Internet-Milliardär unterstützt Tauschbörsen

Mark Cuban bezahlt die Verteidigung für Grokster

Der US-Milliardär Mark Cuban möchte verhindern, dass P2P-Technologie durch den Druck der Musik- und Filmbranche verboten wird. Deshalb bezahlt er die Anwälte für die Tauschbörsen Grokster und Morpheus, die sich seit gestern vor dem Obersten Gerichtshof der USA verantworten müssen.

Der Prozess wird wahrscheinlich Monate, wenn nicht Jahre dauern. Zwar haben die Tauschbörsen in vorangegangenen Instanzen gewonnen, doch die Entertainment-Industrie ist fest dazu entschlossen, die Tauschbörsen in den finanziellen Ruin zu treiben. Das meint zumindest Mark Cuban, selbst Contentproduzent und mit seiner Firma Broadcast.com seit deren Verkauf an Yahoo zum Internet-Milliardär geworden. Cuban besitzt heute mehrere Firmen, darunter Filmvertriebe, Fernsehsender, Produktionsfirmen, Kinos und das Basketball-Team Dallas Mavericks von Dirk Nowitzki.

"Software stiehlt keine Inhalte, sondern Menschen", zitiert Musikwoche.de den Internet-Visionär. "Es spielt keine Rolle, dass die Musikindustrie sich bei jeder einzelnen technischen Neuerung der letzten Jahre und der befürchteten Gefahr völlig verschätzt hat. Ausschlaggebend für meine Entscheidung war nur, dass die RIAA mehr Geld als alle anderen für Anwälte ausgeben kann". Als Begründung für seinen Schritt, die Tauschbörsen zu unterstützen, obwohl er selbst Firmen hat, die Inhalte verkaufen wollen ergänzt Cuban: "Bits sind Bits. Wir wollen, dass unsere Inhalte so zum Kunden kommen, wie es der Kunde will, wann er es will, und zu Kosten, die der Kunde preiswert findet."

Es ist nicht davon auszugehen, dass Cuban mit seinem Schritt Raubkopierern Vorschub leisten will, sondern er möchte dabei helfen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Ein erfolgreiches Verbot für Tauschbörsen hätte weitreichende Konsequenzen, die Innovationen im Internet zukünftig enorm erschweren würden. Jedes junge Unternehmen müsste dann damit rechnen, bereits mit Heerscharen von teuren Anwälten bewaffnet zu sein, um neue Technologien rechtlich gegen die Ansprüche von Film- und Musikindustrie wasserdicht zu machen. Dies würde viele innovative Ideen bereits im Keim ersticken. Oder deren Erfinder - siehe Napster-Gründer Shawn Fanning - statt in die Selbständigkeit in die Fänge der Konzerne treiben, die dann kaum noch Konkurrenz mehr zu befürchten hätten. Und somit die Preise für ihre Inhalte nach Belieben bestimmen könnten. Dies zu verhindern, ist das eigentliche Motiv dieser unerwarteten Schützenhilfe. (ur)

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