Franz Ferdinand vs. Arctic Monkeys

Beide Bands duellierten sich in Berlin mit jeweils grandiosen Auftritten

Nein, die Arctic Monkeys sind nicht „die neuen Franz Ferdinand“. Erstens, weil solche Phrasen eh Blödsinn sind und zweitens, weil Franz Ferdinand weiterhin noch viel zu großartige Auftritte absolvieren, als dass sie einer Ablösung bedürften. Aber beide Bands sind auf dem gleichen Label. Grund genug uns die beiden Acts live anzuschauen.

Um es vorweg zu nehmen: die Arctic Monkeys werden wohl eher nicht dieses popmusikalische Bedeutung erlangen wie es Franz Ferdinand vergönnt war. Rund zwei Jahre später beweist die letztgenannte Band mit ihrem viel beschworenen schwierigen zweiten Album und ihrem Auftritt im Berliner Tempodrom, dass sie die ultima ratio des guten Geschmacks sind.

Spätestens als Nicholas McCarthy seinen Kollegen Alex Kapranos in gebrochenem Deutsch mit „der Mann, der die Herzen aller Frauen bricht“ vorstellte, kriegten nicht nur ihre weiblichen Zuhörer weiche Knie, sondern das gesamte Publikum wusste in diesem Moment bereits längst zu schätzen, was für einem grandiosen Konzert sie beiwohnen durften. Franz Ferdinand wollen nach eigener Aussage einfach nur Musik machen, die Mädchen zum Tanzen bringt: Mission erfüllt.

Und dass, obwohl die Band Trümpfe wie „Take Me Out“ schon in der ersten Hälfte des Konzertes ausspielte. Überhaupt, ob ein Song vom ersten oder zweiten Album war, interessierte eigentlich niemanden. Jeder Ton, jede Geste funktionierte. Das alles wirkte glücklicherweise noch immer nicht routiniert. Obwohl die Band längst begriffen haben muss, dass sie bis auf weiteres die Konzerthallen dieser Welt füllen wird.

Ganz anders verhält es sich in dieser Hinsicht mit den Arctic Monkeys. Dem Blick des liebenswürdig und fast schon etwas hilflos wirkenden, wohl kaum zwanzig Jahre alten Bassisten der Band, sah man beim Berliner Konzert nämlich nur allzu deutlich an, dass er das alles selbst kaum glauben kann. Eben probte er noch mit seinen Bandkollegen in einer englischen Garage und jetzt spielt die Band ihren Song, der in den UK Charts auf 1 ging, in einen ausverkauften Berliner Club. Die Tatsache, dass die Begeisterung des Publikums für ihre tanzbaren Gitarrensongs derart groß war, dass die Ordner mehrmals disziplinarisch einschreiten mussten, lässt nur erahnen, was auf die Band noch zukommen wird. Und sie spielt erst in der nächsten Woche in Japan.

Nicht nur „Fake Tales Of San Fransisco“ oder „I Bet You Look Good On The Dancefloor“ bewiesen auch live, dass die Arctic Monkeys im kommenden Jahr allgegenwärtig sein werden. Denn wohl gemerkt, das noch unbetitelte Debüt erscheint erst im Frühjahr. Auch ein Grund, warum ihr Konzert im Berliner Mudd Club ohne Zugabe auskommen musste. Übrigens eine Parallele zu Franz Ferdinand: auch sie mussten nach ihrem Durchbruch Konzerte geben, die kaum eine Stunde dauerten – man hatte einfach nicht genügend Songmaterial. Ansonsten haben beide Bands nur eines gemeinsam: sie sind verdammt gut. Während Franz Ferdinand vor geraumer Zeit so manchen blasierten Kunst-Studenten den Stock aus dem Arsch gezogen haben, begeistern die Arctic Monkeys in diesen Tagen mit spät pubertierendem Pubrock.

Franz Ferdinand mögen vielleicht die bessere Band sein, aber die Arctic Monkeys dürften noch für so manche Überraschung gut sein. Das haben sie beim Konzert in Berlin ziemlich deutlich gemacht.

Jan Schimmang / tonspion.de

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