Homerecording Tutorial: Audio-Kompression – So klingen deine Aufnahmen fett wie im Studio

Mastering-Profi Chris Jones gibt Tipps zum Einsatz von Kompressoren beim Homerecording

Sänger klingen meistens in tiefen Lagen wesentlich leiser als in hohen. Um zu vermeiden, dass zu große Lautstärkeschwankungen auf deiner Aufnahme zu hören sind, kommen im Studio Kompressoren zum Einsatz. Studio-Betreiber Chris Jones erklärt, wie man mit Kompressoren arbeitet.

Ein Kompressor bietet zahlreiche Einstellungsmöglichkeiten, in die man sich einfuchsen muss. (Foto: Drawmer S3)

Was ist ein Kompressor?

Wie der Name schon sagt, wird bei der Kompression Audiomaterial komprimiert– zusammengedrückt. Die Dynamik eines Songs wird verändert (Wechselspiel zwischen lauten und leisen Tönen innerhalb einer Aufnahme). So soll z.B. eine laute Explosion genauso hörbar sein wie ein leises Flüstern, ohne dabei am Lautstärkenregler drehen zu müssen.

Am häufigsten werden in der Musikproduktion, sowie beim Mixing bzw. Mixdown und beim Mastering Kompressoren mit nur einem Band verwendet, die das komplette Frequenzspektrum abdecken. Das bedeutet, dass alle Frequenzbereiche gleich lange abgesenkt werden.

Welche Möglichkeiten der Kompression gibt es?

Vorerst ist zu erwähnen, dass durch eine Kompression, in der Regel, der Dynamikbereich vermindert wird. Dies bedeutet, dass die Differenz zwischen der „leisesten“ und „lautesten“ Stelle im Audiomaterial geringer wird.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen der Aufwärts-Kompression und der Abwärts-Komperssion. Am bekanntesten ist die Abwärts-Kompression. Hier werden bestimmte Passagen mit hohem Pegel verringert, somit erhöht sich die Signaldichte, was eine Reduktion der Dynamik zufolge hat. Bei der Aufwärts-Kompression funktioniert der Prozess ähnlich, nur werden hier die Passagen mit geringem Pegel angehoben, um somit eine Verdichtung des Gesamtsignales zu erreichen. Sowohl im Mixing als auch im Mastering werden beide Techniken angewendet.

Kompressor Arten

Man unterscheidet in erster Linie zwischen Breitband- und Multibandkompressor. Des Weiteren gibt es noch den Röhrenkompressor und den Optokompressor.

Der Breitbandkompressor bearbeitet den kompletten Frequenzbereich des Audiomaterials. Beim Multibandkompressor lassen sich je nach Typ verschiedene Frequenzbänder definieren, die unabhängig voneinander komprimiert werden können.

Der Röhrenkompressor arbeitet mit einer Elektronenröhre statt einer Halbleiterschaltung, was bei vielen die Meinung zufolge hat, dass ein Röhrenkompressor „warm“ klingt.

Der Optokompressor – in Fachkreisen spricht man von einem „britischem Kompressor“ – arbeitet mit einer Leuchtdiode in der Steuerung. Die Arbeitsweise würde ich persönlich eher als „lasch“ oder „träge“ definieren, welche aber trotzdem sehr musikalisch klingt und eine neue Möglichkeit des kreativen Arbeitens beim Mixing eröffnet.

Ein Multiband-Kompressor ist flexibler einsetzbar, da er das Audiosignal in zwei oder mehrere Frequenzbänder aufteilt. Gerade im Masteringprozess kommt dieser oft zum Einsatz. Hierfür werden Filter verwendet. Danach werden die einzelnen gefilterten Signale jeweils in einen eigenen Kompressor übertragen und durch diesen bearbeitet. Die entstandenen Einzelsignale werden später wieder zu einem einzigen komprimiert (Stereo Summe).

Ein Vorteil der Verwendung des Multiband-Kompressors ist es, dass ein lautes Ereignis im tieffrequenten Bereich nicht mehr in den Dynamikverlauf der HiHats eingreifen kann. Da jedes Band einzeln komprimiert wird, beeinflussen sich die einzelnen Bänder gegenseitig nicht. Außerdem kann jedes Frequenzband unterschiedlich komprimiert werden, wodurch verschiedene Werte für Attack, Release, Treshold und Ratio möglich sind. Des Weiteren ist die Möglichkeit gegeben jedes Band einzeln bezüglich Pegel und Lautstärke bzw. Lautheit oder Dynamik zu bearbeiten.

Wann empfiehlt sich welche Art von Kompressor?

„Gut ist, was gut klingt!“ - Egal ob beim Mixing, oder im Mastering Studio beim Audio Mastering.

Deshalb würde ich nicht behaupten, dass eine bestimmte Art von Kompressor für einen bestimmten Typ von Audiomaterial zu verwenden ist. Gerade im Bereich von Mixing und Mastering ist der Einsatz verschiedenster Kompressoren wichtig, aber nicht nötig. 

Nehmen wir z.B. ein Drumset aus dem Rockbereich, hier könnte man mit jedem x-bliebigen Kompressor arbeiten. Möchte ich das Gesamtsignal einheitlicher klingen lassen, würde ich eher einen Breitbandkompressor bevorzugen – für mich ist dieser Vorgang wie eine Art „Klebeprozess“, bei der ich die einzelnen Elemente mit Hilfe des „Klebers“ (Kompressor) zu einer Einheit zusammenfüge.

Den Multibandkompressor setze ich bei Frequenzbildern ein, deren Teilbereiche unterschiedliche Attack- bzw. Releasezeiten haben, die Dynamik der Teilbereiche stark variiert oder weil ich nur einen bestimmten Bereich des Frequenzbildes komprimieren möchte. 

▶︎ Homerecording Tipps vom Profi

Anwendungsbeispiel: Kompressor für Vocals

Parallele Kompression

In der parallelen Kompression wird das Hauptsignal anteilig komprimiert. Der hieraus entstehende Effekt wird oft als nah und direkt empfunden. Sinn macht eine paralelle Kompression überall da, wo eine Verdichtung oder Kräftigung des Grundsignals stattfinden soll, jedoch der Eigencharakter und die Dynamik des Grundsignals erhalten bleiben soll. Meist wird diese Art der Verdickung auf Drums oder Vocals angewendet, da oft hier der nötige „Druck“ fehlt.

Eine mögliche Einstellung für eine paralelle Kompression sieht z. B. wie folgt aus:

Attack Zeit: Möglichst gering (0,1 ms)

Release Zeit: Möglichst lange (200-500 ms)

Treshhold: So einstellen, dass eine Gain Reduction von 6 db herauskommt.

Die kompressions Methode kann bei einigen noch nach Peak oder RMS eingestellt werden. Die Einstellung hierbei kann man nach eigenem Geschmack wählen. Wir empfehlen jedoch nach Peak zu komprimieren.

Das paralell komprimierte Signal kann je nach Geschmack dazu geregelt werden. Einen festen Richtwert gibt es hierfür nicht.

Der Autor

Toningenieur Chris Jones betreibt das Online Mastering Studio "Peak-Studios" in Würzburg (ehem. Thug-Music Musicproduction). Er arbeitete für Produktionen aus über 20 Ländern, darunter von Künstlern wie Wu-Tang Clan, B-Real (Cypress Hill), Grammy-Gewinnerin Cheryl Studer u.v.a.

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