Jahresrückblick 2015: Daniel Ibald

Die besten Alben, Songs und Videos des Jahres

Weihnachtszeit ist Listenzeit und wieder einmal kämpft sich der geneigte Redakteur durch hunderte Namen, die in den vergangenen 12 Monaten Eindruck hinterlassen haben: unverhofft gute Alben alter Helden, eine nicht enden wollende Flut spannender Newcomer und zahlreiche Konzert-Highlights - der Jahresüberblick von Daniel Ibald.

Beste Alben:

1. The Slow Show - White Water
2. Courtney Barnett - Sometimes I Sit And Drink, And Sometimes I Just Sit
3. Tame Impala - Currents
4. Ezra Furman - Perpetual Motion People
5. Viet Cong - Viet Cong

Beste Songs:

1. Børns - Electric Love
2. Du Tonc - Animals
3. Savages - The Answer
4. The Comet Is Coming - Neon Baby
5. Ought - Beautiful Blue Shy

Bestes Video:

Tame Impala - The Less I Know The Better

Warum manche Künstler sich heute überhaupt noch solche Mühe geben ist ein Mysterium: mangels echter Plattformen werden Clips selten so gewürdigt, wie sie es verdient hätten - aber allein für Tame Impalas Feuerwerk aus Ideen, Farben und Absurditäten lohnt es dann doch, zwischen "Das tut uns leid"-Grafiken und Werbe-Overkill auf Entdeckungsreise zu gehen.

Bester Newcomer:

AnnenMayKantereit

Neu sind sie nicht mehr, aber 2015 war ohne Frage ihr Durchbruch. Die drei Kölner sind inzwischen zu viert, der Name bleibt, der Hype auch. Zu Recht, denn wer ohne offizielles Album wiederholt die großen Venues der Republik samt Zusatzterminen ausverkauft, macht offenbar alles richtig. 2015 sang Henning May für KIZ, 2016 singt er für alle. Ich bin kein Orakel wenn ich sage: im März wird ein Album erscheinen, das diese Band zu Helden macht. 

Bester Musikmoment:

Muse in Köln / The Slow Show in Brüssel

Den Thron teilen sich zwei Bands, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ungewohnt intim geriet die phänomenale Album-Präsentation von Muse im Sommer dieses Jahres im Kölner Gloria Theater vor ein paar hundert schweißgetränkten Gästen. Musikalische Kehrtwende: The Slow Show aus Manchester wirken beinahe besinnlich, als sie im Brüsseler La Rotonde vor einem sichtlich ergriffenen Publikum das erste Konzert nach dem 14-tägigen, dem Terror von Paris geschuldeten Ausnahmezustand geben. Atemberaubend schön!

Schlimmster Musikmoment:

Helene Fischer entweiht "The Power Of Love"

Ob man will oder nicht, Helene Fischer ist überall, natürlich auch auch zur Weihnachtszeit. Miterleben zu müssen, wie die Königin des Discofox erst den wehrlosen Frank Sinatra zwecks Duett aus dem Grab zerrt und dann ausgerechnet aus dem makellosen Frankie Goes To Hollywood-Juwel „The Power of Love“ ein seelenloses Stück Plastik macht, ist an Demütigung nicht zu überbieten. Mit einer Mischung aus Ekel und Furcht frage ich: wer kauft sowas und warum sind es so viele? 

Wiederentdeckung des Jahres:

Faith No More

Im Mai endete ein knapp 18 Jahre andauernder Zustand des Verzichts: Faith No More veröffentlichten tatsächlich ein neues Album und alle Bedenken hinsichtlich Comeback-Versuche älterer Herren waren vom Platz gefegt: „Sol Invictus“ ist ein Brett, ein echter Triumph für die Band und eine Erlösung für die Fans. Im Zuge dessen habe sicher nicht nur ich auch wieder vermehrt die alten Platten gehört und eine alte Leidenschaft aufgefrischt. Reine Kosmetik, versteht sich, denn alte Liebe rostet bekanntlich nicht.

Act für 2016:

Elias

Neben Indie-Hoffnungen wie YAK, Wellness oder Drangsal hat im Pop vor allem ein junger Schwede rosige Aussichten für 2016: Elias ist gerade 20 geworden, seine Stimme klingt jedoch nach der Weisheit des Lebens. Die EP „Warcry“ ist gerade erschienen, eine Tour folgt im Mai. Wenn der Spagat zwischen dem eigenem Anspruch und dem eines Major-Labels gelingt, könnte er die Stimme des kommenden Jahres werden.

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