Hingehört: Chemical Brothers - We are the night

Alles wie immer bei den Chemical Brothers

Die Chemical Brothers sind die letzten Überlebenden der Big Beat-Welle Mitte der Neunziger. Irgendwie haben es die beiden Nerds aus England geschafft, sich mehr als ein Jahrzehnt lang mit jeder neuen Veröffentlichung in den Charts zu tummeln. Daran wird auch "We Are The Night" nichts ändern.

Dabei bewiesen Ed Simons und Tom Rowlands seit ihrem rohen und dreckigen Debüt "Exit Planet Dust" bei der Auswahl ihrer Kollaborateure oft mehr Geschmack als bei der Wahl ihrer musikalischen Mittel. Auf Album Nummer sechs hat sich das Duo neben anderen die Dienste der Klaxons und von Midlake gesichert. So ganz ohne Gegenwehr wollen die beiden Rocksäue den Kampfplatz Rave ihren jüngeren und wesentlich frischeren Kollegen nicht überlassen. Dafür dümpelt "All Rights Reversed", das Duett mit den Klaxons, aber ein bisschen zu sehr vor sich hin, lediglich die flirrenden Flächen können für ein bisschen Ravefeeling sorgen.

Auf "We Are The Night" fällt wieder einmal auf wie sehr die Chemical Brothers ihre Tracks für den Einsatz auf großen Bühnen trimmen. Heavy Rockdrumming statt pumpender Bassdrum war schon immer ihre Devise, nur erreichen im Moment Acts wie Simian Mobile Disco oder Justice den gleichen Effekt mit weniger tierischem Ernst dabei. Beim wiederholten Hören verfestigt sich dann auch der erste Eindruck: Die Chemical Brothers sind wie zwei alte Platzhirsche, die sich so langsam eingestehen müssen, dass ihnen die jüngere Generation an die sicher geglaubten Pfründe geht. Doch bevor es soweit ist, plustern sich die beiden noch einmal richtig auf und stolzieren breitbeinig durch ihr Revier. Gönnen wir ihnen den Moment! (fs)

Empfohlene Themen