Incubus: "Wir werden eine Renaissance in Kunst und Musik erleben"

Brandon Boyd über die neue EP, junge Fans und Konzerte nach Corona

Vor fünf Jahren haben Incubus die EP "Trust Fall (Side A)" veröffentlicht. Mitte April erschien mit "Side B" ein Nachfolger. Im Interview erzählt Sänger Brandon Boyd, weshalb Fans bei einer anhaltenden Quarantäne schon bald mit einem neuen Album rechnen könnten.

Video: Incubus – Our Love

Wie viel Incubus aus der "Fungus Amongus"-Zeit steckt noch in den Incubus von heute?

Gute Frage. Mein erster Gedanke ist, dass nicht mehr viel von damals in uns steckt. Doch das wäre falsch. Ich denke, wir sind aus dieser Zeit herausgewachsen, sowohl individuell als auch kreativ. Unsere ursprüngliche Einstellung hat sich aber kaum verändert. Wir machen Musik nicht, weil wir es müssen, sondern weil wir es lieben.

Die EP wird von den Fans sehr gut aufgenommen. Wie zufrieden bist du mit "Trust Fall (Side B)"?

Ich fühle mich wie Mufasa in dieser Kult-Szene aus "Der König der Löwen", in der er sieht, wie Rafiki der Welt Baby Simba vorstellt. Weißt du, was ich meine?

Kritiker loben die EP für ihre Vielfalt. Woher nehmt ihr nach fast 30 Jahren im Geschäft eure Inspiration?

Die Kritiker waren nicht immer so gut zu uns. Schlechte Reviews können unangenehm und auch ein bisschen lästig sein. Das wirkt sich aber nicht auf unsere Kreativität aus. Es freut mich, wenn Kritiker unsere Musik mögen. Für das, was wir tun, ist es aber nicht entscheidend. Wir sind neugierige Menschen. Ich glaube, dass das unsere Inspiration beflügelt und unser Jungbrunnen ist.

Wie unterscheidet sich der Entstehungsprozess zwischen einem Album und einer EP?

Die beiden Prozesse unterscheiden sich nicht sehr voneinander – man braucht für den einen nur einen längeren Atem.

Wie einfach ist es für euch, jüngere Hörer zu erreichen, die bei der Veröffentlichung von "Morning View" noch nicht geboren waren?

Ich weiß es nicht. Es ist schön, wenn junge Menschen Musik entdecken, die älter ist als sie. Ich klinge gerade verdammt alt, aber Jugendliche können dadurch lernen, wie sich die Musik entwickelt hat. So war ich auch. Mich hat es fasziniert, die Einflüsse auf meine Lieblingskünstler zu analysieren.

Video: Incubus – Into The Summer

In einem früheren Interview hast du gesagt: "Wir müssen unseren Prozess anpassen, weil die Alben selbst nicht mehr so viel Aufsehen erregen wie früher." Wie wahrscheinlich ist ein neues Incubus-Album?

Wir sehen, wie sehr sich die Musiklandschaft verändert hat. Nicht nur kreativ, sondern auch auf einer geschäftlichen Ebene und wie Menschen ihre Musik konsumieren. Ständig gibt es neue technologische Entwicklungen. Daran wollen wir uns anpassen. Wir würden aber keine Disco-Songs schreiben, nur weil es eine neue Disco-Welle gibt. Eine Sache hat sich allerdings nicht verändert: Menschen wollen weiterhin auf Konzerte gehen. Und Live-Shows sind unser Ding. Also, Hurra! Was ein neues Album betrifft: Wenn die Quarantäne anhält und wir nicht touren können, wirst du eher früher als später eins hören. Ich liebe es, Alben zu schreiben und aufzunehmen.

Und wie sieht es mit einer Seite C und einer Seite D von "Trust Fall" aus?

Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. Aber sicher, warum nicht?

Ihr seid eine sehr beschäftigte Live-Band. Wie wird die Branche nach Corona aussehen?

Diese Frage stellen wir uns gerade alle. Leider hat niemand eine Antwort. Die Situation ist für uns alle neu. Ähnlich schlimm war es vielleicht während der letzten großen Pandemie von 1918, aber das war eine ganz andere Zeit. Ich hoffe, dass sich die Gesellschaft dank des kollektiven Pausenmoments positiv verändern wird. Es besteht aber auch die Gefahr, dass es zu krassen Machtübernahmen auf der ganzen Welt kommt. Viele Regierungen, einschließlich unsere eigene hier in den USA, weisen diese Tendenzen bereits auf. Aber ich bin vorsichtig optimistisch, anstatt in Hoffnungslosigkeit zu verfallen. Ein klarer Vorteil dieser seltsamen Situation ist es, dass wir eine Renaissance in Kunst und Musik erleben werden.

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