Hype durch Klicks: So manipulieren die Rap-Stars ihre Streamingzahlen

Kauf Dich in die Charts!

Besonders im Rap-Bereich sind Klickzahlen zum wichtigsten Gradmesser für die Relevanz eines Künstlers geworden. Eine neue Reportage zeigt, wie manipulierte Klicks genutzt werden, um künstlichen Hype entstehen zu lassen. 

Ganz das Klischee: Arbeit im dunklen Hinterzimmer. (Credit: Y-Kollektiv / Screenshot)

Mero, Fero, Sero el Mero - diese drei jungen Herren haben nicht nur ihre Namensgemeinsamkeit und ihren Status "Next Big Thing" im Deutschrap vorzuweisen, sondern kämpfen auch allesamt seit mehreren Monaten mit den Vorwürfen gekaufter Klicks und Streams. Dass insbesondere die astronomischen Klickzahlen eines Mero organisch entstanden sein sollen, lässt sich nur schwer glauben - Beweise gibt es bislang aber keine. 

In einem Interview, welches vor einigen Wochen bei "Online Marketing Rockstars" erschien, gaben drei Jugendliche vor, für die manipulierten Klickzahlen verantwortlich zu sein. Statt Rappern damit zu einem gezielten Hype zu verhelfen, sollte aber eher eine Gegenwirkung erzeugt werden. Da Rapper wie Mero ihrer Meinung nach offensichtlich mit gekauften Klicks gepusht wurden, wollte man die Währung und den Aufmerksamkeitsmesser "Klicks" wieder entwerten. Haben alle viele Klicks, hat Niemand viele Klicks. 

Einen direkten Blick auf das Thema gewährt nun Ilhan Coskun in seiner neuen Reportage den Youtube-Kanal "Y-Kollektiv". Um den "Rap Hack" zu entschlüsseln, trifft er sich mit Kai, der schnell deutlich macht, in welche Richtungen sich die Klick-Manipulationen mittlerweile bewegen. Je nach finanziellem Background sind 10.000.000 Streams absolut kein Problem - und für 50.000€ ist auch eine Goldene Schallplatte drin. 

Video: Der Rap Hack: Kauf Dich in die Charts! Wie Klickzahlen manipuliert werden

Das Modell hinter den Klickmanipulationen ist so einleuchtend wie erwartbar: die "Hacker" haben entsprechend viele Fake-Accounts bei den Streaminganbietern und lassen diese mit Skripten immer wieder automatisiert die selben Songs hören. Dass Anbieter wie Youtube und Spotify kostenlosen Zugriff auf die Videos anbieten, erleichtert natürlich auch die Manipulation ungemein. Die Zeiten, in denen der Labelchef noch persönlich in den Media Markt fährt und CDs aufkauft, sind eben auch vorbei. 

Dem Selbstexperiment von Ilhan Coskun scheint Spotify jedoch einen Riegel vorgeschoben zu haben. Unter dem Namen "ERROR281" hatte er selbst einen Song auf Spotify veröffentlicht und wollte die Klickzahlen künstlich pushen. Die Reportage scheint aber bereits genügend Aufmerksamkeit generiert zu haben - der Song ist auf Spotify nicht mehr abrufbar. 

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