Erste Party in Zeiten von Corona mit 100 Gästen

Coconut Beach in Münster zeigt, wie es gehen könnte

In Münster fand gestern ein Experiment statt, das Schule machen könnte: Feiern auf Distanz. Der Coconut Beach feierte eine Open-Air-Party mit nur 100 Gästen statt wie sonst mit 2000. 

Bereits vor einigen Monaten sagte Professor Drosten, dass wir uns daran gewöhnen müssen, für jeden Bereich individuelle Regeln finden zu müssen während der Pandemie. Auch wenn es kaum noch Neuinfektionen gibt, gilt die Abstandsregel weiterhin, alles andere muss und kann geregelt werden.

Der Münsteraner Open-Air-Club Coconut Beach veranstaltete am Vatertag einen Rave im Freien mit nur 100 Gästen und probierte einige der neuen Regeln einfach mal aus.

Coconut Beach Club Münster (Foto: Coconut Beach)

Lange hatten die Veranstalter mit der Stadt über die Details des Konzepts verhandelt. Am Ende wurde sie mit strengen Auflagen genehmigt.

Die Party kostete stolze 70 Euro Eintritt (inklusive Getränke), um zumindest die Kosten decken zu können, war aber trotzdem innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

Die Veranstalter betonen gegenüber Resident Advisor, dass sie sehr wohl wissen, dass sich das nicht jeder leisten kann und das manche Gäste enttäuscht waren, nicht mitfeiern zu können. Dennoch zeigt das Experiment einen Weg, wie es mit ein paar Kompromissen gehen kann:

- Alle Gäste mussten Mundschutz tragen und jederzeit 1,50m Abstand halten.

- Auf der Tanzfläche waren Kreise eingezeichnet, in denen man tanzen konnte, jeder für sich. Jeder Gast bekam einen eigenen Tisch zugewiesen.

- An der Bar gab es Plexiglas zwischen Gästen und Personal, ebenso zwischen DJ und Dancefloor. 

DJ Gerd Janson sagte, er sei sowieso gebucht gewesen, habe aber auf 80 Prozent seiner Gage verzichtet. Der Club machte keinen Profit aus der Veranstaltung.

"Was auch immer man davon hält, es geht darum, bestimmte Dinge langsam wieder möglich zu machen. Unter diesen Bedingungen lief es wirklich gut: es ware eine bittersüße Mischung aus Nostalgie und Hoffnung. Ich hatte Spaß und ich hoffe auch die Tänzer. Es fühlte sich wie eine Bestätigung an, dass das Leben weitergehen kann, bis sich die Dinge sich wieder normalisieren." (Gerd Janson bei Resident Advisor)

Klar, wir alle sehnen uns nach Live-Musik und Bewegung. Und wir konnten unser Geld in den letzten Monaten nicht ausgeben. Viele Clubgänger unterstützen derzeit "ihren" Club mit Spenden, denn allen ist der Ernst der Lage bewusst. Viele Clubs sind derzeit existenziell gefährdet, ohne Veranstaltungen können sie ihre Miete und Mitarbeiter nicht bezahlen. Warum also nicht einfach mal mehr zahlen für Veranstaltungen mit deutlich weniger Besuchern als normal?

Die nächsten Partys in Münster sind bereits geplant, dabei soll die Kapazität im nächsten Schritt auf 250 Gäste hochgefahren werden. Auch für andere Städte weltweit könnte diese Veranstaltung die Blaupause für eine Öffnung im intimen Rahmen geliefert haben.

Natürlich werden wir nicht einfach wieder wie gewohnt feiern können, bis eine Impfung gegen das Virus flächendeckend verfügbar ist. Deshalb ist für Kulturveranstaltungen wichtig auszuloten, wie sie diese Zeit überleben können und wie wir zumindest ein bisschen zurück zur Normalität finden können.

Dabei sollte allen klar sein, dass das nur funktionieren kann, wenn die Regeln konsequent eingehalten werden und wir aufeinander achten, denn sonst folgt zwangsläufig eine erneute Ausbreitung des Virus mit einem erneuten Lockdown des gesamten öffentlichen Lebens. Das würde vermutlich kein Club überleben. Und in Clubs, die all das keinesfalls riskieren wollen, ist das vermutlich aber viel besser zu regulieren, als zum Beispiel in vollen öffentlichen Parks, wo jeder einfach macht, was er will - ohne Rücksicht auf Verluste. Auch das war am Vatertag leider vielerorts zu sehen.

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