Eurovision Song Contest 2018: Michael Schulte gewinnt ESC-Vorentscheid

Ballade "You Let Me Walk Alone" ist der deutsche Beitrag in Lissabon

Nach der Blamage im Vorjahr ist die ARD unter Druck geraten: es gilt endlich einmal wieder einen Kandidaten zu finden, der nicht auf den hintersten Plätzen landet. Nun soll es Michael Schulte mit seiner Ballade "You Let Me Walk Alone" richten.

Im vergangenen Jahr hatten wir das Desaster vorhergesagt: mit gerade mal 6 Punkten aus anderen Nationen landete die bemühte deutsche Teilnehmerin Levina mit einem gebrauchten Song auf dem vorletzten Platz.

Dieses Schicksal wird der ARD dieses Jahr wohl erspart bleiben, denn  Vorentscheid-Gewinner Michael Schulte verarbeitet in seinem Lied den Tod seines Vaters. Sein gefühlvoller Beitrag "You Let Me Walk Alone" war der beste Song des Abends und gewann den Vorentscheid haushoch mit jeweils 12 Punkten von Experten und Zuschauern. 

Ganz vorne wird die Pop-Ballade in Lissabon wohl auch nicht landen können, aber immerhin gewann wohl tatsächlich der beste Song den Vorentscheid, denn der war auch 2018 erschreckend schwach und mutlos besetzt.

Mit voXXclub wollte die eigens einberufene "Experten"-Kommission den Ballermann nach Europa schicken. Diese Peinlichkeit bleibt uns nun immerhin erspart.

Ivy Quainoo gewann schon bei The Voice Of Germany und wäre sicherlich die international kompatibelste Künstlerin, sofern sie einen anständigen Song bekommen hätte. Mit der mainstreamigen Power-Ballade "House On Fire" hatte sie allerdings keine Chance. 

Mit der aktuellen Voice-Gewinnerin Natia Todua aus Georgien hätte man vielleicht das osteuropäische Publikum überzeugen können, ihr exaltierter Gesangsstil ist allerdings derart over the top, dass es schon richtig weh tut. Sie landete abgeschlagen auf dem letzten Platz.

Balladensänger Ryk wurde offenbar für die riesige schwule Fangemeinde zum Vorentscheid geholt. Sein Song "You And I" hob sich zumindest vom Mainstream-Allerlei ab, sein dramatischer Gesangsstil ist allerdings Geschmackssache und unnötigerweise hampelte eine Tänzerin während seines Vortrags auf seinem Flügel herum und machte den Auftritt beim Vorentscheid zu einer kuriosen Luftnummer.

Der in Schottland geborene Pop-Folk-Rocker Xavier Darcy, der als Sohn von Rae Garvey durchgehen könnte, hatte mit seinem 0815-Song keine Chance.

Mit der Songauswahl, taten sich die deutschen ESC-Experten in der Vergangenheit besonders schwer und daran könnte es auch dieses Jahr wieder scheitern. Es fehlt an Mut. Selbst der beste Sänger steht ohne einen guten Song auf verlorenem Posten und hat keine Chance gegen die Konkurrenz aus 41 Nationen.

Wie es auch gehen kann, zeigte im vergangenen Jahr der portugiesische Sänger Salvador Sobral, der überraschend mit einem ganz leisen und unkonventionellen Jazz-Song die Herzen des europäischen Publikums erobern konnte und haushoch gewann.

Vielleicht sollte man hier einfach damit aufhören, am Reißbrett den kleinsten gemeinsamen Nenner zu berechnen und stattdessen einfach die großartigsten Songs suchen. Denn davon gibt es auch hierzulande mehr als reichlich

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