DSGVO: Keine Panik vor Datenschutz

Was sich durch die neue Datenschutzgrundverordnung bei uns ändert

Am Freitag verstreicht die letzte Frist für die neue Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). Deshalb werden wir alle in den letzten Tagen mit Mails überflutet. Wir ersparen euch diesen Spam und sagen euch hier, was wir mit euren Daten machen.

Die DSGVO sieht vor, dass jeder das Recht hat zu erfahren, welche personenbezogenen Daten gespeichert werden und wie diese verwendet werden. Das ist grundsätzlich gut und fair.

Datenschutz

Deshalb haben wir unsere Datenschutzerklärung aktualisiert, wo diese Informationen zu finden sind (wenn das außer ein paar Anwälten jemanden wirklich interessiert, wir haben da so unsere Zweifel). 

Dürfen wir deine Mailadresse für den Newsletterversand wirklich verwenden? Die DSGVO erinnert in einigen Punkten an einen Monty Python-Film

Newsletter

Darüber hinaus hat sich gar nicht so viel geändert. Es war schon seit Jahren geltendes Recht, dass man Newsletter nur an Menschen versenden darf, die ihn auch bestellt haben. Das Double-Optin-Verfahren, über das man ein Newsletterabo bestätigen muss, ist längst etablierter Standard, außerdem kann man in jedem Newsletter einen Link zur Abbestellung und Löschung der Adresse finden. Warum man also seine Nutzer nochmal fragen sollte, ob sie den Newsletter auch wirklich haben wollen, bleibt das Geheimnis mancher Anwälte. Dieser Anwalt hält das jedenfalls genau so wie wir für überflüssig.

"Man sollte bedenken, dass „alte“ Kunden, die sich in der Vergangenheit nie über Werbemails beschwert haben, auch nach dem 25.5. kaum Abmahnungen versenden (lassen) werden. Auch dies spricht dagegen, „alte“ Abonnenten mit Einwilligungs- und Bestätigungsmails zu überhäufen."

Falls ihr unseren Newsletter nicht mehr haben wollt könnt ihr uns alternativ auch einfach eine Mail mit Betreff "Newsletter unsubscribe" senden. Wir sparen euch die hundertste Spam-Mail zu diesem Thema. Es kann nicht Sinn der Übung sein und es hat auch nichts mit Datenschutz zu tun, seine Kunden und Abonnenten per Mail derart zu belästigen.

Drittanbieter

Die meisten Daten sammeln nicht wir (außer freiwillig eingegebene Mailadressen - und der für den technischen Betrieb einer Website notwendigen Daten - sammeln wir de facto gar keine Daten), sondern Drittanbieter. Vor allem über Banner-Werbung, eingebettete Youtube-Videos und sogenannte Social Plugins können sehr viele Daten erhoben werden, was wir als Publisher gar nicht im Einzelnen wissen und kontrollieren können.

Hier sind also die diversen Partner gefragt, ihre Systeme der Datenschutzgrundverordnung anzupassen. Wir müssen davon ausgehen, dass unsere Partner dem gültigen Recht entsprechend arbeiten. Ohne diese Drittanbieter könnten wir unsere Website gar nicht betreiben, insofern müssen wir darauf vertrauen, dass der Gesetzgeber mit der DSGVO nicht die Absicht hat, das Internet abzuschalten. Wenn man den Aussagen der zuständigen EU-Kommissarin trauen darf, ist das alles kinderleicht.

Quelle: Zeit Online ​

Social Plugins

Unsere Social Plugins haben wir inzwischen durch die Share Buttons "Shariff" von heise ersetzt, die beim Aufruf unserer Artikel keine Nutzer-Daten an die Server von Facebook und Co. weiterleiten. Erst beim Klick auf den Button landet man auf der Seite von Facebook, Twitter und Co. Wer diesen Datenkraken generell keine Daten übermitteln möchte, sollte dort einfach kein Profil haben und ist dann weitgehend auf der sicheren Seite (Facebook sammelt zwar auch Daten von Menschen ohne Facebook-Profil, das wird aber durch solche datenschutzkonforme Plugins immer schwerer).

Wer uns auf Facebook folgen möchte, kann einfach direkt unsere Facebook-Seite aufrufen, darüber hinaus sind wir bei Instagram, Twitter und Spotify zu finden.

SSL Verschlüsselung

Was die meisten kleinen Unternehmen und Blogger vor eine große Herausforderung stellt, ist, ihre Seite mit SSL zu verschlüsseln, so dass sie nur noch unter https aufgerufen werden kann. Wer ein Kontaktformular anbietet, ist künftig dazu verpflichtet. Google wird in Kürze unsichere Webseiten kennzeichnen und früher oder später schlechter ranken.

Wir empfehlen den Webhoster All-Inkl, der eine kostenlose Lösung zur Installation eines SSL-Zertifikats anbietet, die exakt zwei Klicks fordert. Davon könnten sich viele andere Anbieter eine Scheibe abschneiden, die die notwendige Umstellung dazu nutzen, zusätzlich Geld zu verlangen und bei der nicht ganz einfachen Installation ihre Kunden alleine lassen.

Fazit

Auch wenn so getan wird, als wäre das alles kein Problem und es sei ja alles zum Wohl der Nutzer, ist die DSGVO in der jetzigen Form ein Desaster, weil sie vor allem kleine Unternehmen vor fast unlösbare Aufgaben stellt, während die großen Konzerne alles einfach über ihre Rechts- und Entwicklungsabteilung wasserdicht machen können. Wenn man lang genug sucht, findet man zwar für alles irgendwelche Hilfsmittel, doch ob diese wirklich rechtssicher sind, weiß derzeit noch niemand. Wir haben jedenfalls alles dafür getan, den neuen Regelungen zu entsprechen.

Am Ende werden die Gerichte klären müssen, wie diese neuen Spielregeln genau ausgelegt werden. Dazu werden vermutlich erstmal die großen Anbieter gezwungen werden, von kleinen Anbietern wird niemand etwas wollen, bis es nicht einige grundlegende Urteile gibt, weil der Ausang entsprechender Verfahren auch für Abmahnanwälte noch viel zu unsicher wäre. Serien-Abmahner gehen erfahrungsgemäß nicht gegen Seiten vor, bei denen sie sich nicht 100% sicher sein können, einen Prozess zu gewinnen.

Du hast eine Frage dazu? Wir beantworten gerne jede Frage zum Thema Datenschutz auf Tonspion. 

Unternehmen, Vereine und Blogs, die Unterstützung bei der Umsetzung der DSGVO brauchen, können sich gerne an unseren Partner ContentConsultants wenden.

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