist dabei eine charmante Hommage an den verspielten Twee von Acts wie My Bloody Valentine und den frühen Stereolab. Chaotisch-dröhnender Minimalismus trifft auf klassischen Indie-Pop-Shoegaze.

10. Dua Lipa – Future Nostalgia  Ø 3,57

Pop! Pop! Pop! Dua Lipas Album "Future Nostalgia" verspricht, was es im Titel ankündigt: Hooklines zwischen Donna Summer und Daft Punk, die mühelos in der Zeit vor- und zurückreisen.


ALBEN DES MONATS MÄRZ 2020

1. Sorry – 925 Ø 4.8

Sorry sind die ideale Band für 2020: Die Musik der Indierock-Post-Grunge-Band ist zugleich eskapistisch und exzentrisch, sie bündelt Ängste und macht Hoffnung auf einen Neustart.

2. Porridge Radio – Every Bad Ø 4.6

Die Band aus Brighton mach Gitarrenrock zwischen Indie-Rock und Post-Punk, der intensiv ist wie schon lange nicht mehr von einer Band: "Thank you for making me happy", wie es in einem ihrer Songs heißt.

3. Hundreds -  The Current Ø 4.3

Klarer und kühler Sound aus Deutschland, verwoben mit viel Elektronik und Emotion: Hundreds aus Hamburg machen deutschen Synthpop cool again.

4. Pantha Du Prince - Conference of Trees Ø 4.2

Pantha Du Prince vertont die Kommunikation der Bäume: Mit avantgardistischem Anspruch und handgemachten Instrumenten hievt er seinen Ambient-Sound auf eine Lichtung, umgeben von einem Wald aus visueller Poesie.

5. Four Tet – Sixteen Oceans  Ø 4.1

Wenn Dancefloor auf Wellness mit Vogelzwischern und Wassergeplätscher trifft, dann hört man das neue Album von Four Tet, das sowohl im Club als auch im Wohnzimmer funktioniert.

6. The Weeknd – After Hours Ø 3.85

Während die Konkurrenz immer noch auf die Neunziger schielt, führt The Weeknd den R'n'B in die Zukunft. "After Hours" ist die Frischzellenkur, die das Genre braucht.

7. Yumi Zouma – Truth Or Consequences Ø 3,83

Schimmernder Indie-Dreampop aus Neuseeland: Yumi Zouma veröffentlichen mit "Truth Or Consequences" ein wahrhaft konsequentes drittes Album, das ihren durchscheinenden Sound weiter kristallisiert.

8. Childish Gambino - 3.15.20 Ø 3,57

Donald Glover alias Childish Gambino betreibt auf "3.15.20" Genre-Hopping: Psychedelischer R&B triftt hier auf retro-futuristischen Funk.

9. CocoRosie – Put The Shine On Ø 3,5

Verspult und verspielt: CocoRosie verschieben ihren experimentellen Sound ein paar Millimeter Richtung Eingängigkeit, aber keinen Millimeter in Richtung Mainstream.

10. My Ugly Clementine – Vitamin C  Ø 3,5

Und schon wieder was Gutes aus Wien: Erfrischender Indierock mit wuchtigen wie wichtigen Botschaften – Leiwand!


ALBEN DES MONATS FEBRUAR 2020

1.Tycho - Simulcast Ø 4.25

Die Ambient-Band Tycho hat mit dem Doppelalbum "Simulcast" instrumentale Versionen des Vorläufer-Albums "Weather" herausgebracht, die von zeitloser schwebender Schönheit sind. Live kann man dazu im Februar ebenso bei ein paar Deutschlanddates dazu wegschmelzen.

2. Real Estate – The Main Thing Ø 4.2

Auf ihrem fünften Album widmet sich die Indierock-Band Real Estate aus New Jersey nicht weniger als dem Wichtigsten: Der eigenen Existenz und der komplexen Außenwelt. Doch so verkopft wie die Lyrics klingt der Sound dazu nicht, denn hier trifft eingängiger Indiepop auf schwerelosen Dreampop.

3. Die Sterne – Die Sterne Ø 4.16

Album Nr. 12 heißt einfach "Die Sterne": Selbstreferenz, Selbstbewusstsein und Statement zugleich, funkeln nunmehr mehr als Kollaboration. In diesem Sinn ist Frank Spilker tatsächlich das beste Sterne-Album ohne die Sterne gelungen.

4. Poolside – Low Season Ø 4.00

Seventies, Sommer und Strand: All diese Gefühle evoziert "Low Season" von Poolside. Der Bandname ist demnach Programm: Bitte hört diese Musik neben einem Pool – und ganz relaxed.

5. Tame Impala – The Slow Rush Ø 4.00

Tame Impala richten sich noch mehr im Pop-Zimmer ein und lassen Lava-Lampen und Deko-Diskokugel leuchten. Doch – Vorsicht vor allzu viel Gemütlichkeit.

6. Messer – No Future Days Ø 4.00

Im neuen Jahrzehnt befassen sich Messer mit dem zweischneidigen Thema Zukunft und Vergangenheit: Die musikalischen Mittel sind dabei Prä-Artpop und Post-Punk.

