"Ich toure viel mehr als es mir lieb ist" - Jake Bugg im Interview mit TONSPION

Der junge Songwriter hat einen Plan – alles andere ist ihm egal

Im Juni veröffentlichte Jake Bugg sein drittes Album “On My One”. Wir haben mit ihm über die Arbeit daran gesprochen und herausgefunden, warum er sich wohl besser bei Mike D. entschuldigt.

Straighte, britische Gitarrenmusik, das war es wofür der 22-jährige, britische Songwriter-Jüngling auf seinen ersten beiden Alben “Shangri La” und “Jake Bugg” bekannt war. Er hat die Royal Albert Hall ausverkauft und mit Produzenten-Legende Rick Ruben ein Album aufgenommen. Er wurde von Noel Gallagher zunächst gelobt und kurz darauf wieder totgesagt, weil der sich an den zusätzlichen Songwritern in den Credits seiner ersten Platten störte – “wegen so etwas stirbt Musik”.

"What Doesn't Kill You" vom Album "Shangri La":

Nun hat Bugg mit mit seiner dritten Platte ordentlich an seinem Stil geschraubt und zum ersten Mal fast alles eigenständig geschrieben, eingespielt und produziert.

Ob auch Aussagen, wie die von Noel dazu geführt haben, dass er “On My One” als echtes Soloprojekt fertigstellen wollte? “Mir sind Kommentare von irgendjemand anderem völlig egal! Ich verändere wegen sowas nicht im geringsten was ich schreibe oder möchte", will Bugg dazu deutlich klarstellen. “Es hat sich einfach richtig angefühlt”, begründet er den Alleingang stattdessen. “Dieses Album wollte ich für mich selbst machen.”

So ganz alleine funktionierte es aber doch nicht. Für die Produktion setzte er zwischenzeitlich auf die Hilfe von Mike D. (Beastie Boys). Dass aus der Zusammenarbeit allerdings nie ein vorzeigbarer Song entstand, dafür beschuldigte Bugg den Produzenten in der Vergangenheit des öfteren sehr prominent in Interviews: ”Er wollte eigentlich einen Song von mir machen, aber ich habe ihn bis heute nicht zurück bekommen.[…] Es ist gerade so, als wollte er mich verarschen"

“Für mich dreht sich immer alles um das Album und nicht um den einzelnen Song." Jake Bugg

Mittlerweile muss er aber zugeben, dass er wohl auch nicht so ganz unschuldig an dem Ausbleiben eines Ergebnisses war: “Es war tatsächlich auch mein Fehler, als ich mit Mike gearbeitet hab. Ich hatte die Songs teilweise einfach nicht fertig, weswegen er wohl ganz offensichtlich Probleme hatte, am Ende ein echtes Produkt herauszubekommen.”

"Bitter Salt" vom neuen Album "On My One":

Das gesamte Interview über wirkt Bugg für seine schlappen 22 Jahre erstaunlich abgeklärt – und müde: “Ich toure viel mehr als es mir lieb ist”, sagt er und fügt hinzu: “Ich bin lieber im Studio.”

Je länger wir reden, umso mehr klingt durch, dass der Songwriter überzeugt davon ist, das Business verstanden zu haben. Damit begründet er auch, warum er erst jetzt ein Album, wie "On My One" machen konnte: “In der Vergangenheit musste ich schlicht mit dem einverstanden sein, was die Leute vom Label von mir wollten. Sonst hätte ich einfach keinen Deal für die Platten bekommen.”

“Ich bin ehrlich gesagt nicht ganz sicher, warum ich drei Singles vor dem Album herausgebracht habe”, sinniert Bugg danach weiter. “Für mich dreht sich immer alles um das Album und nicht um den einzelnen Song. Auch wenn natürlich jeder mit dem du arbeitest, eine Hit-Single von dir erwartet.” 

Eine solche hatte er nie und ist trotzdem unglaublich erfolgreich. “On My One” stand weltweit mindestens auf passable Rängen in den Albumcharts und Bugg ist eine der jungen Hoffnungen für das britische Songwritertum.

Sein Plan einem sterbenden Medium die Treue zu halten, – "Ich bleibe einfach bei meinen Alben" – scheint also zu funktionieren.

Unsere Review zu “On My One” gibt es hier.

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