Filesharing nach Audiogalaxy - Teil 1

Seitdem die MP3-Tauschbörse Audiogalaxy in der Nacht auf Dienstag ihren Betrieb einstellen musste, fragen sich unzählige Musikfreunde: Wohin jetzt? Gewinner des Abwanderungstrends scheinen die kleinen Nischentauschbörsen zu sein.

Für Millionen von Musikfans war Audiogalaxy so etwas wie der Himmel auf Erden. Egal, ob rare Electronica-Livesets, obskure Bootlegs oder Musik aus Ländern, die hier nie den Weg auf den Ladentisch findet: Gerade für Liebhaber des Ungewöhnlichen gab es keine bessere Tauschbörse als Audiogalaxy. Nun sind deren Server dank einer außergerichtlichen Einigung mit der RIAA stillgelegt. Unzählige Audiogalaxy-Fans fragen sich deshalb jetzt wie einst Lenin: Was tun?

Überraschenderweise scheinen die großen Tauschbörsen nicht übermäßig von dem Abwanderungstrend zu profitieren. So verzeichnet etwa das Gnutella-Netzwerk in diesen Tagen nur rund 200 000 gleichzeitige Nutzer - vor einem Monat waren es noch rund 300 000. KaZaA scheint zwar mehr Downloads als sonst zu verzeichnen, aber kaum mehr gleichzeitig eingeloggte Nutzer. Offenbar misstrauen Audiogalaxy-Nutzer den großen Tauschbörsen, so wie sie auch großen Labels und vorherrschenden Musiktrends misstrauen. Unfreiwillige Gewinner sind deshalb kleine Netzwerke wie Soulseek oder Filetopia, die unter dem Ansturm der Nutzer in den letzten Tagen heftig in die Knie gegangen sind. Auch Newcomer wie Mediaseek.pl können von Audiogalaxys Niedergang profitieren. Doch können sie Audiogalaxy auch wirklich ersetzen?

Die desillusionierende Antwort darauf lautet: Nein. In absehbarer Zeit wird wohl keine Tauschbörse nur annähernd das Musikangebot und den Komfort bieten, den Audiogalaxy-Nutzer gewohnt waren. Denn was Audiogalaxy auszeichente, war der riesige Index, der sich nicht nur auf aktuell online seiende Songs beschränkte. Jeder jemals über die Tauschbörse angebotene Song wurde indiziert, insgesamt umfasste diese Datenbank mehr als 300 Millionen Einträge. So ließen sich auch die obskursten Machwerke aufspüren und zum späteren Download vormerken. Zur Verwaltung dieser Datenbank nutzte Audiogalaxy 450 Server - unter den gegebenen Umständen wird wohl keine Firma in absehbarer Zeit ein ähnlich großes Netzwerk aufbauen wollen.

Übergangsweise könnten jedoch Systeme wie Edonkey 2000 und Direct Connect zu einem interessanten Ersatz für Audiogalaxy werden. Beide basieren auf einem Netzwerk einzelner Server, die meist von Privatpersonen betrieben werden und oft nicht mehr als 2000 Nutzer zulassen. Genre-bezogene Server könnten den Freunden der Nische hier helfen, auch in Zukunft noch ihren speziellen Vorlieben fröhnen zu können. Ganz neu ist diese Idee nicht: Schon vor Napster-Zeiten bot die Firma Hotline eine einfach zu installierende Client-Server -Plattform an. Noch heute finden sich im Hotline-Netz neben jeder Menge Warez- und Schund-Servern auch immer wieder musikalische Oasen mit Angeboten wie: "downbeat downtempo funk soul bits bleeps bloops blips". Am einfachsten lassen sich Hotline-Server mit so genannten Trackern durchsuchen. (jr)

Was sind eure Erfahrungen mit Filesharing nach Audiogalaxy? Was sind die besten Alternativen? Wovon lässt der Nischenfreund lieber die Finger? Oder hat sich das Thema Filesharing mit der Audiogalaxy-Schließung vielleicht sogar ganz für euch erledingt? Schreibt uns eure Meinung ins Forum!

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