F11B : Samstag

Der Tonspion beim Festival Internacional de Benicassim

Robert Smith, tausendfach. Das Konterfei schmückt das offizielle FIB-Magazin, grüßt von Bürgersteigen und Cafétischen, erinnert an einen schönen Abend. Und ganz nebenbei schürt es Vorfreude auf die vielen kommenden Stunden, auf den zweiten Abend des elften Benicassim-Festivals.

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Erlend Øye bringt den Menschen vor der Bühne das Schnipsen bei, weil das viel besser und schöner als stumpfes Klatschen ist. Das anschließende Konzert der KINGS OF CONVENIENCE, akustisch und filigran, leise und anrührend, lässt die Menschen die Lektion jedoch schnell vergessen. Ohne Druck, ohne Lärm, ohne Posen und Bohei schafft das Duo plus Bass und Streicher lächelnde Euphorie, lässt die Menschen behutsam mitklatschen, spielt kleine Hits fürs Herz. Und Erlend Øye verabschiedet sich von einem Markenzeichen: "I`ve been wearing glasses for 18 years. Now I want to bathe in the sea like everyone else." Gelegenheit dazu wird er haben: Die Abschlussparty am Montag und Strand trägt schon jetzt seinen Namen.

Rocken mit den KAISER CHIEFS, schweben mit XIU XIU, Plickerpluckeraction mit MOUSE ON MARS, die Arme in die Luft reißen und die Gitarre nicht vermissen mit KEANE ? jedem Topf seinen Deckel, bittesehr. Doch schnell einigen wir uns, schnell lassen wir Gefühlsposen und Kuschelbedürfnis vor der Stakkatodisko stehen. !!! geben die kauzige Four-to-the-floor-Bigband, wälzen sich in Schweiß und Rhythmen, fordern und geben zurück. Instrumente werden herumgereicht, der Bass pumpt und immer wenn man meint, dass das langsam etwas arg simpel wird, kommen Bläser, Superfunk oder sonstige Mitreißeraction ums Eck und blasen Zweifel fort. Nach dieser Runde Tanzaction sollte man sich vielleicht mal ausruhen.

Doch nichts da, weiterweiter, Highlights wollen gejagt werden. Und so kommen wir gerade rechtzeitig zu JEANS TEAM, die "Königin (Der Nacht)" ins Clubzelt pumpen und "Keine Melodien" in einem grandiosen Akt der Zerstörung in seine Bestandteile zerlegen. Vielen Dank dafür.

Von der Nachtkönigin zur Superdiva der alternativen Popmusik. Die LEMONHEADS sind von irgendwoher wieder aufgetaucht, haben aber nicht genug Songs geprobt und wollen nach einer halben Stunde ganz gern Schluss machen. Dass Evan Dando nach einiger Überzeugungsarbeit durch Publikum und Veranstalter dann doch noch wieder erscheint und lieblos und schön Hit an Hit reiht und herunterschrubbt, ist nett, aber nicht ausschließlich super. Mit "It`s About Time" und all den anderen Schönheiten im Portfolio jedoch kann man sich das wohl leisten. Erst zum wirklich definitiven Ende dieses bizarren Konzerts lässt sich der eine oder andere zu herzlichen Buhrufen hinreißen. Doch das muss ja keinen kümmern.

Im Clubzelt beginnt die LADO-Nacht mit ROBOCOP KRAUS, die das Zelt langsam, aber sicher füllen und mit charmant verhunzten Ansagen punkten. Überraschend tight glänzen vor allem alte Hits, bricht vor allem "Fashion" endgültig das Eis. Wir würden gern noch weiter unsere quasilocal scene supporten, doch das späte zweite Jahrtausend möchte mit uns reden.

So bieten DINOSAUR JR auf der Hauptbühne Lässigkeit und Traditionsgitarrenarbeit. Bass und Schlagzeug rumpeln ein solides Fundament für Mascis` ausufernde Soli zurecht, Lou Barlow schrubbt Akkorde auf dem Bass, "Freak Scene" haut rein, der Rest erfüllt Erwartungen. In der Zugabe dann das famos hingenölte Cure-Cover "Just Like Heaven". Oh, Herrlichkeit.

Im Anschluss dann wieder Discohopping und getanzte Unentschlossenheit. RADIO 4 klingen bis zum Brachialfinale arg klinisch, EGOEXPRESS trotzen jedem Soundproblem. Und im Hellomotozelt entdeckt DJ KOZE sein Equipment neu. An jedem Tanzstandard vorbei verwirrt er sein Publikum, spielt mit Crossfadern und Pitchern, bis der eine oder andere sein Glück entnervt woanders sucht. Egal. Mehr Platz für die der Sonne entgegentanzenden Big Styler J.Bader und Ali und den dahinten. Dass jetzt schon Sonntag ist, wollen wir kaum wahrhaben. Und immer noch steht so viel bevor. (sc)

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