GEMA vs. Web 2.0

Verwertungsgesellschaft erwirkt einstweilige Verfügung gegen Rapidshare

Wer im Internet mit Musik zu tun hat, bewegt sich derzeit auf dünnem Eis. Die deutsche Verwertungsgesellschaft GEMA versucht offenbar alles, um die Verbreitung von Musik im Netz aufzuhalten. Aktuelles Opfer ist die Datenspeicher-Plattform Rapidshare. Und auch YouTube und MySpace sind der GEMA ein Dorn im Auge.

Die rasante Entwicklung der Dienste des so genannten Web 2.0 hat die GEMA offenbar schwer getroffen. Denn es sind nicht mehr nur einzelne Anbieter, die unberechtigt GEMA-geschützte Werke im Internet veröffentlichen, sondern Millionen von Nutzern, die sich gegenseitig auf allen möglichen Kanälen Musik zuschicken. Zum Beispiel über Rapidshare. Auf der Schweizer Plattform konnte man Daten wie z.B. MP3s hochladen und anschließend entweder seinen Freunden per Mail oder über einen MP3 Blog anderen zugänglich machen. Der Dienst warb publikumswirksam damit, dass 15 Millionen Dateien über Rapidshare abrufbar seien. Nun nimmt die GEMA offenbar an, dass es sich um 15 Millionen GEMA-Werke handelt und hat eine einstweilige Verfügung erwirkt, nach der Rapidshare sein Angebot in Deutschland kurzerhand schließen musste.

Doch der Anbieter ist zuversichtlich, dass man schon bald wieder online sein wird. "Das Gericht verbietet uns, Musikwerke öffentlich
zugänglich zu machen - dabei findet eine solche öffentliche
Zugänglichmachung durch uns überhaupt nicht statt", so der
Geschäftsführer des Schweizer Webhosters, Bobby Chang. Seinen Angaben zufolge wird RapidShare daher Rechtsmittel gegen
den Beschluss einlegen.

Aber auch Seiten wie YouTube oder MySpace, auf denen ebenfalls unzählige GEMA-Titel heruntergeladen werden können, müssen nun mit Aktionen der deutschen Interessensgesellschaft der Komponisten rechnen. Und das obwohl zahlreiche Künstler dort ihre eigenen Werke veröffentlichen, um für aktuelle Alben oder anstehende Konzerttourneen zu werben. Selbst Tonspion erhielt kürzlich Post von der GEMA mit der Aufforderung, die zur Verfügung gestellten Werke anzumelden. Und das, obwohl es sich bei Tonspion gar nicht um einen Server mit Audiodateien handelt, sondern um ein Magazin, das von Labels und Künstlern im Internet legal bereit gestellte Musik bespricht und darauf verweist. Dieser Logik entsprechend müssten als nächstes wohl auch Seiten wie Google oder Spiegel.de ihre Dienste einstellen.

Während im Netz derzeit sehr viel Kreatives geschieht, das der gesamten Musikbranche enorme Impulse gibt, sperrt sich der Verband der Kreativen, der die GEMA eigentlich sein sollte, mit dem Beharren auf ihre alten Verwertungsmodelle komplett gegen diesen Fortschritt. Und schädigt damit nicht zuletzt unzählige ihrer Mitglieder, die seit Jahren die neuen Wege im Netz beschreiten, um Hörer und damit auch zahlende Kunden zu erreichen. Zudem behindert die GEMA mit ihrer reaktionären Strategie den Aufbau und die Entwicklung von deutschen Musikangeboten im Netz. Es ist kein Zufall, dass MySpace oder YouTube nicht in Deutschland entstanden sind.

Am Ende schädigt sich der Komponistengesellschaft selbst, indem die Musik ihrer Mitglieder nur auf illegalen Plattformen zu hören ist oder im schlimmsten Fall nirgendwo stattfindet. Wenn das so weiter geht, wird es früher oder später eine neue Verwertungsgesellschaft fürs Netz geben, die die Entwicklung nicht aufhält, sondern aktiv mitgestaltet. Zahlreiche Komponisten dürften inzwischen daran ein gewaltiges Interesse haben. Es besteht kein Zweifel: die Musik spielt heute und künftig im Netz. Ob mit oder ohne GEMA. (ur)

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