"Filesharing ist unter Kontrolle"

Musikindustrie setzt unerschrocken auf Abschreckung

Der Chef der deutschen Phonoverbände Gerd Gebhardt sieht sich bestätigt. Nach der aktuellen Brennerstudie GfK ist die Zahl der illegalen Downloads im Jahr 2004 um knapp 200 Millionen auf 382 Millionen gegenüber dem Vorjahr gesunken. Deshalb sollen die Klagen gegen Tauschbörsen-Nutzer nun weiter intensiviert werden.

"Die seit Anfang 2004 eingeleiteten Rechtsverfahren gegen illegale Musikanbieter waren durchweg erfolgreich", sagte Gebhardt dem Branchenblatt musikwoche.de. "Wir haben die Aufklärung über die Illegalität ausgeweitet und einen abschreckenden Effekt erreicht."

Seit Oktober 2004 habe man in Deutschland 401 Verfahren gegen Tauschbörsenbenutzer eingeleitet. Die Zahl stieg auf insgesamt 569 Personen, die die Rechtsanwälte der Musikindustrie ins Visier genommen haben. Eine eigentlich überschaubare Zahl, wenn man das mit der weiten Verbreitung von Tauschbörsen vergleicht. Trotzdem liegt Deutschland damit bei der Verfolgung von illegalen Downloads hinter den USA auf Platz zwei. Die Beschuldigten mussten "Schadensersatz" zwischen 1200 und 15000 Euro leisten.

Auch international weitet die IFPI ihre Bemühungen aus, die massenhafte Verbreitung von Musik über Tauschbörsen einzudämmen. So wurden inzwischen auch in Japen, Irland, Island, Holland und Finnland erste Verfahren eingeleitet, was den IFPI-Chairman John Kennedy zu der gewagten These "Das Filesharing ist unter Kontrolle" hinreißen ließ.

Gerd Gebhardt sieht sogar einen direkten Zusammenhang zwischen sinkenden illegalen Downloads und steigenden legalen Downloads etwa über Angebote wie Apple iTunes. Ob der gewünschte Abschreckungseffekt aber nicht viel mehr Schaden anrichtet als erwünscht, indem er ehemalige Kunden zu Kaufverweigerern macht, ist genau so wenig erforscht, aber ebenfalls denkbar. (ur)

Teile diesen Beitrag und like TONSPION, um keine wichtigen Musik News, Video-Premieren, exklusiven Streams oder kostenlose MP3 Downloads zu verpassen:

Ähnliche News

RIAA-Opfer schlägt zurück

RIAA-Opfer schlägt zurück

Gegenklage könnte peinliche Details ans Licht bringen
Seit über zwei Jahren kämpft die alleinerziehende Mutter Tanya Andersen darum, ihren Ruf wiederherzustellen. Sie war von der US-Plattenindustrie (RIAA) wegen angeblicher Tauschbörsennutzung verklagt worden. Jetzt könnte ihre Gegenklage interessante Details ans Tageslicht bringen.
Das teuerste Lied der Welt

Das teuerste Lied der Welt

US-Amerikanerin muss 9250 Dollar pro MP3 zahlen
Im Internet spielt die Musik längst weit jenseits der alten Plattenfirmen. Doch das hält diese nicht davon ab, immer noch ihre Kämpfe von vorgestern auszutragen. Jetzt wurde eine US-Amerikanerin zur Zahlung von 222 000 Dollar verurteilt, weil sie 24 MP3s in einer Tauschbörse bereit gestellt hatte.   
Interview: Sind MP3-Blogs legal?

Interview: Sind MP3-Blogs legal?

Rechtsanwalt Till Kreutzer über die rechtliche Situation in Deutschland
Immer mehr MP3-Blogs sprießen auch in Deutschland aus dem Boden. Dort veröffentlichen Musikfans Musik ihrer Lieblingsacts als MP3s, sorgen so für eine rasante Verbreitung im Netz und helfen möglicherweise auch dabei einen Künstler bekannt zu machen. Doch wer Musik im Netz anbietet, geht grundsätzlich ein hohes Risiko ein. Wir befragten Rechtsanwalt Till Kreutzer über die Rechtssituation für MP3-Blogs in Deutschland.
Die Bill of Rights für Musikfans!

Die Bill of Rights für Musikfans!

Der Tonspion Wochenrückblick
Der Branchenlog Hypebot schlägt eine „Bill of Rights“ für Musikkonsumenten vor, die RIAA macht sich in einem Rundumschlag an den amerikanischen Studenten zu schaffen und für das Downloadjahr 2006 in Deutschland gibt es wieder Zahlen und Statistiken.