Jahresrückblick 2017: Daniel Meinel

Die besten Alben, Songs und Videos des Jahres

Da ist es auch schon wieder vorbei! 2017 steht ganz im Zeichen großer (politisch-gesellschaftlicher) Songwriterkunst und kleinen aber piekfeinen viel zu spät entdeckten Perlen.

Beste Alben:

1. Father John Misty - Pure Comedy

Was für ein Scheißjahr 2017: Politisch und gesellschaftlich scheint alles den Bach runter zu gehen. "Captain Weirdopants" (die beste Personenbeschreibung, die ich dieses Jahr bzgl. Donald Trump gehört hab - Danke Matthew) ist US-Präsident, ein ganzes Land probt den Massen-Masochismus und die eigene Endlichkeit (huhu UK) und Einer kommentiert alles auf die beste nur erdenkliche Weise.

Father John Misty alias Josh Tilman liefert mit "Pure Comedy" ein Songwriter-Meisterwerk der Extraklasse. Pointiert, und an manchen Stellen so sarkastisch, dass es fast schon weh tut - aber mindestens genauso notwendig ist.

2. Kendrick Lamar - DAMN.
3. Manchester Orchestra - A Black Mile To The Surface
4. Sampha - Process
5. Lorde - Melodrama

Beste Songs:

1. Manchester Orchestra - The Wolf

Es gibt wenige Songs, denen man das Prädikat "nahezu perfekt" anheften darf. Viele Songs auf "A Black Mile To The Surface", dem fünften Album von Manchester Orchestra sind genau das. Komposition, Dramatik, Intrumentarium, Vocals - nie enden wollende Nackenhaare, die zu Berge stehen und ein Song, der mich über mehr als ein halbes Jahr begleitet hat - und es sicher noch weiterhin tun wird.

2. Father John Misty - Things That Would Have Been Helpful To Know Before The Revolution
3. Slaughter, Beach Dog - Fish Fry
4. Fast Romantics - Why We Fight
5. Leyya - Drumsolo

Bestes Video:

HAIM - Want You Back

Ein Video ist nur so gut wie sein Song und "Want You Back" ist nicht weniger als ein Hit! Und das charmant-reduzierte One-Shot-Video der perfekte Begleiter. Stimmung - Optik - Filter - Unperfektheit: einfach alles grundsympathisch!

Bester Free-Download:

Run The Jewels - RTJ 3

Auf EL-P und Killer Mike ist auch dieses Jahr Verlass: Alle (!) Alben kamen als Free Download, so auch RTJ 3.

Bester Newcomer:

Noga Erez

Zu Beginn des Jahres Null auf dem Schirm, haut Noga Erez aus Tel Aviv mit "Off The Radar" ein Album mit schlagkräftiger Message in die Welt. Ihr Debüt ist ein Beatmonstrum und live ist Noga Erez eine Wucht.

Bester Musikmoment:

Als Musikmensch keine fundierte Meinung zu Nick Cave zu haben, darf man fast gar nicht laut sagen (alsp pscht!). Deshalb war das Livekonzert ein Muss um diese Lücke zu schließen. Und der topfite Cave veranstaltete mit seinem musikalischen Sparingspartner und Genie Warren Ellis von den Bad Seeds ein Spektakel. Um Längen energischer, leidenschaftlicher und inbrünstiger als die meisten seiner Kollegen/Innen.

Schlimmster Musikmoment:

Schlimm ist an dieser Stelle vielleicht zu hart, wenn dann war das St. Vincent-Konzert im Huxleys Neue Welt Berlin eine der größten Enttäuschungen der letzten Jahre - persönlich! Der überwiegende Großteil fand das Konzept, die Show, die Performance sehr gut. Auch ich bin Fan von "MASSEDUCTION", dem neusten Album. Aber ein Konzert, das zu 90 Prozent aus Backing-Track besteht, das mehr an eine egomanische One-Woman-Show erinnert anstatt den Fokus auf das zu legen, weshalb man sich durch den nasskalten Herbst gekämpft hat (Reminder: der Musik wegen-gern auch mit Band), das wirkte auf mich persönlich, äußerst, sagen wir, befremdlich.

Wiederentdeckung des Jahres:

Vielleicht angefixt durch das Comeback der Killers, die mit "Run For Cover" (endlich mal wieder) einen richtigen Hit zustande brachten, kamen auch Matthew & The Atlas wieder zum Vorschein. Annähernd das gleiche Instrumentarium, dieselbe Inbrünstigkeit und im Spätherbst erschien eine neue EP und 2018 - *Däumchen drücken - vielleicht dann auch ein neues Album samt Tour.

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Aktuelles Album

Father John Misty - God's Favorite Customer ALBUM 2018

Father John Misty - God's Favorite Customer

Redaktionswertung: 
schlimm
schwach
mittelmäßig
gut
sehr schön
herausragend
Sein letzte Platte war unser TONSPION-Album des Jahres 2017. Joshua Tillman aka Father John Misty ist nur ein Jahr nach "Pure Comedy" zurück und richtet den Blick nun statt auf die Welt um ihn herum, auf sich selbst und sein Innerstes - gezwungenermaßen.