Die heimliche Revolution des Musikvertriebs

Ein neues Buch erklärt Musikern und Labels das Internet

Der Vertrieb von Musik steckt in einem radikalen Umbruch. Vielen Musikern und Labels ist die schöne neue Welt des Internet noch nicht so ganz geheuer. Schließlich wird Musik auch massiv illegal verbreitet. Netlabel-Experte und Webdesigner Moritz Sauer erklärt in seinem Buch "Websites für Musiker, DJs und Netlabels", worauf es bei der Selbstdarstellung im Netz ankommt.

Die Möglichkeit Musik online anzubieten bietet großartige ? und zudem ganz legale ? Chancen. Denn zum ersten Mal in der Geschichte können Musiker und Bands ohne zwischengeschaltete Manager und Vertriebsstrukturen das Anbieten und Verteilen ihrer Musik selbst in die Hand nehmen. Das Internet und eine eigene Website machen interaktive Kommunikation mit den Fans möglich.

Unbekanntere Musiker und kleine Plattenlabels müssen heute meist tief in die eigene Tasche greifen, wenn sie eine CD produzieren möchten. Schnell kostet die gesamte Produktion dann mehrere Tausend Euro. Doch selbst wenn die CD fertig ist, hat sie ihre Zuhörerschaft noch nicht erreicht. Denn wer stellt die CDs in die Verkaufsregale? Und welcher Kunde findet unbekanntere Künstler, wenn sie nicht in Musikmagazinen besprochen werden? Verkauft sich dann die CD? Lohnt sich da der ganze Aufwand? Außerdem kaufen immer weniger Menschen Musik auf ?klassischen? Tonträgern. Viele Menschen finden MP3-Dateien und die zugehörigen Player wie iPod & Co bequemer und praktischer.

Preiswerter und flexibler, schneller und kundenfreundlicher als die Produktion einer CD ist dagegen eine Musik-Website. Auf einer solchen Site kann man nicht nur Musik zum Download anbieten, sondern auch Informationen über die Musik und die Musiker unterbringen, wie z.B. Fotos, Songtexte und Biografien. Als Informations- und Vertriebsmedium wird das Internet für Musiker, Bands, DJs und die so genannten Netlabels immer wichtiger.

Obendrein ermöglicht das Purzeln der Preise der Webhosting-Angebote eine interaktive Website mit automatisiertem Musik-Abonnement, Vorhörfunktionen, großen Bildern und MP3-Downloads schon ab ca. 10 Euro im Monat. Somit reicht das Geld, das man für die Produktion einer einzigen CD gebraucht hätte, locker für das nächste Jahrzehnt des eigenen Internetauftritts. Dort können die Inhalte flexibel gestaltet, jederzeit aktualisiert und ausgebaut werden. Über die Website kann man mit den Fans direkt kommunizieren. Darüber hinaus bietet die eigene Musik-Website eine hervorragende Promotion-Möglichkeit, um Journalisten mit Biografien und anderem Infomaterial zu versorgen. Für Redakteure von Printmedien können dort hochauflösende Fotos zum Download angeboten werden. Doch nicht nur Musiker entdecken immer mehr die Möglichkeiten, die das WWW ihnen bietet. Auch Labels nutzen die Vielfalt der virtuellen Möglichkeiten. Immer mehr Betreiber kleiner Labels entdecken das Internet für sich und gründen ein Netlabel. Netlabels verstehen sich als internetbasierte Musikplattformen, auf welchen Musik frei heruntergeladen werden kann. Netlabels ?verschenken? die Musik ihrer Künstler, um sie ? im Idealfall ? weltweit bekannt zu machen. Denn Fans wollen Künstler, die sie hören, auch live auf Konzerten erleben, und über die Auftritte verdienen die Musiker wiederum Geld.

Da sich Musiker vor allem um Komposition und Produktion ihrer Musik kümmern, wissen sie sich in der Regel wenig darüber, wie sie ihre Website adäquat und gut strukturiert aufbauen können. Mangelndes technisches Verständnis und Unwissenheit darüber, welche vielfältigen Möglichkeiten das Web für die eigene Karriere bietet, resultieren oft in lieblosen oder unübersichtlichen Musik-Websites. Ganz zu schweigen von neuen Möglichkeiten für die Eigenvermarktung im Internet wie Podcast, RSS, Flash-Streaming und Weblog-Technik, die erst wenige Musiker für sich nutzen.

Damit eine Website gut funktioniert und sowohl Fans als auch Journalisten die richtigen Informationen finden, muss sie nicht nur gut programmiert sein. Auch die Inhalte müssen intelligent strukturiert und aufbereitet sein und wirkungsvoll über das Netz bekannt gemacht und vertrieben werden. Das Buch ?Websites für Musiker, DJs und Netlabels? greift den Künstlern hierbei tatkräftig unter die Arme. Dabei zeigt es nicht nur die neuen Wege der Musikdistribution auf, sondern erklärt ganz konkret, wie MP3s richtig erstellt und auf der Website hörbar gemacht werden. Mt Hilfe von freier Open Source-Software, die auf der CD-ROM mitgeliefert wird, werden die Leser in die Lage versetzt, ein eigenes, leicht verständliches Redaktionssystem zu installieren und zu bedienen. Das Buch unterstützt Bands, DJs und Netlabels beim Schreiben von Biografien und News-Texten und bei der Optimierung von Fotos.

Moritz Sauer

Websites für Musiker, DJs und Netlabels
Moritz "mo." Sauer
Gebundene Ausgabe mit CD-ROM - O`Reilly Verlag
Erscheinungsdatum: Januar 2006
ISBN: 3897214334

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