GEMA-Alternative C3S: Spenden statt zahlen

Warum die neue Verwertungsgesellschaft auf dem Holzweg ist

Nach der anhaltenden Kritik an der Verwertungsgesellschaft GEMA, hat es sich die neue Cultural Commons Collecting Society (C3S) zur Aufgabe gemacht, vieles besser zu machen. Mit einem Spendensystem unter dem Namen "Adore" will sie Musikfans zum Bezahlen bewegen. Das wird am Ende nur einem nützen: der Verwertungsgesellschaft selbst. 

Es ist ein neues, hoch interessantes Geschäftsprinzip im Netz, aus der Masse von verfügbaren Angeboten zu schöpfen und daraus sein Geschäft zu machen. Spotify arbeitet so, Facebook, Über oder auch sämtliche Werbevermarkter im Internet. Sie verdienen Millionen ohne eigene Inhalte produzieren zu müssen. Einfach in dem sie auf die Arbeit vieler setzen und diese vermarkten. Teilweise ohne diejenigen, von deren Arbeit man profitiert, entsprechend zu entlohnen.

Nun kommt also auch C3S mit so einer Idee um die Ecke: statt für Musik zu bezahlen, sollen die Leute künftig für Musik spenden. 90 Prozent der Spenden sollen direkt an die Künstler ausgezahlt werden, 10 Prozent behält die C3S für sich bzw. die Genossenschaft. Ein netter Batzen Geld, wenn man bei jeder einzelnen Spende mit verdient und sich das Modell tatsächlich im Netz verbreiten sollte. Was allerdings zu bezweifeln ist.

Ist es für Musiker überhaupt sinnvoll, sich über Spenden zu finanzieren?

Spenden sind unerlässlich in Notsituationen, um Menschen zu helfen, die sich nicht mehr selbst helfen zu können. Spenden können aber auch schaden, wenn etwa wie in den USA Kellner nicht mehr bezahlt werden, sondern vom "Tip" abhängig sind. Viele Menschen sind auf Spenden angewiesen und könnten sonst nicht überleben. Musiker gehören eigentlich nicht zu diesem Kreis von wirklich Bedürftigen, auch wenn viele noch nie Geld mit ihren Aufnahmen oder Konzerten verdient haben. Aber das "Schicksal" des Musikmachens ist nicht unausweichlich, sondern ein selbst gewähltes. Ein Hobby, das zum Beruf wird, wenn man viele Fans hat, die auf Konzerte kommen und dafür bereit sind einen gewissen Preis zu zahlen. Die meisten Musiker haben mehrere Jobs, mit denen sie sich über Wasser halten bis der große Hit einschlägt, die meisten warten darauf allerdings vergeblich. So war es schon immer - und so wird es immer sein.

Aber wer würde überhaupt freiwillig für Musik spenden? Der Mikropaymentdienst Flattr, mit dem man für Artikel spenden kann, hat sich bisher nicht wirklich durchgesetzt. Die echten Erfolgsstories sind rar. Der Verteilungsschlüssel mag interessant sein, weil das Geld direkt bei dem ankommt, für den man spendet. Aber wer für Musik zahlen will, holt sich normalerweise ein Abo oder kauft sich Platten. Woher also soll das Geld kommen? Und will man als Künstler seinen Lebensunterhalt überhaupt mit Spenden bestreiten? Ein Großteil von Künstlern oder Publizisten dürfte stolz genug sein, das zu verneinen, denn am Ende produziert man dann doch nur das, was die Massen mögen - alles nur für ein paar Cent mehr im virtuellen Hut. 

Interview mit C3S-Direktor Meik Michalke 

Statt an einer echten Alternative zur alten Tante GEMA, die durchaus Probleme hatte, sich an die schöne neue Online-Welt anzupassen, bastelt C3S an einem höchst fragwürdigen Geschäftsmodell, bei dem es am Ende wieder nichts zu verteilen gibt. Ein Modell, dem sich weder kommerziell erfolgreiche Musiker anschließen werden, noch unbekannteren Musikern die Miete bezahlen wird. So ein Spendenmodell ist am Ende einfach nur unnötig, weil es überhaupt nichts an der prekären Lage vieler Künstler ändert, sondern Musiker zu professionellen Bettlern macht. Und das ist die falsche Botschaft. Faire Vergütungsmodelle sind gefragt, Spenden sind keine Vergütung, sondern allenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein.

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