EU-Urheberrechtsreform: Das Ende der Memes?

Pro und Contra zur Urheberrechtsreform

Das Europaparlament hat der umstrittenen Reform des Urheberrechts zugestimmt. Damit sollen Plattformen wie Google, YouTube oder Facebook verpflichtet werden, Kulturschaffende oder auch Medien zu vergüten, wenn sie deren Werke nutzen. Die Meinungen gehen weit auseinander, ob das Zensur oder Gerechtigkeit bedeutet.

Auch wir können über die Konsequenzen des neuen Urheberrechts noch nicht viel sagen. Die Positionen waren seit Monaten völlig unvereinbar. Während fast die gesamte Musikbranche, inklusive der Indepententlabels leidenschaftlich für die Reform trommelte, warnten vor allem Netzaktivisten vor den Konsequenzen eines so genannten "Upload-Filters", bei dem jedes einzelne hochgeladene File zuerst geprüft und im Zweifelsfall zensiert werden könne. 

Das würde es nach Meinung der Kritiker zum Beispiel Memes künftig unmöglich machen, denn Memes beruhen darauf, dass man ein urheberrechtlich geschütztes Werk (ein Foto oder ein Video von einem aktuellen Ereignis) durch Bearbeitung lustig macht, so dass es alle teilen wollen. 

Die Befürworter kontern, dass es doch nur darum gehe, faire Regeln dafür zu finden und die größten Internetplattformen dafür zur Kasse zu bitten, dass ihnen genau diese von Nutzern hochgeladene urheberrechtlich geschützten Inhalte den meisten Profit bescheren. Es soll also auch künftig möglich sein, Memes zu erstellen und hochzuladen, aber nach klaren Vergütungsregeln.

Kleinere Anbieter wie wir, müssen sich schon immer an geltendes Urheberrecht halten und werden für jedes irrtümlicherweise hochgeladene nicht lizensierte Bild sofort abgemahnt. Für uns wird sich dadurch also wenig ändern.

Es geht bei der Reform also gar nicht um ein völlig neues Urheberrecht, sondern darum, die bereits gültigen Regeln des EU-Urheberrechts nun auch gegen die Internetgiganten aus den USA durchzusetzen. Das Urheberrecht steht grundsätzlich jedem zu, der ein Werk schafft, egal ob in Ton oder Bild. Diese wichtige Errungenschaft wurde über viele Jahre erkämpft, um auch Künstlern ein Geschäft und damit einen Lebensunterhalt zu ermöglichen. Es ist nicht hilfreich, dieses Recht jemanden absprechen zu wollen, dessen Werke von Internetkonzernen massenhaft genutzt werden ohne jegliche Form der Entschädigung.

So war es erst vor wenigen Jahren auch der Gema gelungen, nach jahrelangem Rechtsstreit mit Youtube faire Vergütungsregeln zu vereinbaren. Heute kann jeder fast alle Videos völlig kostenlos auf Youtube sehen, für die Vergütung der Rechteinhaber ist die Google-Plattform Youtube zuständig. Den einzelnen Nutzer betrifft das überhaupt nicht. 

Genau so stellen sich die kreativen Rechteinhaber nun auch die Vergütung auf anderen Plattformen vor. Ob das Recht im Sinne von Nutzern und auch Publishern wie uns umgesetzt wird und ob das technisch überhaupt umsetzbar ist, schließlich laden die Nutzer selbst diese Inhalte auf Youtube, Facebook und Co., wird man sehen. Im Frühjahr muss die Reform dann endgültig vom EU-Parlament verabschiedet werden.

Pro und Contra EU Copyright Directive

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