7. Caribou - Suddenly Ø 4.00

Dan Snaith alias Caribou stopft hunderte von kleinen Ideen und Inspirationen in sein neues Album, doch der studierte Mathematiker verrechnet sich dabei etwas in Sachen Schlüssigkeit und der unstudierte Hörer neigt zur Unkonzentriertheit.

8. King Krule – Man Alive! Ø 3,87

Archy Marshall, wie der Brite bürgerlich heißt, verschmilzt auf "Man Alive!" melancholischen Jazz mit drängenden Hip-Hop oder Postpunk.

9. Grimes - Miss Anthropocene Ø 3,87

Claire Boucher, besser bekannt als Grimes, inszeniert sich auf ihrem fünften Album als Göttin des Klimawandels und "Miss Anthropocene" singt uns darauf hyperpostmoderne und horrorhaft schaurig-schöne Songs über unser Zeitalter vor.

10. Asgeir – Bury The Moon  Ø 3,33

Mit seinem dritten Album "Bury The Moon" entführt uns der Isländer Ásgeir einmal mehr in die emotionalen Weiten seines Heimatlandes. Aber er nimmt uns auch mit auf seinen bislang persönlichsten Trip. 


ALBEN DES MONATS JANUAR 2020

1.Georgia - Seeking Thrills Ø 4.37

Glitzernder können die neuen goldenen Zwanziger nicht beginnen als mit dem neuen funkelnden Album von Georgia: Funkige, frickelnde, flirtende Beats vereinen sich auf dem Dancefloor in Euphorie und Empathie!

2. Pet Shop Boys - Hotspot Ø 4.33

Berlin Boys: Mittlerweile leben die Pet Shop Boys in der deutschen Hauptstadt und haben mit "Hotspot" eine retromoderne Liebeserklärung an die Metropole und die Popmusik selbst verfasst.

3. Mac Miller – Circles  Ø 4.25

Mit "Circles" erscheint das erste und letzte Album nach Mac Millers Tod. Ohne Taschentücher übersteht kein Fan diese herzzereißende Platte.  "Circles" lässt erahnen, welche Genre-sprengenden Visionen Mac Miller noch gehabt hätte. Ruhe in Frieden!

4. Poliça – When We Stay Alive Ø 4.00

Sowohl Rap-Mogul Jay-Z als auch Indie-Darling Bon Iver gehören zu ihren Fans. Letzterer ließ sich sogar zu dem Kompliment "Sie sind die beste Band, die ich je gehört habe" hinreißen. Mit dem verträumten und vertrackten "When We Stay Alive" wird sich die Band um die charismatische Sängerin Channy Leanagh sicherlich viele neue Fans erspielen.

5. Bombay Bicycle Club - Everything Else Has Gone Wrong Ø 4.00

Nach fünf Jahren Pause pluckert es wieder beim Bombay Bicycle Club: Psychedelische Pop-Seifenblasen treffen auf beatleseske Britpop-Ohrwürmer.

6. Eminem - Music To Be Murdered By Ø 3,75

Dass Eminem rappen kann, bestreitet niemand. Auf "Music To Be Murdered By" beweist er es trotzdem noch einmal. Näher als mit diesen Songs kam Eminem schon lange nicht mehr an das heran, was sich Fans von ihrem Idol wünschen. Der 47-Jährige rappt sich in einen Wahn, der sowohl seine meisterhafte als auch geschmacklose Seite hervorbringt.

7.Turbostaat – Uthlande Ø 3,62

Neues von den norddeutschen Punks: Auf "Uthlande" (ein alter Begriff für Inseln) gibt es harte Lyrics zu verdauen – unter anderem über eine Fluchtroute der Nazis, in die Aussagen aus dem Nürnberger Prozess eingearbeitet wurden.

8. Field Music - Making A New World Ø 3,5

Auch auf ihrem siebten Album zeigen sich Field Music experimentierfreudig und legen ihr Feld mit jazzigen und elektronischen Klangteppichen aus – Grenzmarkierungen gibt es jedoch keine in diesem überfließenden Sound.

9. Antilopen Gang - Abbruch Abbruch Ø 3,28

Das Stänkern hat die Antilopen Gang nicht verlernt. Auf ihrem vierten Album bekommen Fans, was sie kennen und verdienen. Wer sich von "Abbruch Abbruch" eine neue Antilopen Gang erhofft, wird enttäuscht. Die Band frönt ihrer Hip-Hop- und Punk-Sozialisation mit musikalischer Routine und einem bunten Strauß voll Themen.

10. Ben Watt – Storm Damage Ø 3,00

Singer-Songwriter-Kunst in Perfektion von der einen Hälfte des legendären Duos Everything But The Girl: Ben Watts Solo-Album "Storm Damage" verbreitet viel Seventies-Flair mit schöner Instrumentierung von Piano, Kontrabass, Gitarre und Drums.

Jury: Nicole Ankelmann, Kerstin Kratochwill, Udo Raaf, Sebastian Cleemann, Christoph Prenner, Christoph Braun, Marinus Seeleitner, Miriam Wallbaum

Roisin Murphy Tour 2021

24.09.2021 KÖLN, Live Music Hall Tickets
02.10.2021 BERLIN, ASTRA Kulturhaus Tickets
04.10.2021 HAMBURG, Docks Hamburg Tickets
08.10.2021 MÜNCHEN, Muffathalle Tickets
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