FSK-Grenze für Musikvideos im digitalen Zeitalter

Sinnvoll oder vergebene Mühe?

Musikvideos auf ihre Jugend(un)freundlichkeit prüfen zu lassen ist nicht neu. In Großbritannien wurden letztes Jahr 132 Werke von Labels vor Veröffentlichung an die nationale Prüfstelle gesandt. Jetzt nimmt die Diskussion wieder Fahrt auf. 

Das waren noch Zeiten. Zeiten, in denen es noch Musikfernsehen gab. Da konnten grenzwertig eingestufte Videoclips, wie jener zu Michael Jackson's "Thriller" einfach ins Nachtprogramm verschoben werden. Nichts was kleine Kinder vor dem Schlafen gehen sehen sollten. 

Das ist heutzutage alles nicht mehr ganz so einfach. Musikfernsehen ist tot. Die Youtube-Generation kennt keine Sendezeiten und schert sich auch wenig um Altersbeschränkungen.  

In den Achtzigern nur was fürs Nachtprogramm: "Thriller" von Michael Jackson

Die Major-Labels Sony, Universal und Warner Music wollen künftig dennoch ihre Videos in Großbritannien immer erst an die British Board of Film Classification schicken, bevor sie auf Youtube oder Vevo hochgeladen werden. Die britische Regierung ist der Meinung, so unangemessene und eventuell jugendgefährdende Inhalte vor Kindern schützen zu können. 

Der Präsident vom Videostreamingdienst Vevo Nic Jones hat sich dazu geäußert und begrüßt das Vorgehen:

"Wir bei Vevo unterstützen Künstler und ihre Kreativität, verstehen aber auch die Wichtigkeit und die Bedeutung von Alterfreigabegrenzen und welchen informativen Wert sie für Eltern und Musikfans besitzen, um bei der Entscheidung zu helfen, was sie gewillt sind sich anzuschauen." 

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Und bei uns?!

Zuständig für die Einstufung von Musikvideos ist bei uns die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BpjM). Sie kann jedoch erst auf Antrag tätig werden. Bedeutet: Eine der lediglich etwa 800 lizensierten Behörden müssen und können Videos der BpjM melden. Diese entscheidet dann in ihren Gremien, ob, und wenn ja, in welche Kategorie es eingestuft wird. 

Weitergehende Informationen zum Indizierungsverfahren

Ist das Modell auch für Deutschland denkbar? Es ist die freie Entscheidung der Labels zu sagen, wir schicken unsere Clips an die jeweilige Prüfstelle. In Deutschland wird das nicht gemacht. Auf Nachfrage von Tonspion haben sich die drei Major-Labels bislang nicht zu einem Statement durchringen können, ob das Modell auch für die deutschen Ableger interessant sein könnte.

Der Reiz des Verbotenen macht aber auch vor Musikvideos natürlich nicht Halt. Und so könnte diese Regelung, wie sie in Großbritannien beschlossen ist, genau den gegenteiligen Effekt haben. Die Labels sind dabei aber fortan immer auf der sicheren Seite. Interessant wird auch zu beobachten sein, in welcher Art und Weise exzentrisch-provozierende Künstler wie Lady Gaga, die schon das ein ums andere mal mit grenzwertigen Videoclips für Aufregung sorgte, sich in ihrem künstlerischen Schaffen von solchen Regelungen beeinflussen lassen. 

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