HAEVN über himmlische Momente und glückliche Fügungen

Das holländische Electropop-Duo HAEVN und sein Debütalbum "Eyes Closed"

Dass Marijn van der Meer und Jorrit Kleijnen alias HAEVN vor drei Jahren zusammenfanden, war nicht nur ein Zu- sondern auch ein Glücksfall. Im Gespräch mit Tonspion sprechen sie über ihr Debütalbum "Eyes Closed".

Glück für uns, denen diese Begegnung ihren tiefgründig verträumten Sound brachte. Glück für die beiden selbst, weil sich ihr Leben seither um 180 Grad gedreht hat. Für Jorrit bedeutete das: Raus aus dem Eremitendasein als Komponist für Film und Werbung. Und der langjährige Hobbymusiker Marijn dagegen schmiss seinen gutbezahlten Job in einer Werbeagentur, um das Abenteuer HAEVN zu wagen. Nun trägt ihr Mut Früchte. Die Single "Fortitude" feierte ihr Debüt sogar in der beliebten Netflix-Serie "Riverdale" und der amerikanischen Primetime-TV-Sendung "The Royals".

Eben ist mit „Eyes Closed“ das erste Album der beiden Niederländer erschienen. Darauf 14 Songs zwischen Melancholie und Hoffnung. Das durchdachte Zusammenspiel von Streicherarrangements, E-Gitarren-Klängen, elektronischen Sounds und Marijns Gesang ergibt einen bunten Strauß an zart schimmerenden Pop-Perlen.

Wie habt ihr zwei euch kennengelernt?

Marijn: Ein Freund schickte mir ein Instrumentalstück von Jorrit, der für einen Werbespot auf der Suche nach einem Sänger dafür war. Ich habe mir die Nummer angehört und bin sofort in mein kleines Home-Studio gelaufen, um etwas einzusingen. Die Musik war so unglaublich inspirierend.

Jorrit: Als ich das File mit seinen Vocals zurückbekam, bin ich vollkommen ausgeflippt. Das war so fantastisch. Ich war früher oft als Gast auf dem Pinkpop Festival und habe mir dann vorgestellt, wie es ist, dort auf der Bühne zu stehen. Mit dem Komponieren von Filmmusik passiert das eher nicht, aber mit der Kombination aus meiner Musik und Marijns Vocals schien es plötzlich möglich. Marijn ist meine Eintrittskarte zu diesem riesigen Abenteuer.

Marijn: Das gilt umgekehrt natürlich genauso.

Dann ging alles recht schnell. Große Unternehmen waren plötzlich an euch interessiert, wollten eures Songs für ihre Spots nutzen. Wie geht man mit so einer Anfrage um?

Jorrit: Wenn du einen Anruf von einem Automobilkonzern bekommst, der dir eine Plattform und auch noch Geld dafür bietet, bewertest du selbst deine eigene Musik plötzlich ganz anders. Uns war klar, dass wir nicht Nein sagen konnten.

Marijn: Ich hatte meinen Job in der Agentur gekündigt, obwohl man mir gerade erst eine Gehaltserhöhung angeboten hatte. Trotzdem entschied ich mich für die Musik statt auf Nummer Sicher zu gehen. Und dann kam direkt ein Angebot einem deutschen Automobilkonzern. Das ist natürlich wie ein Sechser im Lotto. Radio-DJs riefen an und wollten den ganzen Song spielen, nur gab es den noch gar nicht. Also produzierten wir ihn, und dann lief "Finding Out More" ein Jahr lang regelmäßig im holländischen Radio.

Ihr habt mit Tim Bran zusammengearbeitet, der schon für London Grammar produzierte. Wie kam es dazu?

Jorrit: Wir wussten, dass unsere Version des Songs noch nicht gut genug war. Wir brauchten jemanden mit mehr Erfahrung im Popbereich. Drei Tage lang verzogen wir uns in die belgischen Wälder und durchforsteten Spotify nach Musik, die uns gefiel. So stießen auf London Grammar. Bei denen ist einfach jeder Sound an der richtigen Stelle.

Marijn: Wir schrieben ihrem Producer Tim Bran eine E-Mail mit dem Betreff: „WE WANT YOU!“ und unserem Demo. Niemals hätten wir damit gerechnet, dass wir eine Antwort bekommen, doch die war schon am nächsten Morgen da.

Jorrit: Tim stellte direkt den Kontakt zu seinem Manager her und lud uns zu sich nach London ein. Er könne auch zu uns nach Dänemark kommen, schrieb er. Dieses Missverständnis entstand vermutlich durch die Wahl unseres Namens. Wir wollten etwas Außergewöhnliches, das auf keinen Fall holländisch klingt. Das ist uns wohl gelungen.

Euer Debütalbum "Eyes Closed" ist gerade erst erschienen, trotzdem gab es schon lange davor ausverkaufte Konzerte. Auch das ist eher ungewöhnlich.

Marijn: Tatsächlich. Wir hatten gerade einmal zwei Songs releast und spielten schon im ausverkauften Paradiso in Amsterdam. Das war verrückt.

Jorrit: Wir hatten schon Schiss davor. Du hast schließlich nur eine Chance für einen ersten Eindruck. Und ich muss zugeben, lang war die Show nicht. 50 Minuten vielleicht. Aber alle waren happy.

Eure Musik umfasst Streichinstrumente, E-Gitarre und einiges mehr. Kommt bei euren Live-Shows etwas vom Band oder habt ihr entsprechend viele Gastmusiker dabei?

Jorrit: Live haben wir Streichquartett dabei, einen Gitarristen, einen Drummer … Und jetzt habt ihr sogar mehr als zwei Songs, die die Zuschauer kennen werden.

Wie fühlt es sich an, nun endlich mit einem ganzen Album am Start zu sein?

Jorrit: Ich hatte mir vorher vorgenommen, mich nicht darum zu scheren, was andere sagen. Das klappt natürlich nicht, man ist extrem empfänglich für die Meinungen anderer zu seiner eigenen Arbeit. Aber wir haben so lange am Album gearbeitet, dass wir von dem Ergebnis absolut überzeugt sind. Jetzt sind die Reaktionen durchweg sehr positiv. Wir bekommen tolle Reviews, die Leute mögen das Album. Was wollen wir mehr?

Review: HAEVN - Eyes Closed

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HAEVN – Eyes Closed

HAEVN - Eyes Closed

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Der geheimnisvolle Name des niederländischen Duos ist ein Kompositum aus den Begriffen "Himmel" und "Hafen": Und HAEVN komponieren in der Tat Songs, die man als romantische Anlegestellen bezeichnen könnte. Mit "Eyes Closed" legen sie nun ein starkes, weil so sanftes Debüt-Album vor.