Geschlossene Systeme verunsichern Musikfans

Microsofts Zune vs Apple iPod

Im kommenden Monat kommt Microsofts lange erwarteter Audioplayer Zune in den USA auf den Markt. Wenig überraschend dabei: sowohl das Design als auch das Prinzip wurde beim Marktführer Apple abgeguckt. Einziger Unterschied: Beide Player spielen nicht die Musik, die bei der Konkurrenz gekauft wurde. Auf der Strecke bleibt dabei der kaufwillige Musikfan.

Apple hat es vorgemacht. Durch die enge Verbindung von Player und Downloadstore hat sich das US-Unternehmen zum klaren Marktführer in Sachen Audioplayer (70%) und Musikdownloads (88%) aufgeschwungen. Das Prinzip ist altbekannt. Schon Microsoft hatte sich seine marktbeherrschende Stellung durch die allzuenge Verknüpfung von Betriebssystem mit seinen eigenen Software-Produkten erworben und damit die Konkurrenz aus dem Markt gedrückt. Apple hat seinen Erfolg der engen Verquickung von Hard- und Software zu verdanken.

Mit dem Zune will Microsoft das versuchen, was Apple so erfolgreich vorgemacht hat. Der Player sieht gleich aus, wird gleich viel kosten und kann genau so viel oder wenig, wie der iPod. Jedenfalls wird er keine Songs aus dem iTunes Store abspielen können, genauso wenig wie Songs, die bei Napster, Rhapsody, Yahoo oder MTV gekauft wurden. Und das obwohl die Songs dieser Anbieter mit dem Microsoft-Format "Plays for Sure" ausgestattet wurden. Der Name dieses DRM-Systems, das eigentlich mit möglichst vielen Geräten kompatibel sein sollte, wirkt nun geradezu lächerlich, da es auf beiden voraussichtlich marktbeherrschenden Geräten nicht laufen wird.

Mit Sorge beobachten Experten die Entwicklung auf dem Online Musikmarkt. "Microsoft zeigt sowohl seinen Partnern als auch Millionen von Konsumenten eine lange Nase", so der Marktforscher Richard Doherty der unabhängigen Envisioneering Group. "Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals ein Unternehmen in der Branche so etwas gemacht hat". Am Ende muss sich der Verbraucher für ein bestimmtes Dateiformat, abhängig vom bevorzugten Player entscheiden. Diese Entscheidung ist nur schwer oder gar nicht zu ändern, will man nicht riskieren, seine teuer erworbene Musiksammlung später einmal nicht mehr abspielen zu können.

Das einzige Audioformat, was unabhängig von der Bezugsquelle auf beiden Playern laufen wird, ist und bleibt das MP3-Format. Musik in diesem Format wird allerdings überwiegend bei Anbietern von Independent Musik, also etwa bei eMusic in den USA, in Deutschland bei Finetunes oder auch in unserem Tonspion MP3 Shop angeboten. Darüber hinaus pfeifen auch die illegalen Anbieter wie Tauschbörsen oder der umstrittene russische Anbieter AllofMP3 auf jede Form von DRM-Einschränkung. Mit Erfolg. Zumindest in den USA hat sich eMusic mit 11% Marktanteil bereits zur Nummer 2 hinter Apple gemausert. Und der digitale Schwarzmarkt blüht und gedeiht wie eh und je. Viele Musikfans denken gar nicht daran, sich ihre Musik bei den großen Musikanbietern zu besorgen, so lange diese Downloads mit derartigen Einschränkungen verbunden sind und verweigern sich komplett.

Doch nach wie vor ist der Markt noch ganz am Anfang. Experten sagen vor allem dem kräftig wachsenden Markt der Audio-Mobiltelefone eine große Zukunft vorher. So werden die Handyhersteller wohl die einzigen sein, die Apple und Microsoft im Kampf um das Geschäft mit der Musik in Zukunft noch zu schaffen machen können. Bleibt zu hoffen, dass Motorola, Nokia und Co. es besser und kundenfreundlicher machen werden als die Konkurrenz. (ur)

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