Fake Bands auf Spotify: Gefährdet Spam die Streaming Anbieter?

Ein Vorgeschmack auf die Zukunft

Spotify hat mit einem Spam-Problem zu kämpfen: Laut BBC meldeten sich mehrere Nutzer, die in ihren Playlisten Bands entdeckt haben, die es gar nicht gibt.

Wo immer es Geld zu verdienen gibt, sind Hacker nicht weit, die sich kreative Dinge einfallen lassen, um ohne viel Arbeit etwas vom Kuchen abzubekommen. Nach MySpace, Google und Facebook ist jetzt offenbar auch Spotify Zielscheibe von Spam-Attacken. Das Perfide: mit jedem einzelnen Play auf Spotify lässt sich Geld verdienen. 

Zahlreiche Nutzer hatten in ihren Listen mit den am häufigsten gehörten Bands 2018 seltsame Künstlernamen wie Bergenulo Five, DJ Bruej oder Bratte Night. Kennst du nicht? Richtig, diese Bands gibt es auch gar nicht. Es gibt weder Webseiten, noch Fanseiten, noch Tourdaten oder sonstige Informationen zu diesen Bands. Trotzdem wurden sie anscheinend abgespielt. Und damit auch Geld verdient. Geld, das eigentlich den Künstlern zusteht. Vermutlich wurden diese Tracks von irgendwelchen Rechnern erstellt mit dem einzigen Ziel, Spotify Plays zu generieren. 

Die BBC erklärt das Phänomen so: "Irgendwie haben sich diese mysteriösen Künstler und eine Vielzahl ähnlicher Acts in die Playlisten von Spotify-Hörern eingeschlichen. In einigen Fällen wurden Tausende von Streams eingeholt, weshalb einige Nutzer über gehackte Konten spekulierten". Spotify widerspricht dieser Darstellung, aber offenbar wurde der Algorithmus von Spotify tatsächlich geknackt.

Ansonsten schweigt Spotify bisher weitgehend zu diesen Ereignissen. Vermutlich aus gutem Grund: man möchte Nachahmer nicht ermutigen, ähnliche Tricksereien auszuprobieren. Nur so viel: es habe "ungewöhnliche Streamingaktivitäten" gegeben und man habe die betreffenden Künstler entfernt und entsprechende Vorkehrungen getroffen.

Dass das Problem damit behoben ist,  ist allerdings kaum anzunehmen. Schließlich stehen wir kurz vor dem Zeitalter, in dem künstliche Intelligenz anfangen wird, Musik zu komponieren - und knallhart kalkulierte Hits zu produzieren. Für Werbemusik ist diese Technologie bereits im Einsatz, da man dafür praktischerweise keine Musiker, Komponisten oder Textdichter bezahlen muss. Künftig wird es genügen, ein paar Knöpfe zu drücken, um Songs nach Belieben zu erzeugen.

Da heute praktisch jeder bei Spotify hochladen kann, könnten die Streaminganbieter mit Millionen künstlich erzeugter Songs geflutet werden, um möglichst viele Plays zu generieren und in den von Algorithmen generierten Playlists aufzutauchen. Die KI-Komponisten der Zukunft werden einfach die Spotify-Algorithmen analysieren und alles, was dort erfolgreich ist, in unendlichen Variationen nachahmen.

Wer soll dann noch entscheiden, was Kunst und was Schrott ist? Das gelingt schon heute nicht mehr, wie man an den deutschen Single-Charts oder der furchtbaren Neuheiten-Playlist "New Music Friday" auf Spotify Woche für Woche hören kann.

Wohl deshalb stellte Spotify kürzlich ein neues Feature vor, dass es Nutzern erlaubt, bestimmte Künstler zu blockieren. Doch wo fängt man da an und wo hört man auf, wenn laut Sturgeon's Law 90 Prozent von allem Schrott ist?

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