Handy Overkill auf Konzerten: Nimm das Display aus meinem Gesicht

Filmen ist hinten, Gucken ist vorn

Mittlerweile wohnt in so ziemlich jeder Hosentasche ein Smartphone. Und je besser die Kameras und Mikrofone von diesen mit den Jahren wurden, umso lauter wurde die Diskussion um eine neue Art der Konzertbesucher, die ein Konzert nur noch mitfilmen, aber nicht mehr mit erleben. Und anderen damit die Sicht nehmen. Schluss damit!

Früher waren es nur die Labertaschen, die auf Konzerten lautstark von der Musik ablenkten und nervten. Heute kommen noch tausende Hobbyfotografen und Filmer dazu, die während einer Show immer wieder erstaunliche Ausdauer in der Disziplin “Handy vor das Gesicht von anderen halten” beweisen.

Schon 2015 Jahr fand der amerikanische Ticketvertreiber “Ticketfly” in einer Studie heraus, dass fünf Prozent – Fünf Prozent! – aller Konzertbesucher komplette Shows nur noch durch die winzigen Displays ihrer Tablets und Smartphones gucken. Und zwar 20 Meter vor der Bühne, auf der es das Ganze theoretisch auch live zu sehen gäbe.

Kein Wunder also, dass nicht nur immer mehr Fans, sondern auch die Musiker selbst von der Armada einäugiger Gadgets genervt sind, die ihnen da aus dem Publikum entgegen linst. Ende Mai 2016 platzte Adele schließlich während einer ihrer Shows – und danach viral im Internet – der Kragen und sie forderte eine Besucherin ihres Konzertes in Verona dazu auf, sofort das Handy wegzupacken. 

"Könnten Sie bitte aufhören, mich zu filmen? Ich stehe wirklich leibhaftig hier. Ich wünsche mir, dass Sie meine Show genießen, denn draußen stehen eine Menge Leute, die das auch gerne würden, aber keine Karte mehr bekommen haben."

Das “Problem” nimmt so absurde Ausmaße an, dass Apple sogar ein Patent anmeldete, das es dem iPhone-Hersteller erlaubt, die Kamerafunktion der Handys während der Veranstaltung zu deaktivieren. 

Oder, dass eine Firma wie “Yondr” kleine Taschen entwickelt, in denen Smartphones beim Betreten einer “phone free zone” eingeschlossen werden und erst beim Verlassen über GPS wieder entnommen werden können. Alicia Keys und auch Guns’n’Roses haben von dieser bei einigen ihrer Shows Gebrauch gemacht.

Klar ist es schön, die besten Momente eines Abends digital für später und die besten Freunde festzuhalten. Klar ist es schön ein kurzes Snippet aus “eurem Lied” mit dem oder der Liebsten zu teilen. Dagegen sagt ja keiner was.

Aber mittlerweile scheinen Handy-Displays ab der fünften Reihe einer Venue fest zur Light-Show zu gehören. Und wo kein Display leuchtet und die Sicht versperrt, da ist sicher ein Arm, der ein solches hält. Das nervt. Punkt.

Trotzdem ist ein Verbot von Handys auf Konzerten keine Lösung. Denn hier manifestiert sich nur erneut das Phänomen, das schon seit der Vorstellung des iPhones 2007 immer weiter verbreitet ist: Was das Smartphone den Menschen an Informationen und Vernetztheit gibt, das nimmt es ihnen scheinbar an Empathie und Reflexionsfähigkeit.

Das Einzige was dagegen dauerhaft hilft ist eine ordentliche Portion Medienkompetenz. Die Gleiche Sorte, die es auch bedarf, wenn man mit Freunden zusammen sitzt, ein Spiel spielt oder ein Glas Wein trinkt und dabei eben einfach mal nicht “nur ganz kurz” auf das Handy schaut. Das signalisiert Desinteresse, lenkt ab und ist einfach unhöflich. Und das gilt nicht gegenüber von Freunden, sondern eben auch für Musiker auf der Bühne. Und außerdem sieht euer Konzertmitschnitt auf Snapchat, Facebook und Instagram ziemlich beschissen aus. Und hört sich auch so an. 

Also: genießt doch einfach den einzigartigen Moment und lasst die Leute hinter euch auch daran teilhaben.

Deswegen beim nächsten Konzert das Handy vielleicht einfach in der Tasche lassen. Und wenn jemand neben oder vor euch steht, der dauernd nur filmt, dann sagt was. So lang bis es sich rumgesprochen hat, dass Filmen und Blitzen auf Konzerten daneben ist. Die Leute hinter euch werden es danken.

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