Indielabels vs. Youtube Music

Indies reichen Beschwerde bei Europäischer Kommission ein

YouTube bereitet gerade einen eigenen Streaming-Service "Youtube Music" vor, der im Sommer launchen soll. Dazu verhandelt die Google-Tochter mit den Labels entsprechende Verträge. Und stellt unabhängige Labels vor vollendete Tatsachen. Diese Labels reichen nun Beschwerde bei der Europäischen Kommission gegen Youtube ein. Wir haben Jörg Heidemann vom Indieverband VUT dazu befragt.

Billy Bragg: “YouTube are shooting themselves in the foot with their attempt to strong-arm independent labels into signing up to such low rates. They're in danger of launching a streaming service that lacks the innovative and cutting edge sounds that independent artists bring. Would music fans be willing to pay for such an inferior product? I don’t think so.

TONSPION: Der europäische Verband der Independent Labels IMPALA hat bei der europäischen Kommission eine Beschwerde gegen Youtube eingereicht. Worum geht es da?

Jörg Heidemann: Grundsätzlich geht es um die Tatsache, dass YouTube unabhängigen Musikunternehmen die Pistole auf die Brust gesetzt hat. Nach dem Motto: Hier ist unser Vertrag für unseren zukünftigen Streamingdienst. Er ist nicht verhandelbar. Entweder Ihr unterschreibt ihn oder wir sperren Eure Videos.

Dagegen wird IMPALA eine formelle Beschwerde auf EU-Ebene einreichen. Es geht darum, zu verhindern, dass YouTube seine marktbeherrschende Stellung  missbraucht und auf diese Weise auf den Audiostreaming-Markt überträgt.

Sind die Verträge so schlecht für Indies?

Der Inhalt der Verträge ist vertraulich, jedoch wissen wir von unseren Mitgliedern, dass die Verträge schlechter sind als die der anderen Streamingdienste. Und sie sind eben nicht verhandelbar, gegen solche Geschäftspraktiken wehren wir uns als VUT, schließlich dürfen Independents nicht gegenüber den Majors benachteiligt werden.

Was genau kann die Politik da bewirken?

Die Europäische Kommission könnte YouTube auf die Finger klopfen und sagen: “So geht das nicht.” Wir verstehen politische, regulatorische Maßnahmen als Schutzmaßnahmen gegen missbräuchliches Verhalten sowie als Instrument, um den Wettbewerb und die Vielfalt im digitalen Musikmarkt zu fördern. Die Politik muss die entsprechenden Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass Konzerne ihre marktbeherrschende Stellung gegenüber Indies nicht ausnutzen können oder sie diskriminieren.

Wer steckt hinter der Beschwerde?

Die Beschwerde bei der Europäischen Kommission wird unter Federführung von Impala unter Mitarbeit einer Vielzahl weltweiter Indie-Verbände vorgelegt. Aber auch viele Künstler wie Billy Bragg oder Radiohead unterstützen sie. 

In Deutschland zeigt Youtube doch sowieso kaum noch Musikvideos ohne GEMA-Hinweis. Warum ist das eigentlich so?

Die Gema verhandelt bereits seit mehreren Jahren mit YouTube. Es geht dabei um eine faire Vergütung, die YouTube für das Nutzen der Musik an die Gema zahlen soll. Die Gema verhandelt stellvertretend für die Urheber_innen mit YouTube, an die sie die eingenommenen Gelder verteilt. Es gab auch einen Vertrag, der aber 2009 auslief und seitdem wird über einen neuen Vertrag verhandelt. YouTube selbst ist für die Sperrtafeln verantwortlich und versucht so, die Gema anzuschwärzen. Wenn man sich aber bei jemanden beschweren sollte, so ist das YouTube – denn wenn diejenigen, die die Musik erst schaffen, nicht fair bezahlt werden, wird es irgendwann keine Videos mehr zum Sperren geben.

Wird sich das in absehbarer Zeit mal ändern? In anderen Ländern geht es ja auch...

Das kann ich leider auch nicht sagen.

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