Iggy Pops große Abrechnung mit dem Musikgeschäft

Ur-Punk hält Rede bei John Peel Lecture des BBC

Bei der  "John Peel Lecture" des BBC hat Iggy Pop gestern eine sehr unterhaltsame Rede zum Thema "Free Music in a capitalist society" gehalten. Dabei ließ er kein gutes Haar an U2 und lobte Thom Yorke. 

"Stay away from drugs... and talent judges!" (Iggy Pop)

Zum vierten Mal fand die jährliche "John Peel Lecture" von BBC 6 beim Radio Festival im englischen Salford statt. Dabei wird jeweils eine berühmte Persönlichkeit eingeladen, eine Rede zu einem umstrittenen Thema des Musikbusiness zu halten. 

Iggy Pop ging dabei auf die Kooperation von Apple und U2 ein. Apple hatte das neue U2-Album "Songs Of Innocence" seinen Nutzern via iTunes geschenkt und automatisch geladen. 

"Die Leute, die keinen Download von U2 wollten, haben gesagt: 'Zwing mich nicht'. Und sie haben Recht", so Pop. "Wenn du etwas von einem Künstler kaufst, ist das ein weihevoller Prozess, du gibst Liebe. Es ist deine Wahl. Du gibst nicht nur dein Geld, sondern auch ein Stück von dir selbst. Diese Chance hat Apple den Leuten genommen".

Dagegen lobte er Thom Yorke dafür, sein Album über die Tauschbörse BitTorrent verkauft zu haben. "Alle Piraten wollen irgendwann sauber werden, genauso wie ich irgendwann anständig werden wollte. Das ist ganz normal. Keiner will mit einem Gauner Geschäfte machen. In diesem Fall ist es gut, dass Thom Yorke BitTorrent zu einem positiven Wandel ermutigt. Es ist gute Musik, zu einem fairen Preis für die Leute, die sich dafür interessieren". 

Allerdings räumt er ein, dass es noch nie einfach gewesen ist, mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Wenn er selbst von Platten-Verkäufen abhängig wäre, müsste er heute noch nebenher in einer Bar arbeiten. Deshalb mache er heute eben auch mal Werbung für eine Autoversicherung. 

Der digitale Fortschritt habe inzwischen selbst aus der Musikindustrie fast schon Piraten gemacht. Illegales Downloaden sei "schlecht für alles", so Pop. Und es werde unterstützt von Power Nerds, die er "Computer Putins" nennt. Sie seien nur daran interessiert, reich und mächtig zu werden. Die Piraterie sei letztlich der Grund dafür, warum große Bands inzwischen total irre Ticketpreise verlangten und ihre Alben verschenkten, aus Angst zu floppen. "Es ist der Versuch, "groß" zu bleiben. Und es ist etwas an diesem "Groß"-Ding, was unglaublich nervt." Eine weitere Backpfeife in Richtung U2.

Gute Musik und neue Talente jenseits des Mickey Mouse Clubs kämen heute sowieso nur noch auf Independent Labels heraus, während die Majors sich zunehmend aufs allgemeine Show- und TV-Business konzentrierten.

BBC 6 streamt den ca. eineinhalbstündigen Vortrag von Iggy Pop in voller Länge (Einstieg bei Minute 30.)

Wer lieber lesen will, kann die Rede hier nachlesen.

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