ECHO wird eingestellt, neuer Musikpreis als Jury-Preis

Die Marke ECHO sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei

Der Preis der deutschen Musikindustrie, der ECHO wird eingestellt. Nach der Debatte um die Auszeichnung für Kollegah und Farid Bang, die mit sehr dummen Texten über den Holocaust für Proteste gesorgt hatten, wird der Musikpreis nun von Grund auf neu entwickelt. Hier das Statement des Bundesverbands Musikindustrie.

Lange Jahre war der ECHO höchst umstritten. Bei einem Musikpreis, der einfach nur Verkaufszahlen als einziges Kriterium heranzieht, bleibt die Qualität zwangsläufig auf der Strecke. Stattdessen wurde Jahr für Jahr hohlem Schlager, langweiligem Radiopop und großmauligen Rappern die Preise hinterher geworfen. Nur mit dem Jurypreis und dem Preis fürs Lebenswerk rettete sich der ECHO irgendwie über die Runden und besänftigte die Gemüter innerhalb der Musikbranche.

Doch jetzt wird der Preis endgültig eingestellt: nachdem zahlreiche Preisträger ihren ECHO nicht mehr haben wollten war der Preis de facto wertlos geworden. Es wäre im nächsten Jahr schlicht niemand mehr gekommen. Insofern ist die heutige Entscheidung keine Überraschung. Nun soll es also einen neuen Musikpreis geben, der von einer Fachjury verliehen wird - wie das bei allen renommierten Preisen von Oscars über Grammys bis den Brit Awards üblich ist. Künstlerische Qualität kann man nicht in Verkaufszahlen messen.

Den „ECHO“ wird es nicht mehr geben. Das hat der Vorstand des Bundesverbandes Musikindustrie gestern in einer außerordentlichen Sitzung in Berlin beschlossen. Der ECHO sei viele Jahre ein großartiger Preis und zugleich zentrales Branchenevent mit vielen bewegenden Momenten und herausragenden Künstlerinnen und Künstlern gewesen. Auch steht für den Vorstand außer Frage, dass Deutschland als drittgrößter Musikmarkt der Welt zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern weiterhin Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter braucht.

Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen wird. Das um den diesjährigen ECHO herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole. 

Die Marke ECHO sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, der auch eine Neuaufstellung bei ECHO KLASSIK und ECHO JAZZ nach sich ziehe. In dieser Überzeugung nennt der Vorstand bereits erste konkrete Schritte: Er wird die drei Preise in eine eigene Struktur überführen. Im Zuge dessen werden auch die bisher involvierten Gremien ihre Tätigkeit einstellen.

Die Kriterien der Nominierung und Preisvergabe werden dabei vollständig verändert. Wie beim ECHO KLASSIK und ECHO JAZZ, die von Anfang an reine Jury-Preise waren, soll beim neuen Musikpreis auch für den Pop-Bereich die Jury stärker in den Vordergrund rücken.

Für die Konkretisierung der Änderungen wird sich der Vorstand die erforderliche Zeit nehmen. Mit dem erklärten Ziel, den neuen Preis im Sinne aller Künstler sowie der gesamten Branche zu gestalten, soll es im Juni einen Workshop geben, um möglichst viele Ideen und Erwartungen aus der Branche beim Prozess der Neugestaltung einzubeziehen. Gleichzeitig ist der BVMI bereits an Institutionen herangetreten, um die gesellschaftlich notwendige Debatte über die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mitzugestalten. 
 
Ausführliche Informationen zu den Verleihungen in den Bereichen Jazz und Klassik folgen in Kürze. Die Jazz-Preise werden am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung verliehen. Im Fokus stehen die Künstlerinnen und Künstler und ihre Musik.

Quelle: Musikindustrie.de

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