Eetee: Sicheres Tauschen?

Weltweit sehen sich Tauschbörsennutzer mit der Gefahr der Strafverfolgung konfrontiert. In den USA wurden bereits hunderte von P2P-Fans verklagt, in Deutschland hat die Musikindustrie ähnliche Schritte für die Zukunft angekündigt. Nun verspricht ein Programm namens Eetee, die Identität seiner Nutzer zu schützen. Doch was hält die Software mit dem Alien-Namen wirklich?

Eetee basiert auf der von Sun entwickelten JXTA-P2P-Technologie und greift außerdem auf die populären Tausch-Netze Gnutella, Open Napster und Edonkey zu. Auch Bittorrent-Downloads sind mit Eetee möglich. Doch wer glaubt, all dies nun anonym nutzen zu können, wird enttäuscht sein. Eetee verhindert, dass andere Gnutella-Nutzer auf die Liste aller zum Download angebotenen Dateien zugreifen können ? aber das war es eigentlich auch schon an Schutz im Umgang mit den herkömmlichen P2P-Netzen.

Wer Dateien von einem anderen Gnutella- oder Edonkey-Nutzer ohne Eetee-Software herunterlädt oder diesen Dateien zum Download anbietet, verbreitet dabei wie auch sonst seine IP-Internetadresse. Eine eindeutige Identifizierung durch den Provider oder Strafverfolgungsbehörden ist also problemlos möglich. Anonym ist man als Eeetee-Nutzer erst, wenn man Dateien mit anderen Eetee-Nutzern austauscht, die zudem Teil der gleichen JXTA-Gruppe sein müssen. Diese Gruppen lassen sich dynamisch anlegen und können zum Beispiel auf gemeinsame Interessen oder Musikvorlieben ausgerichtet sein. Neben Dateiaustausch bieten die Gruppen zudem anonyme Chats.

Im Praxistest erwies sich diese Funktion aber noch als recht wackelig. Da Eetee im Gegensatz zu den meisten P2P-Programmen strikt zwischen Endnutzern und Superpeers (Rechnern mit guter Netzanbindung, die temporär Serverdienste übernehmen) trennt, gibt es kaum Superpeers ? eine Verbindung zu den Gruppen des Eetee-Netzes wollte deshalb auch nach langem Warten einfach nicht gelingen.

Im direkten Vergleich mit anderen P2P-Programmen gibt Eetee bisher auch sonst eine eher bescheidene Figur ab. So ist immer nur die Suche nach einer Datei zur gleichen Zeit möglich. Unangenehm fällt auch die deutliche Arbeitslast auf, die Eetee auf den Testrechner hat: Das Programm macht sich mit üppigen 62 Megabyte im Hauptspeicher breit und bedient sich im Falle von Aktivität auch recht großzügig an der Prozessorleistung. Grundsätzliche Konfigurationsmöglichkeiten fehlen zudem komplett.

Fazit: Die Eetee zu Grunde liegende Idee ist sicher interessant. Doch bisher hält das Programm kaum, was es verspricht. Wer sich damit für unverwundbar hält, könnte zudem eine unangenehme Überraschung erleben. (jr)

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